Drei Generationen – eine Leidenschaft

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Drei Generationen arbeiten auf dem Bauernhof in Vornholt. ▪

KIERSPE ▪ Drei Generationen unter einem Dach? In den Dörfern rund um Kierspe keine Seltenheit. Aber was passiert, wenn diese drei Generationen nicht nur unter einem Dach leben, sondern auch noch Tag für Tag gemeinsam arbeiten? „Klar kommt es da zu Konflikten, das ist ganz normal – gerade, wenn alle drei die gleiche Leidenschaft teilen“, weiß Reiner Grafe. Der Landwirt aus Vornholt bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Vater Dieter und seinem Sohn Florian einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 230 Tieren und jeder Menge Wald.

„Hier auf dem Hof hat jedes Familienmitglied seinen eigenen Bereich. Sonst würde das wahrscheinlich im Chaos enden“, erklärt Reiner Grafe. Dennoch käme es immer mal wieder zu Streitigkeiten, insbesondere zwischen dem Jüngsten und dem Senior. „Mein Sohn möchte die neusten und modernsten Erkenntnisse in den Betrieb einbringen. Mein Vater steht dem eher skeptisch gegenüber und argumentiert mit seiner Erfahrung – das ist schon oft schwierig.“ Aber dies sei normal, schließlich brächten sich alle bestmöglich in den Betrieb ein.

Dieter Grafes Bereich ist das Holz. „Das ist ein wichtiges Standbein. Unser Haupteinkommen sichern die Kühe, aber für die Zukunft ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein“, erklärt der Senior. Insbesondere mit der Produktion von Zaunpfählen habe die Familie eine Marktlücke gefunden. Sohn Reiner kümmert sich um die Milchkühe, Enkel Florian um das Futter. So habe jeder seinen Bereich in den er sich voll einbringen könne.

Das Konflikpotenzial sei dennoch hoch, auch wenn jeder seinen Part hat. „Da ist es schon wichtig, dass jeder seinen eigene Wohnung auf dem Hof hat, manchmal muss man die Tür auch einfach mal zu machen können“, weiß Reiner Grafe.

Insgesamt bewirtschaftet die Familie eine Fläche von 110 Hektar. Hinzu kommen 100 Milchkühe, Nachzucht, Winterdienst und Forst. „Der Betrieb ist für die Zukunft gut aufgestellt, für mich ist es völlig normal, dass ich hier einsteige. Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen“, erklärt Florian Grafe. Dafür nehme er auch in Kauf, dass lange Urlaube und geregelte Arbeitszeiten Fremdworte seien. „Das ist ein Beruf, da geht es nur mit viel Leidenschaft und Idealismus. Aber er gibt einem auch viel zurück“, so der Junior weiter. Sein Traum ist es, den Betrieb weiter zu vergrößern, den Kuhkomfort zu steigern und modernste Technik und Erkenntnisse einzubringen. „Das schöne ist, ich sehe am Ende des Tages, was ich geschafft habe. Hinzu kommen die Erfolgsmomente, wie ein Tank voller Milch oder natürlich die Geburt eines gesunden Kalbes. Allein dafür lohnt es sich jeden Tag zu arbeiten“, erzählt Florian Grafe. Dennoch weiß, er, dass sein Beruf auf keinen Fall mehr „normal“ ist. In seiner Schule war der einzige Junge, der von einem Vollerwerbsbetrieb kam. „Man darf nicht vergessen, der Beruf hat sich gewandelt. Früher sah man von weitem, wer ein Landwirt war, das ist heute nicht mehr so. Ich sitze nicht von morgens bis abends auf dem Trecker oder miste Ställe.“ Vielmehr sei er Landwirt, Elektriker, Tierarzt und Manager in einem.

Eine wichtige Rolle auf dem Hof spielen auch die Frauen. Sylvia Grafe, die Frau von Reiner Grafe, gab beispielsweise ihren Job als Chefsekretärin bei Douglas auf: „Ich habe mich nicht geopfert! Im Gegenteil: Ich habe es noch keine Minute bereut.“ Sicherlich war es ihr wichtig, sich beruflich zu verwirklichen, aber sie habe schnell gemerkt, dass es der Hof sei, den sie wolle. „Auch hier habe ich mit der Nachzucht den Part, in den ich mich voll einbringen kann. Der Familienbetrieb ist etwas Besonderes, das möchte ich nicht missen.“

Lydia Machelett

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