Im vergangenen Jahr kamen 310 Flüchtlinge nach Kierspe

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Vor Beginn der eigentlichen Sitzung besuchten die Mitglieder des Ausschusses für Demografie, Soziales und Familie die Notunterkunft am Herlinghauser Weg.

Kierspe - Mit einem kurzen Besuch der Notunterkunft durch die Mitglieder des Ausschusses für Demografie, Soziales und Familien begann deren Sitzung. Anschließend ging es mit einer umstrukturierten Tagesordnung im Ratssaal mit Vorträgen zur Flüchtlingssituation weiter.

Mehr als das Treppenhaus, die zu sanierende Toilettenanlage und Duschen im Keller bekamen die Mitglieder des Ausschusses nicht zu sehen, als sie der Notunterkunft am Herlinghauser Weg in Vollme einen Besuch abstatteten.

Da waren die Vorträge von Ordnungsamtsleiter Oliver Knuf zur Flüchtlingssituation in Kierspe und Fritz Schmid zum Verein Menschen helfen schon deutlich informativer.

Allerdings mussten die Besucher nach ihrem Eintreffen im Rathaus auf diese Informationen warten, weil die Sitzung unterbrochen wurde, damit der nichtöffentliche Teil eingeschoben werden konnte. Denn in diesem berichtete der Leiter der Meinerzhagener Polizeiwache Michael Stumpe zur Kriminalitätsentwicklung in Kierspe. Auf Wunsch des Wachleiters fand dieser Tagesordnungspunkt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Stumpe: „Das ist das übliche Vorgehen. Denn zum einen können Fragen gestellt werden, deren Beantwortung nicht ohne weiteres an die Öffentlichkeit gelangen soll, zum anderen könnte aufgrund von Nachfragen aus der Kriminalitätsstatistik zitiert werden, die aber erst in Kürze offiziell vorgestellt wird.“

Größte Teil der Asylbewerber kommt aus Syrien

In seinem Vortrag zur Flüchtlingssituation stellte Ordnungsamtsleiter Oliver Knuf, in dessen Zuständigkeit auch Soziales und Familie fällt, vor, dass mittlerweile zwölf ehemalige und aktive Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Honorarkräfte mit einem Teil ihrer Arbeitszeit mit der Unterbringung oder Betreuung der Flüchtlinge betraut seien. Neben einer Auflistung der einzelnen Aufgaben legte der Sachgebietsleiter großen Wert auf die Feststellung, dass es keinesfalls eine Besserstellung von Asylantragstellern gegenüber sogenannten Hartz-IV-Empfängern gebe.

Nach Angaben von Knuf sind zwischen 2003 und 2013 rund zehn Flüchtlinge pro Jahr nach Kierspe gekommen. Im Jahr 2014 waren es dann bereits 55 und im vergangenen Jahr sogar 310. Ganz anders sehe es in diesem Jahr aus. Bislang seien lediglich drei Geflüchtete zugewiesen worden. „Im Februar kam keiner und auch für diesen Monat rechnen wir nicht mit Zuweisungen. Allerdings wird das sicher nicht im ganzen Jahr so bleiben“, erklärte Knuf. Nach seinen Angaben stammt der größte Teil der Flüchtlinge aus Syrien (127), gefolgt von Menschen aus Irak (44) und Afghanistan (26). Bei 18 Flüchtlingen sei die Herkunft ungeklärt. Insgesamt stammten die Schutzsuchenden aus mehr als 22 Ländern.

Stadt hat 1,17 Millionen Euro ausgegeben

Für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und für Krankenhilfe habe Kierspe im vergangenen Jahr rund 1,17 Millionen Euro ausgegeben. An Erstattungen durch das Land habe man aber nur circa 818 000 Euro erhalten.

Mit seinem Hinweis, dass die Betreuung der vielen Geflüchteten ohne die Arbeit der Ehrenamtlichen gar nicht in der geleisteten Form möglich sei, bereitete Knuf den Boden für den Vortrag von Fritz Schmid, dem ersten Vorsitzenden des Vereins Menschen helfen, der bei seinen Ausführungen von Karin Schmid-Essing unterstützt wurde.

Männer für die Betreuung von Flüchtlingen gesucht

Zuerst erinnerte Schmid an die Geschichte des Vereins, der seine Ursprünge in den Kriegen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens habe. Bereits damals habe man Menschen unterstützt, die durch Krieg in Not geraten seien. Im Spätherbst des Jahres 2014 habe man dann beschlossen, den Verein mit neuem Leben zu füllen, vor allem, um Spenden verbuchen zu können. Insgesamt habe der Verein im vergangenen Jahr rund 50 000 Euro eingenommen. „Wir haben aber auch allein für die Ausstattung der rund 50 Wohnungen im Stadtgebiet rund 15 000 Euro ausgegeben, um diese – über die Möbelspenden hinaus – einrichten zu können“, so Schmid, „das ist notwendig, weil die Menschen nichts weiter haben, als das, was in eine Plastiktüte passt“. Viel Geld habe man auch in Sprachkurse investiert, weil man diese als Schlüssel zur Integration betrachte.

Schmid nutzte seine Redezeit auch zu einem Appell an die Kiersper: „Wir brauchen dringend Männer, die bereit sind, sich in der Betreuung zu engagieren.“ Und an die Stadt gewandt sagte er: „Wir sind an unserer Belastungsgrenze. Wir brauchen ganz dringend professionelle Unterstützung.“

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