Drei Wochen lang die Berufswelt erkundet

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Nelly arbeitet in der Küche der Waldheimat. Hauswirtschafterin ist für sie ein mögliches Berufsziel. ▪

KIERSPE ▪ Jeweils in den drei Wochen nach den Herbstferien ist der neunte Jahrgang der Gesamtschule in den Betrieben der Region unterwegs. Im Rahmen eines Praktikums erkunden sie die Arbeitswelt, lernen unterschiedliche Berufsfelder kennen und können bereits vorhandene Berufswünsche mit der Wirklichkeit abgleichen.

Während manche noch nicht recht wissen, was sie nach der Schule machen wollen, haben andere bereits konkrete Pläne. Für Stefan steht sein Berufsziel fest, er will Ingenieur werden. Zusammen mit seinen Mitschülern Simon und Finn absolviert er sein Praktikum im Autohaus Knabe. Finn setzt sich zur Zeit besonders mit der Elektrik auseinander, Stefan und Simon sind mit Inspektionswartungen beschäftigt. Öl- und Luftfilterwechsel und das Aufziehen von Winterreifen gehört zu ihren Aufgaben, bei kleineren Reparaturen sind sie ebenfalls dabei.

Serviceleiter Sascha Kempkes ist sehr zufrieden mit seinen Praktikanten. Alle drei seien immer pünktlich und setzten die Arbeit gut um. Auch für die Gesamtschule fällt ein dickes Lob ab. Die Schule habe die Jungen gut vorbereitet, sie achte darauf, dass die Schüler für die jeweilige Praktikumsstelle geeignet seien.

Die Organisation des Schülerpraktikums in der neunten Klasse gehört zum Aufgabenbereich von Lehrer Bernd Weber. Wenn das Praktikum beginnt, ist für ihn die Hauptarbeit gelaufen. Seine Aufgabe besteht vor allem in der Organisation, er muss Betriebe und Schüler zusammenbringen. Das ist viel Arbeit, immerhin 212 Schülerinnen und Schüler müssen „versorgt“ werden. Bis jetzt sei alles gut gelaufen, ist Webers Zwischenfazit, die Rückmeldungen seien ganz überwiegend positiv.

Die weitaus meisten Schüler hatten sich ihre Praktikumsstelle selbst gesucht, überwiegend in Kierspe und Meinerzhagen. In Halver, Lüdenscheid und Wipperfürth sind ebenfalls Gesamtschüler beschäftigt. Einige wenige machen ihr Praktikum weitab ihres Wohnorts, so eine Schülerin, die zur Zeit in einem Hotel auf Juist das Berufsbild einer Hotelmanagerin erkundet. Betreut werde sie dort von Lehrern der Inselschule, die Gesamtschule hält telefonisch Kontakt.

Nach Webers Erfahrung sind die Jungen bei der Praktikumswahl insgesamt breiter aufgestellt als die Mädchen. „80 Prozent aller Mädchen sind auf vier bis fünf Berufe fixiert.“ So sind auch in diesem Jahr wieder viele Mädchen in sozialen und pädagogischen Einrichtungen beschäftigt, beim Friseur und in kaufmännischen Berufen, während es die Jungen eher in den gewerblich-technischen Bereich zieht.

Diana und Eleanora sind in der Awo-Kindertagesstätte „Liederwiese“ eingesetzt. Die Beschäftigung mit den Kindern macht ihnen Spaß. „Wir spielen mit den Kindern, helfen ihnen beim Frühstück und beim Anziehen,“ berichten sie. Hauswirtschaftliche Arbeiten gehören ebenfalls dazu, ergänzt Dana Schlag, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung.

Eleanora ist in der „Marienkäfer“-Gruppe beschäftigt, Diana arbeitet bei den „Singemäusen“ mit, der U 3-Gruppe. Die Arbeit mit kleinen Kindern ist für sie nichts Ungewohntes: Diana ist die Älteste von zehn Kindern.

Die Berufswünsche der Jungen und Mädchen speisen sich nicht zuletzt aus ihrem privaten Umfeld. Für Christian ist klar, er will Maurer werden. Die Arbeit kannte er schon vorher von seinem Onkel. Mit den Mitarbeitern der Firma Becker fährt er auf die Baustellen, mischt Beton, hilft beim Tragen und fegt. Die Arbeit sei anstrengend, mache aber Spaß.

Auch Paulin und Kevin, die in der Tierarztpraxis Klaus arbeiten, bringen Vorerfahrungen mit. Paulin kommt aus der Landwirtschaft, während es in Kevins Familie zahlreiche Haustiere gibt. „Katzen sind gefährlicher als Pferde“, meint Paulin, denn längst nicht jeder Stubentiger lasse sich gerne behandeln. Sie kann sich für später eine Arbeit mit Tieren vorstellen, während Kevin seine Zweifel hat. „Eine Katze aufschneiden würde ich nicht.“

Die Arbeit sei anstrengend, meinen auch sie. Vor allem das lange Stehen ist für die meisten Jungen und Mädchen ungewohnt. Auch die Arbeitszeiten sind für viele gewöhnungsbedürftig. In vielen Betrieben beginnt die Arbeit für sie um 7 Uhr morgens, manche sind auch im Schichtbetrieb eingesetzt.

Susanne lernt im Blumenladen „Die Holländerin“ im Rewe-Markt den Beruf der Floristin kennen. Einmal in der Woche ist sie für die Spätschicht eingeteilt, dann arbeitet sie von 13 bis 20 Uhr.

Nelly arbeitet regelmäßig von 7 bis 14 Uhr. Dass sie früher zuhause ist als während der Schulzeit, findet sie gut, allerdings habe sie oft Rückenschmerzen. Ihren Praktikumsplatz in der Großküche der Waldheimat hat sie sich selbst gesucht, ein mögliches Ziel ist für sie der Beruf der Hauswirtschafterin. Aber sie hat auch schon Praktika im Einzelhandel und in einer Grundschule gemacht. Ein weiteres Praktikum bei einem Arzt soll noch folgen, danach will sie sich entscheiden.

Birgitta Negel-Täuber

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