Drogenexporte nach Kierspe vor Amtsrichter

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Ein 26-jähriger Dortmunder muss sich wegen Drogenhandels mit einem Kiersper vor Gericht verantworten.

Kierspe - Nachdem sich bereits der Kiersper Adressat zahlreicher Drogenexporte aus der Dortmunder Nordstadt vor Gericht verantworten musste, hatte auch der Lieferant aus dem Ruhrgebiet nun seinen Termin vor dem Richter. 

Es dauerte im Herbst 2016 ein paar Wochen, bis die Polizei einem schwunghaften Marihuana- Handel zwischen Kierspe und der Dortmunder Nordstadt auf die Schliche kam. Die Telefonüberwachung des Kiersper Empfängers der Lieferungen brachte sie auf die Spur des Dortmunder Verkäufers von insgesamt acht Lieferungen Marihuana. Jede überschritt mit einem Gewicht von bis zu 200 Gramm die Grenze zur geringfügigen Wirkstoffmenge etwa um den Faktor Drei. Nur die achte und letzte Sendung wurde von den Beamten aus dem Verkehr gezogen – fast drei Pfund Marihuana waren da vermutlich schon in Rauch aufgegangen. Das sind nach den Rechnungen der Kriminalbeamten mindestens 10 000 Konsumeinheiten. 

Nachdem in der vergangenen Woche bereits der Kiersper Empfänger und Weiterverkäufer der Ware im Amtsgericht Lüdenscheid zu einer vollstreckbaren Haftstrafe jenseits der Zwei-Jahres-Grenze verurteilt worden war, musste sich nun auch sein Lieferant vom Borsigplatz wegen des Handels mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel vor einem Schöffengericht verantworten. Der 26-Jährige legte ein umfassendes Geständnis ab und korrigierte lediglich den Verkaufspreis der Ware. 

Pro Gramm habe er etwa einen Euro auf die Dortmunder Einkaufspreise aufgeschlagen. Sein Anwalt Jörg Tigges berichtete von der frühen Drogenkarriere seines Mandanten und von einer Szene am Borsigplatz, „wo man Kinder nicht aufwachsen lassen sollte – Man kann von Glück sagen, wenn man dort ein Kind hat, das keine Drogen nimmt.“ Dortmund rangiere unter den deutschen Drogenhauptstädten mittlerweile an zweiter Stelle – nach Frankfurt am Main. 

Eigenen Rausch finanziert

Seine eigene Drogenabhängigkeit wollte der Angeklagte zunächst verschweigen. Als Vater von zwei kleinen Kindern befürchte er Ärger mit dem Jugendamt, erklärte der Verteidiger dieses Verhalten. Letztlich blieben aber wenig Zweifel daran, dass der Angeklagte mit dem Export der Dortmunder Drogenhölle in den Märkischen Kreis vor allem seinen eigenen Marihuana-Konsum hatte finanzieren wollen. 

Nach mehreren Verurteilungen hatte er 18 Monate vor den Lieferungen nach Kierspe schon einmal eine siebenmonatige Haftstrafe abgesessen – ebenfalls wegen mehrfachen Handels mit einer nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln. Das trieb das Strafmaß in die Höhe: Der Staatsanwalt beantragte eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. 

Der Verteidiger regte dennoch ein Nachdenken über eine Bewährungsstrafe an. Das Schöffengericht blieb zwischen den beiden Anträgen und verurteilte den Dortmunder zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. „Es ist erforderlich, dass der Angeklagte noch einmal für einige Zeit in Strafhaft geht“, sagte Richter Jürgen Leichter in seiner Urteilsbegründung. Die Feststellung, dass die Straftaten aufgrund der Drogenabhängigkeit des 26-Jährigen begangen wurden, öffnet diesem allerdings den Weg in eine Drogenentzugstherapie.

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