Diskussion über die Allee geht in die nächste Runde

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Die Kastanienallee bei der Isenburg ist inzwischen üppig grün. Heute geht die Diskussion über ihre Zukunft in die nächste Runde, wenn der Umwelt- und Bauausschuss im Rathaus tagt. ▪

KIERSPE ▪ Die Diskussion um die Kastanienallee geht jetzt in die nächste Runde, wenn am Dienstag der Umwelt- und Bauausschuss im Rathaus unter anderem zu diesem Thema tagt. Die Verwaltung hat eine Beschlussvorlage erarbeitet, die den bei der Bürgerversammlung vor einigen Wochen gefundenen Kompromiss aufgreift.

Allerdings verlautete bereits, dass nicht alle Kommunalpolitiker mit dieser ohne Wenn und Aber einverstanden sind. Ob sich allerdings auch jetzt wieder einige Hardliner der parteiübergreifenden Kettensägenfraktion rühren und weiterhin ernsthaft auf der Kahlschlagsforderung beharren, dürfte nach dem klaren Votum der zahlreichen Bürger, die sich genau dagegen ausgesprochen haben, eigentlich bezweifelt werden. Letztlich steht dies jedoch erst heute Nachmittag fest, wenn ab 17 Uhr im Ratssaal die Sitzung beginnt.

24 genau bezeichnete Bäume sollen entfernt und durch heimische Gehölze ersetzt werden, weil sie derartig durch den Befall mit Bakterien und Pilzen geschädigt sind, dass ein Erhalt laut dem Gutachter vom Büro Reinartz und Schlag aus Köln nicht mehr möglich erscheint: Der Experte hatte deutlich gemacht, dass 13 Altbäume allein schon aus Verkehrssicherungspflicht entfernt werden müssen. Der Erhalt von weiteren sieben Altbäumen sei ebenfalls kurzfristig nicht empfehlenswert. Und von den zehn nachgepflanzten kleinen Kastanien sind vier Bäume geschädigt, so dass auch sie herausgenommen werden sollen. Dadurchkommt die Zahl von insgesamt 24 Bäumen zustande.

Der heute auf dem Tisch liegende Beschlussvorschlag sieht außerdem vor, dass bei den Bäumen, die nicht gefällt, sondern erhalten werden, Pflege- und Rückschnitte in der Form vorgenommen werden sollen, dass ihre Standsicherheit gewährleistet bleibt.

Dies soll zudem auch danach durch regelmäßige Kontrollen sichergestellt werden. Wenn sich an diesen später ein ähnliches Krankheitsbild zeigt, sollen diese nach fachkundiger Begutachtung ebenfalls gefällt und ersetzt werden, besagt der Vorratsbeschluss weiter. Insgesamt ist geplant, dass 38 Bäume neu gepflanzt werden.

Die Arbeiten sollen durch eine Fachfirma vorgenommen werden, wofür ein einmaliger finanzieller Aufwand in Höhe von 22 800 Euro erforderlich wird, dem Erträge durch den Holzeinschlag von 11 730 Euro gegenüberstehen. Außerdem ergeben sich jährliche Folgekosten von 1500 Euro, so die detaillierten Berechnungen der Verwaltung.

Es wird aber auch ganz klar festgestellt, dass 20 Altbäume und sechs kleine Kastanien noch keine Schäden aufweisen, die auf eine Gefährdung hindeuten. Wobei der Gutachter allerdings die Auffassung vertreten hat, dass sich der Zustand der Allee fortlaufend verschlechtern werde, weil die Bäume durch eine Infektion im Boden angegriffen und auf Dauer nicht genug Widerstandskräfte zeigen würden – was aber natürlich erst einmal nur Spekulation ist.

Aus Sicht von Armin Jung und Jürgen Rothstein von der FDP geht der Verwaltungsvorschlag grundsätzlich zwar in Ordnung, doch müsste dieser in einigen Punkten noch etwas klarer gemacht werden. Ein Gutachten für jeden neu zu fällenden Baum werde jedoch abgelehnt wie ebenso weitere Gutachterkosten.

Im Vorfeld der Sitzung äußert sich ebenfalls bereits mit Holger Scheel der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU: „Ich denke, dass der Verwaltungsvorschlag von uns mit großer Mehrheit unterstützt wird, denn er stellt auch aus unserer Sicht einen Kompromiss dar.“ Wenn allerdings ein Baum nicht mehr zu retten sei, müsse er auch gefällt werden. „Hier darf die Verkehrssicherheit nicht ausgeblendet werden“, betont er.

Gut leben kann Marc Voswinkel als Fraktionsvorsitzender der SPD mit dem Ansatz der Verwaltung, die Allee unter fachkundiger Begleitung zu sanieren, weil dieser im Grunde genau die Idee umsetzt, die die Sozialdemokraten von Anfang an gehabt und gefordert hätten. „Wir hatten uns immer gegen einen Kahlschlag ausgesprochen und wollten das an Bäumen erhalten, was zu erhalten ist“, erklärt er.

UWG-Vorsitzender Clemens Wieland gibt an dieser Stelle zu bedenken, dass der umstrittene Fällbeschluss des Umwelt- und Bauausschusses äußert unglücklich zustande gekommen sei. „Ich denke, dass die Verwaltungsvorlage tragbar sein sollte“, merkt er dann an und drückt seine Hoffnung aus, dass das Thema heute etwas differenzierter bearbeitet werden möge als damals.

Er greift zudem eine Idee des BUND auf und plädiert neben dem Erhalt der Allee bei der Isenburg und deren Umwandlung in eine Mischallee dafür, eine neue Allee in Kierspe zu pflanzen, die den Charakter einer Bürgerallee bekommen soll. Seinen Vorstellungen zufolge sollen Kiersper die Möglichkeit erhalten, dort allein oder gemeinsam ähnlich wie beim Heiratswäldchen einen Alleebaum zu pflanzen. Er kann sich die Allee in dem Bereich zwischen Bruch und Padberg vorstellen.

„Es ist traurig, dass 20 alte Bäume gefällt werden müssen, aber schön, dass die anderen erhalten werden“, äußert sich Peter Christian Schröder als Fraktionsvorsitzender von Pro Kierspe. Der Verwaltungsvorschlag werde mitgetragen, kündigt er an. Es sei die richtige Entscheidung. Abschließend bringt er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Kastanien, die jetzt stehen bleiben, nicht auch noch befallen werden.

Hermann Reyher von den Grünen stellt fest, dass es sich um einen „verantwortbaren Kompromiss zwischen Versicherungspflicht und Naturschutz“ handele. „Ich hätte mir natürlich mehr versprochen, aber das ist eben das Machbare“, befindet er.

Rolf Haase

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