Auch unter der Erde gelten Regeln

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Auch auf dem Weg zur letzten Ruhestätte gelten Gesetze und Vorschriften – nicht nur bei der Gestaltung der Gräber, sondern auch bei allem, was unter der Erde stattfindet.

Kierspe - Für die Angehörigen ist es Trauerbewältigung und eine letzte Brücke, die sie zu dem Verstorbenen bauen können, für den Bestatter manches Mal eine Gratwanderung und für den Staat eine Auslegung seiner Gesetze. Die Rede ist von Grabbeigaben und der Kleidung des Toten bei der Beerdigung. Denn selbst in diesem letzten Moment unter den Lebenden dürfen die Toten nicht immer tun, was sie sich als Lebende gewünscht haben.

„Grabbeigaben sind ein großer Teil der Trauerbewältigung“, da ist sich Dorothea Hunsmann-Wende sicher. Die Kiersperin ist seit Jahrzehnten als Bestatterin in Kierspe tätig – und hat in den Jahren viele Wünsche von Angehörigen gehört, wenn es um die Kleidung des Verstorbenen geht oder auch um Beigaben, die ihren Platz im Sarg finden sollen. 

„Vor allem, wenn junge Menschen sterben, ist der Wunsch, etwas Persönliches mit ins Grab zu geben, groß“, sagt Hunsmann-Wende und zählt Briefe, Bilder – vor allem das Hochzeitsbild – oder auch Stofftiere auf. Hunsmann-Wende: „Da wurde auch schon mal das Ultraschallbild des ungeborenen Kindes in den Sarg der Großmutter gelegt.“ Manchmal herrsche aber auch Unsicherheit darüber, ob es dem Verstorbenen Recht sei, wenn das Lieblingsstofftier oder auch etwas anderes mit beerdigt würde. 

Eigene Bettwäsche gewünscht

Ganz anders sieht es da schon mit der eigenen Bettwäsche aus. „Das wünschen mittlerweile sehr viele Hinterbliebene“, erzählt die Bestatterin. Gegen diesen Wunsch spreche auch nichts. Anders könne es da schon mal bei der Kleidung aussehen. „Gerade die Älteren haben meist die Kleidung, in der sie beerdigt werden möchten, bereitgelegt. Das ist dann oft noch das klassische Leinenhemd – und immer wieder selbstgestrickte Socken. Die sind vielen sehr wichtig, weil sie sich daran erinnern, dass der oder die Verstorbene oft kalte Füße gehabt habe.“ 

Die Bestattermeisterin Dorothea Hunsmann-Wende erzählt von ihren Erfahrungen.

Zur Gratwanderung wird die Kleidung bei einer Erdbestattung vor allem, wenn synthetische Bekleidung getragen werden soll – beispielsweise das Trikot des Lieblingsvereins. „Der Gesetzgeber schreibt verrottbare Kleidung vor, aber wie will man das immer entscheiden, wenn etwa der kleine Zettel, der Auskunft über die Materialzusammensetzung gibt, fehlt“, erklärt die Bestatterin. 

Bei der Feuerbestattung sei das alles meist kein Problem, da das Unternehmen, mit dem Hunsmann-Wende zusammenarbeite, über sehr moderne Filteranlagen verfüge und auch während der Verbrennung die Materialien nicht mehr die Rolle spielten, wie bei früheren Öfen.

Persönliche Bekleidung 

Den Anteil der Verstorbenen, die in persönlicher Kleidung beigesetzt werden, schätzt Hunsmann-Wende auf 95 bis 98 Prozent. Kommt es dann doch mal vor, dass ein Verstorbener keine eigene Kleidung für die Beerdigung hat, gibt es sogenannte Sterbetalare oder Sterbehemden, die der Bestatter zur Verfügung stelle. Der Bestatter ist letztlich auch für das Ausschlagen des Sarges und die Kissen und Decken zuständig, die zum Sarg gehören. 

Dass es auch dort Probleme geben kann, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. „Die Särge müssen mit einem Material ausgeschlagen sein, das Flüssigkeit aufnehmen kann. Früher verwendete man dafür Ölpapier, dann eine Folie, die verrotten sollte, es aber nicht optimal tat – heute wird ein beschichtetes Papier verwendet.“ 

Das Problem bei der Verwendung falscher Materialien ist, dass eine falsche Materialauswahl des Herstellers frühestens nach 25 bis 30 Jahren auffällt, weil erst dann die Liegezeit auf dem Friedhof frühestens endet.

Standfestigkeit ist gefragt

Doch nicht nur bei den Materialien im Sarg ist Sorgfalt gefordert, sondern auch bei der Beschaffenheit des Sarges selbst. Bei Erdbestattungen ist Standfestigkeit gefragt. So sollte ein Kiefernsarg rund sechs bis acht Jahre dem Erddruck widerstehen, Hartholzsärge aus Eiche und Buche sollten mindestens acht Jahre widerstehen. Klar ist aber, dass ein Sarg verwendet werden muss. Sargzwang nennt sich die Vorschrift, die sagt, dass kein Verstorbener ohne entsprechenden Sarg beerdigt oder verbrannt werden darf. 

Kein Verstorbener? Seit 2014 ist es je nach Religion des Verstorbenen möglich, nur in einem Leichentuch zu bestatten. Allerdings ist das nur auf dafür reservierten Begräbnisfeldern innerhalb eines Friedhofs möglich. In Kierspe und auch in der Nachbarstadt Meinerzhagen gibt es solche Felder nicht. 

Aber vor vier Jahren wurde nicht nur der Sargzwang in diesen Fällen gelockert, sondern auch die Zeit, die zwischen dem Eintritt des Todes und der Bestattung vergehen muss, wobei ebenfalls religiöse Gründe den Ausschlag gaben. Wurden früher 36 Stunden vom Gesetzgeber gefordert, sind es heute noch 24 Stunden. „Allerdings steht dem oft die Beurkundung im Weg, vor allem, wenn es am Wochenende zu einem Sterbefall kommt“, erklärt die Bestatterin.

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