Menschen aus dem Wasser retten

+
Fabian Wiebe und Annika Zapp von der DLRG zeigen im Wasser des Hallenbads das Ziehen: Man hält sich an den Schultern fest und lässt sich vom Rettungsschwimmer ziehen. Der 16-jährige Fabian Wiebe hat das Abzeichen bereits in Silber, während die 13-jährige Annika Zapp Bronze-Rettungsschwimmerin ist.

Kierspe - Die Kooperation greift zum zweiten Mal: Die Ortsgruppen Halver und Kierspe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bietet in zwei Wochen – ab dem 15. Februar – wieder einen Rettungsschwimmerkurs an, der an sechs Abenden in Doppelstunden das notwendige Wissen in Theorie und Praxis vermittelt.

„Wir können das Hallenbad dafür anbieten und sorgen für die Betreuung“, sagt Nico Howorka, Vorsitzender der DLRG Kierspe, „und das DLRG Halver hat die Ausbilder“. Einer davon ist Stefan Borlinghaus, der den Rettungsschwimmerkurs im Kiersper Hallenbad Räukepütt auch leiten wird.

Probleme, sich dort zurechtzufinden, hat der Ausbildungsleiter der DLRG Halver nicht, denn er arbeitet als Schwimmmeister im Hallenbad. Sowohl Stefan Borlinghaus als auch Nico Howorka würden sich darüber freuen, wenn einer der Teilnehmer durch diese Ausbildung den Weg in die DLRG-Ortsgruppe finden würde – um an dem Kurs teilnehmen zu können, ist dies aber keine Voraussetzung.

Stefan Borlinghaus demonstriert einen der Befreiungsgriffe.

Ganz im Gegenteil: Die Rettungsfähigkeit wird in einer Reihe von Berufen erwartet beziehungsweise ist eine Voraussetzung beispielsweise für Lehrer, Übungsleiter im Rehasport oder um eine Ausbildung an einer Sportschule oder ein Sportstudium beginnen und durchführen zu können. Dass dafür auch im heimischen Raum Bedarf besteht, zeigen die 20 Teilnehmer beim ersten gemeinsamen Kurs im vergangenen Jahr.

Ziel ist es, so betonen Borlinghaus und Howorka, im Frühjahr und im Herbst einen Rettungsschwimmer-Lehrgang anzubieten. Abgeschlossen werden die zwölf Stunden Theorie und Praxis mit einer schriftlichen Prüfung. Wer diese besteht, erhält das Rettungsschwimmerabzeichen, eine Urkunde und einen entsprechenden Ausweis. Zuvor haben die Teilnehmer erfahren, wie die DLRG aufgebaut ist und welche versicherungstechnischen Themen es zu beachten gilt.

Ebenso geht es um die Selbsteinschätzung, wen man wo retten kann. „Das wird einem Zwölfjährigen bei einem kräftig gebauten Erwachsenen kaum gelingen“, verdeutlicht Stefan Borlinghaus. Zudem wird natürlich auf das Gefahrenpotenzial (und -stellen) hingewiesen, das an Flüssen, Seen oder Talsperren und Meeren unterschiedlich ist. Strömungen, Strudel und Wehre sind hier einige Stichworte.

Natürlich erfahren die Teilnehmer des Kurses auch, wie sie sich im gegebenen Fall selbst retten können, ebenso erlernen sie verschiedene Befreiungsgriffe. Dies wird zuerst im Trockenen gezeigt und geübt – dann geht es ins Wasser. Darüber hinaus wird dort mit Rettungsstange, Wurfring und „Rescue-Tube“ gearbeitet. Die Rescue-Tube ist eine Art Styroporkissen mit Seil und Schultergurt, an dem sich die zu rettende Person festhalten kann oder das Kissen wird um den Oberkörper gelegt.

In beiden Fällen kann der Rettungsschwimmer die andere Person ziehen. Es gibt aber auch andere Techniken, mit denen ein Mensch aus dem Wasser geschleppt werden kann. Zu den bekanntesten gehören der Achselschleppgriff und der Standardfesselschleppgriff. Diese werden bei dem Kurs ebenfalls geübt, was auch für das Transportschwimmen gilt, das es in den Varianten Ziehen und Schieben gibt.

Junge Rettungsschwimmer der DLRG lernen bei ihren Übungsstunden im Kiersper Hallenbad Räukepütt das sogenannte Transportschwimmen.

Das Transportschwimmen kennen im Übrigen schon alle, die das Schwimmabzeichen in Gold gemacht haben. Zu den besonderen Erfahrungen dürfte zweifellos das Schwimmen mit Kleidung zählen. Dagegen ist das Tauchen, um einen fünf Kilogramm schweren Ring aus zwei Meter Tiefe zu holen, eher fast schon etwas Normales für Wasserratten.

Gleichwohl ist es wichtig, auch dies zu üben. Schließlich gehören Teile der Ersten Hilfe wie Herz-Lungen-Wiederbelebung zu den Kursinhalten. Zum Rettungsschwimmerabzeichen in Silber gehört der Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses dazu.

Das Silber-Abzeichen benötigen auch die, die mit der DLRG einmal den Wachdienst an der Listertalsperre oder gar in Grömitz an der Ostsee miterleben und mitmachen wollen. Mit dem Bronze-Abzeichen darf man zwar auch dabei sein, sagt der Halveraner Ausbildungsleiter, aber noch nichts machen, lediglich zuschauen. Die Halveraner DLRG-Rettungsschwimmer unterstützen die Lüdenscheider Ortsgruppe im Sommer beim Wachdienst an der Listertalsperre, während die Kiersper in Grömitz aufpassen, dass niemand in der Ostsee ertrinkt.

Abzeichen

Früher hießen sie Frei- und Fahrtenschwimmer sowie Jugendschwimmschein – heute legen Kinder und Jugendliche die Prüfungen des Schwimmabzeichens in Bronze, Silber und Gold ab. Die nächste Stufe ist dann der Juniorretter. Wer diese Prüfung geschafft hat und zwölf Jahre alt ist, kann das Rettungsschwimmabzeichen in Bronze machen. Drei Jahre älter muss der Schwimmer beziehungsweise die Schwimmerin sein, um aus dem Bronze-Rettungsschwimmabzeichen das in Silber oder Gold machen zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.