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Dorf erst ohne, bald gleich mit zwei Vollsortimentern

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Von: Johannes Becker

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Daniel Waniek steht zu seiner Wahlheimat Rönsahl. Das sieht man nicht nur an seiner T-Shirt-Auswahl, sondern auch daran, dass er die Lebensmittelversorgung im Ort sicherstellen möchte.
Daniel Waniek steht zu seiner Wahlheimat Rönsahl. Das sieht man nicht nur an seiner T-Shirt-Auswahl, sondern auch daran, dass er die Lebensmittelversorgung im Ort sicherstellen möchte. © Becker, Johannes

 Es ist noch gar nicht lange her, da befürchteten die Rönsahler in absehbarer Zeit ganz ohne Lebensmittelversorgung in der Nähe dazustehen. So wie es jetzt aussieht, könnten die Bewohner des Grenzdorfes bald sogar die Auswahl zwischen zwei Geschäften im eigenen Ort haben.

Rönsahl - Bislang war die Sache klar: Rönsahler, die im Ort Lebensmittel einkaufen möchten, gingen in den „Nah und Gut“ (Edeka) von Reiner Crone an der Hauptstraße. Aus gesundheitlichen Gründen beendet dieser aber seine Geschäftstätigkeit zum Jahresende. Grundsätzlich war diese Entwicklung abzusehen, wenn auch nicht die Zeitspanne. Deshalb hatten Stadtverwaltung und Politik lange auf ein Grundstück neben der Tankstelle gesetzt, um dort einen Discounter oder Supermarkt ansiedeln zu können. Doch nach langen Verhandlungen hat der Eigentümer des Grundstücks dieses nun an die Betreibergesellschaft der Tankstelle veräußert.

Pläne der Stadt

Nun möchte die Stadt gerne einen Supermarkt im Gewerbegebiet Meienborn ansiedeln – also ausgerechnet dort, wo der Rat eine solche Ansiedlung über den Bebauungsplan ausgeschlossen hatte, um die Pläne bezüglich eines Marktes im Ortszentrum nicht zu gefährden.

Da durch die Entscheidungen des Grundstückseigentümers und auch die von Reiner Crone die Zeit nun drängt, sollte der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung (StaPlaWi) darüber beraten und eine entsprechende Empfehlung an den Rat geben, damit dieser in der kommenden Woche den Bebauungsplan entsprechend ändern kann.

So ist es auch geschehen, allerdings gab es zuvor noch eine Überraschung für die Ausschuss-Mitglieder, denn Daniel Waniek, der als sachkundiger Bürger für die CDU im StaPlaWi sitzt, teilte mit, dass er beabsichtigt, ein Lebensmittelgeschäft in Rönsahl zu betreiben.

Waniek will mehr

Erst im Frühjahr hatte Waniek das Geschäft von Regina Markus an der Straße Am Stade übernommen, um dort seine „Stimmungskiste“ zu eröffnen und auch die Postfiliale weiterzubetreiben.

Während er in seinen Ausführungen vor den Ausschussmitgliedern noch nicht sagte, wo und ab wann er den neuen Laden eröffnen möchte, wurde er im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeit nun konkreter: Daniel Waniek übernimmt das Ladenlokal von Reiner Crone und wird dort unter dem Namen Stimmungskiste die Nahversorgung sicherstellen.

„Das wird aber wohl keinen nahtlosen Übergang geben. Ich werde den Januar brauchen, um den Laden zu renovieren, und hoffe, im Februar eröffnen zu können“, erzählt er. Bis dahin werde aber auf jeden Fall sein bisheriges Geschäft geöffnet bleiben – und damit auch die Post. Außerdem möchte er ein Grundsortiment an Lebensmitteln anbieten, um gerade immobilen Rönsahlern eine Versorgung vor Ort zu ermöglichen.

Schwere Entscheidung

„Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir haben in der Familie lange darüber gesprochen, ob wir diesen Schritt gehen. Doch ich denke, das ist gut so“, sagt der Jungunternehmer.

Das Interesse, „ein Vollsortimenter zu werden“, habe schon länger bestanden. Waniek habe, so erzählt er, in den vergangenen Monaten und Wochen acht sogenannte Dorfläden besucht, sich deren Konzepte angeschaut und mit Bedacht einen Lieferanten ausgesucht, der ihn zukünftig mit Waren versorgt. Ergänzt werden soll dieses Angebot, das eine Edeka-Tochter zur Verfügung stellt, durch regionale Produkte, die er selbst einkauft. „Es soll aber auch Schnittblumen und Frischfleisch auf Bestellung geben. Dazu kommen noch vom Metzger verpackte Fleisch- und Wurstwaren, die im SB-Bereich verkauft werden können.

Lieferservice

In seiner „Stimmungskiste“ bietet Waniek bereits jetzt einen Lieferservice für Getränke an, dieser soll dann mit der Übernahme erweitert werden. „Ich werde die Lebensmittel, die sich die Menschen bei mir im Laden aussuchen können, dann ebenfalls ausliefern“, verspricht er. Später soll dann möglichst auch noch eine Bestellmöglichkeit per Telefon dazukommen, „vielleicht ja auch noch irgendwann per App, wer weiß“.

Örtliche Versorgung

Angst vor dem Netto in der Nachbarschaft hat er nicht: „Es gibt eine Tendenz zum Dorfladen und zur örtlichen Versorgung. Außerdem bin ich viel flexibler als solch ein Discounter, der sein festes Sortiment hat und nicht auf die Wünsche der Kunden eingehen kann. Das sieht man ja auch in Kierspe, wo es zwei Netto, einen Aldi und einen Lidl gibt, trotzdem zieht der Petz die Kunden in großer Zahl an“, so Waniek. Ganz so groß wie das des Petzes wird sein Geschäft aber nicht werden. Rund 200 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen ihm am neuen Standort zur Verfügung – damit aber doppelt so viele wie bisher.

Erst im Frühjahr hat Daniel Waniek das Geschäft von Regina Marcus übernommen. Im neuen Jahr wird er dort bereits wieder ausziehen und das Ladenlokal an der Hauptstraße von Reiner Crone übernehmen.
Erst im Frühjahr hat Daniel Waniek das Geschäft von Regina Marcus übernommen. Im neuen Jahr wird er dort bereits wieder ausziehen und das Ladenlokal an der Hauptstraße von Reiner Crone übernehmen. © Becker, Johannes

Nachbarschaft

„Als Geschenk“ bezeichnet der Rönsahler den Bau der seniorengerechten und barrierefreien Wohnungen gleich nebenan, dort wo jetzt noch die Ruine des ehemaligen Hotels „Zur Leye“ steht (die Meinerzhagener Zeitung berichtete).

Stillstand ist vorbei

Holger Scheel, Ortsbürgermeister von Rönsahl, CDU-Mitglied und Vorsitzender des StaPlaWi, formulierte im Ausschuss: „Lange tat sich in Rönsahl nichts. Jetzt soll es einen Discounter, einen Dorfladen und mit den Plänen für das ehemalige Hotel auch neue Wohnmöglichkeiten geben. Das sind auch gute Voraussetzungen für die zukünftige Teilnahme an Dorfwettbewerben. Konnten wir bislang immer nur unsere Vorstellungen und Wünsche dort vorstellen, können wir nun konkrete Planungen vorweisen.“

Risiko Bezirksregierung

Nun hoffen die Ausschussmitglieder und die Kiersper Stadtverwaltung, dass ihnen die Bezirksregierung in Arnsberg, die den Ansiedlungsplänen für den Discounter noch zustimmen muss, keinen Strich durch die Rechnung machen wird. Denn zu Recht wurde von der SPD festgestellt, dass die Fläche in Meienborn, auf der der Netto entstehen soll, dann als Gewerbefläche fehle – und mit diesen sei Kierspe ja nicht gerade gesegnet.

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