„Dorf wird aufblühen und Gastronomie profitieren“

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Der städtische Planer Rainer Schürmann erklärte das Projekt. ▪

KIERSPE ▪ „Die Idee mit der Bäckerei und dem Café fasziniert uns alle“, erklärte die BUND-Vorsitzende Gudrun Barth während der Bürgerversammlung zur Vorstellung der Planungen im Bereich der Immobilie des früheren Dornseifer-Marktes am Donnerstagabend in der Pausenhalle der Bismarckschule.

Doch zum besonderen Ambiente im Dorf gehöre auch die alte Eiche auf dem Grundstück und müsse aus dem Grund unbedingt erhalten werden. „Sie hat eine kräftige Krone, ist einigermaßen gesund und bildet ein wichtiges Pendant zum Turm der Margarethenkirche“, sagte Barth. Zu beachten bei den Planungen sei unbedingt, dass der Wurzelbereich etwa die doppelten Ausmaße der Krone habe. Damit sprach sie eines der beiden Probleme an, die bei der Realisierung des Projekts zu lösen sind.

Das andere ist entstehende Mehrbelastung für die Pulverstraße, denn der Kreuzungsbereich soll über sie ein Stück weiter talwärts verlagert werden, wie der städtische Planer Rainer Schürmann informierte. Eine Forderung für die Umsetzung der Planung seitens des Straßenverkehrsamtes sei so, dass von der Schmiedestraße, auf die zurzeit noch die Luiseneiche mündet, in Zukunft nur auf den entstehenden neuen Parkplatz eingefahren werden darf, aber nicht mehr heraus, so dass die Kreuzung als Gefahrenbereich entschärft wird. Nach dem Einkauf fahren die Kunden dann vom Parkplatz entweder über die Luiseneiche weg oder über die Pulverstraße, die dann zur neuen Anbindung wird. Das bedeutet natürlich deutlich mehr Verkehr für die dort wohnenden Anwohner, die vor vielen Jahrzehnten durch den Ausbau der Kreisstraße 2 vom Durchgangsverkehr befreit worden sind.

Obwohl die Investoren die große Lösung favorisieren und einzig auch nur vorantreiben, die neben dem Neubau des Marktes außerdem den Neubau der Bäckerei künftig dann mit ebenerdigem Zugang, Café, Eisdiele, Warmtheke und Veranstaltungsräumen sowie außerdem in einem weiteren Gebäude einen Getränkemarkt vorsieht, stellte die Stadtverwaltung, die neben Schürmann zudem durch Bürgermeister Frank Emde und Bauamtsmitarbeiter Wolfgang Plate vertreten war, ebenfalls die kleine Lösung nochmals vor. Diese sieht den Bau des Marktes ohne neues Diwald-Café und Getränkemarkt vor und bildete auch die Grundlage für die Aufstellung des neuen Bebauungsplans, weil mehr Parkraum als bisher geschaffen werden muss.

Nachdem Parkraum auf beiden Seiten der Luiseneiche vom Straßenverkehrsamt wegen der Gefahren für die Einkäufer nicht akzeptiert wurden, entstand die Alternative, die Luiseneiche über die Pulverstraße anzubinden. Bei Nutzung allein der Flächen im städtischen Besitz reicht der Platz für einen Gehweg nicht aus, so dass ein Mischverkehr für Fußgänger wie Autos und ein Gebot für Schritttempo vorgesehen sind. Dagegen entstand am Donnerstagabend deutlicher Widerstand: Gefordert wurde eine Verbesserung der Situation mit mehr Sicherheit für Fußgänger, zumindest durch Anlage eines Gehweges. Frank Emde sagte zu, dass dies versucht werden solle.

Ohnehin wollte die ganz große Mehrheit der Anwesenden nicht die kleine, sondern die große Lösung, bei der die Anlage eines Gehweges dann kein Problem wäre und auch angestrebt ist, weil sich hinter dem Getränkemarkt zur Pulverstraße hin ein knapp fünf Meter breiter Streifen befindet, von dem etwas abgezweigt werden kann.

Der Bürgermeister berichtete außerdem kurz über den Stand der Verhandlungen: So fehle von der Eigentümergemeinschaft der alten Dornseifer-Immobilie immer noch eine Unterschrift. Doch zeigte Christian Räbsch als Chef der Bäckerei Diwald und einer der beiden Investoren sich optimistisch, dass es bereits in Kürze hier grünes Licht gebe. Emde sagte, dass am Betrieb des neuen Marktes nur noch Netto interessiert sei, nachdem Norma und Penny wieder abgesprungen seien. Netto habe darüber hinaus den Vorteil, dass das Sortiment mehr als 2000 Artikel umfasst und damit anders sei als bei anderen Discountern wie Aldi, wo es bloß knapp 1000 Artikel seien. Gegenstand der Planungen sei ein Markt mit einer Größe von unter 800 Quadratmetern.

Die Zahl der demnächst zur Verfügung stehenden Parkplätze wurde korrigiert und zunächst mit 49 beziffert, wobei einige bereits vorhandene noch hinzu kämen, so dass es insgesamt knapp 60 seien. Also doch nicht 75, wie es bislang immer geheißen hatte. Schürmann berichtete über Verkehrszählungen, die 98 Autos in der Stunde auf der Luiseneiche und 49 auf der Goethestraße ergeben hätten. Im Fall der Straßenverlegung würde sich der Verkehr auf der Goethestraße den Berechnungen zufolge auf 100 Fahrzeuge erhöhen.

„Ein größerer Markt mit mehr Stellplätzen ist wichtig, um diesen rentabel und wettbewerbsfähig zu gestalten“, so Frank Emde, der zudem ankündigte, dass jetzt erst das Einvernehmen mit dem Denkmalschutz hergestellt werden müsse. Allerdings haben die Investoren sich bei der architektonischen Gestaltung schon weitgehend am derzeitigen Bau orientiert. Christian Räbsch betrachtet das Projekt als eine Ankerplanung, von der weitere positive Impulse für den Altstadtbereich ausgehen könnten.

„Die Planung stellt eine unheimliche Aufwertung fürs Dorf dar und ist sehr schön“, befand Marc Voswinkel, Ratsvertreter der SPD. Er appellierte, dass die Kiersper dann aber auch im neuen Markt einkaufen müssten. „Auch ich stehe voll zur großen Lösung. Das  Dorf wird aufblühen und die Gastronomie profitieren“, nahm Clemens Wieland von der UWG Stellung. Jürgen Tofote von der CDU betonte die Einigkeit in der Politik hinsichtlich des Marktes, der wichtig fürs Dorf sei, sowie ebenfalls in punkto Schutz der Eiche. Vom neuen Café mit Veranstaltungsräumen geht nach seiner Überzeugung eine Bereicherung aus. ▪ Rolf Haase

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