Diwald-Projekt im Dorf droht zu platzen

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Das Diwald-Projekt im Dorf, bei dem eine Bäckerei mit Café und angrenzend Verbrauchermärkte entstehen sollten, droht in der Form zu platzen. Der Denkmalschutz verteuert die Planung und der Hauseigentümer beharrt auf seinen Preisvorstellungen. ▪

KIERSPE ▪ Das Problem der fehlenden Unterschrift einer Frau aus Riga in Lettland ist seit der vergangenen Woche ausgeräumt, so dass einem Verkauf der Supermarktimmobilie in Kierspe-Dorf, die einer Eigentümergemeinschaft von 38 Anteilseignern gehört, jetzt eigentlich nichts mehr im Wege steht. Trotzdem droht das Projekt in der Form, wie es in der Bevölkerung viel Beifall gefunden hat, zu platzen.

Christian Räbsch von der Bäckerei Diwald hatte in Kooperation mit einem Investor und Architekten eine recht attraktive Großlösung angestrebt, bei der nicht nur ein neuer Netto-Markt errichtet werden sollte, sondern zudem ein weiterer Verbrauchermarkt, für den schon Getränke genauso wie Drogerieartikel im Gespräch waren, und außerdem sollte die Bäckerei modernisiert und erheblich aufgewertet werden mit einem Café, Eisdiele, Warmtheke, Gesellschaftsräumen und Außenterrasse. Selbstverständlich sollte bei dem Projekt ein ebenerdiger Eingang vorgesehen werden. So wäre in diesem Bereich Aufenthaltsqualität entstanden, was die Menschen vor Ort natürlich sehr begrüßt hätten.

Diese Planung wurde vor einem Jahr in einer Bürgerversammlung vorgestellt und fand deutlich mehr Befürworter als die kleine Lösung, bei der im wesentlichen nur das alte Supermarktgebäude abgerissen und ein neuer Netto-Markt errichtet würde. Aber dann wollten die Probleme kein Ende nehmen: Nicht nur, dass niemand geahnt hatte, wie lange es dauern könnte, alle Unterschriften der Eigentümergemeinschaft zusammenzubringen. Außerdem steht der Altstadtbereich als Gesamtensemble noch unter Denkmalschutz, wovon auch das Gebäude der Bäckerei Diwald betroffen ist, wenn es als Objekt selbst auch keinen Denkmalcharakter besitzt.

Doch die Denkmalschützer wollen die Ansichtsseite in der bestehenden Form unbedingt erhalten wissen und wandten sich daher gegen den Abriss oder verlangten zumindest, dass ein in den wesentlichen Merkmalen ähnlicher Neubau errichtet wird, einschließlich Krüppelwalmdach, Fenstergliederung, und dreistufigem Zugang. Was natürlich eine starke Einschränkung darstellt und zudem der Konzeption widerspricht. „Das erlaubt bloß eine stark abgespeckte Lösung, die wir dann jedoch erst einmal weiterverfolgt haben“, macht Räbsch aufmerksam.

Allerdings scheinen nun die horrenden Preisvorstellungen des Eigentümers des Bäckereigebäudes und Anbaus die Realisierung zu verhindern. Dabei sei das Haus in einem maroden Zustand: Unter anderem drohe der Giebel zu kippen, auf dem Dachboden gäbe es ein gefährlich aussehendes Loch und ebenfalls stünden die niedrigen Räume einer Weiternutzung oder gar Vermietung entgegen.

Zwischen den Preisvorstellungen des Eigentümers und der Taxierung lagen anfangs 80000 Euro. Trotzdem hat der Investor nochmals eine Annäherung versucht, indem höhere Mieten vereinbart wurden, so dass zwischen Preisvorstellung und Angebot lediglich noch 30000 Euro lagen. Damit hat sich jedoch der Spielraum erschöpft. Aus dem Grund befürchtet Räbsch, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit nur noch die kleine Lösung mit Errichtung eines neuen Netto-Marktes umgesetzt wird und im Bereich der Bäckerei räumlich alles so bleiben muss wie bisher. Er wertet das als extrem schade für das Dorf, weil so eine große Chance verspielt werde. „Errichtet würde ein Riesenkasten, der städtebaulich ganz sicher keine Bereicherung bedeute“, ist sich der Bäckermeister sicher. Ob es vielleicht noch zu einem Einlenken kommt, wird als fraglich angesehen.

Wenn er in Kierspe mit seiner Idee nun vielleicht letztlich auch nicht zum Zuge kommt, sieht das in anderen Städten anders aus: So setzt er seine Idee derzeit in Gummersbach um, sogar noch etwas größer als in Kierspe geplant und denkt zudem über einen Standort in Lüdenscheid nach. In Gummersbach soll bereits im August Eröffnung sein.

Gerne hätte er es auch in Kierspe am Unternehmensstandort gemacht. Allerdings bringt er Verständnis dafür auf, dass die Stadt jetzt wenigstens unbedingt die Netto-Ansiedlung vorantreiben möchte. Denn der Discounter verlange bis zum Herbst Klarheit, sonst springe er ab. Und wenn keine der Planungen umgesetzt werde, komme gar nichts an dieser Stelle, zeigt sich Räbsch überzeugt.

Rolf Haase

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