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Die guten Seiten des Lockdowns: Kiersper Schülerin schreibt Erstlingswerk

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Von: Johannes Becker

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Bettina Hermann mit ihrem ersten Buch „Spica – Stille Wasser sind tief“.
Bettina Hermann mit ihrem ersten Buch „Spica – Stille Wasser sind tief“. © Becker, Johannes

Das Buch, das Bettina Hermann in den Händen hält, ist schon ganz abgegriffen. Im Inneren finden sich Anmerkungen mit Kugelschreiber und zwischen einzelnen Seiten eingelegte Blätter. Man merkt dem Werk an, dass sich die junge Autorin mit ihrem Erstling noch intensiv beschäftigt.

Kierspe - Auf 408 Seiten nimmt Hermann den Leser mit auf eine Reise in eine Fantasiewelt. Dabei folgt dieser dem Mädchen Spica, das durch einen Traum in eine andere Welt gelangt. Dort muss Spica sich nicht nur sich selbst, sondern auch verschiedenen Aufgaben stellen. Die Protagonistin lernt in der Konfrontation mit fremden Wesen dabei viel über sich selbst.

„Die besten Ideen kommen mir, wenn ich in der Dunkelheit spazieren gehe und in die Sterne schaue“, erzählt Bettina Hermann. Danach würden die Geschichten so lange in ihrem Kopf bleiben, bis sie sie zu Papier gebracht habe. So sei das auch mit ihrem jetzigen Buch gewesen. Unter dem Sternenhimmel erdacht wurde daraus erst einmal eine Kurzgeschichte, die bereits den Namen Spica trug – dabei handelt es sich übrigens um den hellsten Stern im Sternbild Jungfrau.

Mit 16 Jahren hat Hermann begonnen, Kurzgeschichten zu schreiben. Dass sie mal ein ganzes Buch schreiben würde, hatte sie gehofft. Dass es aber so schnell gehen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Letztlich war es der Lockdown, der ihr Zeit und Freiraum für dieses Projekt verschaffte. Acht Monate hat sie letztlich gebraucht, um aus der bestehenden Kurzgeschichte einen ganzen Roman zu machen. „Andere machten in dieser Zeit Sport, ich habe geschrieben. Das hat mir gutgetan“, sagt die Autorin heute.

Doch nachdem der Roman fertig war, hat es noch ein bisschen gedauert, bis sie ihn als Buch in Händen halten konnte. Zuerst war es die Mutter von Bettina Hermann, die das Werk lesen durfte. Diese hat augenscheinlich Potenzial in dem Gelesenen gesehen und ihre Tochter bestärkt, die Geschichte in Buchform auch einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Zuvor hatte schon mal Teresa Costa, die Deutschlehrerin der Kiersper Gesamtschülerin, das erste Kapitel gelesen und ihr Mut gemacht, an dem Werk weiterzuarbeiten.

Hilfe gab es auch im Netz. Ist Bettina Hermann doch nach eigenen Angaben in den Sozialen Netzwerken sehr aktiv. Dort tauscht sie sich regelmäßig mit anderen Autoren aus: „Da bekommt man viele Tipps und lernt dazu.“

Klar ist ihr in Gesprächen und im Austausch mit anderen aber auch geworden, dass es alles andere als einfach sein wird, einen Verlag zu finden, der den Roman einer unbekannten und so jungen Autorin verlegt.

Letztlich hat sie sich fürs sogenannte Self Publishing entschieden und damit dafür, das Buch selbst lektorieren zu lassen und auch die Gestaltung zu übernehmen. Der Verlag sorgt dann nur noch für die Werbung und dafür, dass die angeforderten Bücher zur Verfügung stehen. Der große Vorteil für den Verlag ist klar: Er hat keine unverkauften Exemplare. Für die Autorin bedeutete das aber auch, dass sie erst einmal in Vorleistung gehen musste – übernommen haben diese Kosten die Eltern von Bettina Hermann. Einen Vorteil von dieser Art des Publizierens hat aber auch die Leserschaft – kann sie sich doch zwischen einem Taschenbuch, einem E-Book und einer gebundenen Ausgabe entscheiden.

So hilfreich die Tipps der anderen Autoren auf Facebook & Co. auch gewesen sind, die meiste Unterstützung habe sie von ihrer Lektorin bekommen, sagt Bettina Hermann, „es tut mir leid, dass wir uns aufgrund der Pandemie bis heute nicht persönlich kennenlernen konnten“.

Die besten Ideen kommen mir, wenn ich in der Dunkelheit spazieren gehe und in die Sterne schaue.

Bettina Hermann

Aber vielleicht klappt das ja beim zweiten Buch – das ist nämlich bereits in Arbeit. „Dann sollen auch die Sterne eine größere Rolle spielen. Diese kommen im ersten Werk trotz des Namens gar nicht vor“, verrät die Autorin. Passen würde das auf jeden Fall, beschäftigt sich die 18-Jährige nach eigenen Angaben doch schon länger mit der Astronomie. Ansonsten spielt Hermann gerne Klavier, zeichnet, malt, liest – und schreibt natürlich. Ihre liebsten Unterrichtsfächer sind, so erzählt sie, Mathematik und Pädagogik. Erstaunlicherweise nicht Deutsch. „Ich bin nicht so gut in Rechtschreibung und Grammatik.“ Ihrem Buch merkt man das allerdings nicht an. Also, stapelt die Autorin tief – oder das Geld für die Lektorin war gut angelegt.

Als Schülerin des 13. Jahrgangs muss sich die junge Frau nun auch intensiv mit ihren Berufswünschen beschäftigen. Vor einiger Zeit hat sie ein Probestudium im Bereich Physik gemacht, das die Kiersper Schule vermittelt hatte. „Da habe ich gemerkt, dass ich doch lieber was Praktisches machen möchte. Im Rahmen eines Praktikums habe ich den Beruf der Chemielaborantin kennengelernt. Eine Ausbildung zu diesem Beruf könnte ich mir gut vorstellen. Dann bleibt sicher auch noch genügend Zeit, um weiter zu schreiben.“

Denn, dass sie weiter schreiben will, steht bereits fest. „Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hatte, konnte ich es gar nicht glauben. Da habe ich ganz langsam begriffen, dass meine Gedanken und meine Inspiration erhalten bleiben – auch dann, wenn ich schon längst tot bin. Dabei ist es dann gar nicht so wichtig, wie viele Menschen das Buch bisher gelesen haben“, sagt Bettina Hermann.

Doch nicht nur beim Schreiben ist der Anfang gemacht, sondern auch bei den Lesern. Rund 50 Mal wurde „Spica – Stille Wasser sind tief“ bislang verkauft. Einige Leser haben auch Kritiken online hinterlassen – und diese fielen allesamt positiv aus.

Das Buch

Da das Buch „Spica – Stille Wasser sind tief“ von Bettina Hermann als sogenanntes „Book on Demand“ erschienen ist, kann es in drei Formen und zu drei unterschiedlichen Preisen erworben werden. Als gebundenes Buch kostet der Roman 24,99 Euro, als Taschenbuch 14,99 Euro und als E-Book (Kindle) 7,99 Euro. Herausgegeben wurde das Werk in dem Self-Publishing-Verlag Tredition. ISB-Nummer: 10-3347300947. Erhältlich ist das Werk von Bettina Hermann auch in der Buchhandlung Schmitz in Meinerzhagen.

Der Klappentext

Nah und näher, Haus an Haus stehen sie beisammen. Friedlich und scheu liegt das kleine Tal inmitten gewaltiger Berge, wie eine Nuss in ihrer Schale. An jenem friedlichen Ort wuchs Spica auf, bis sie erwachsen war. In einem Gasthaus verdient sie sich ihren Lebensunterhalt. Der Tod ihrer Mutter und das Verschwinden ihres Vaters und ihres Bruders lasten sehr auf ihren Schultern, doch sie lässt sich nicht davon abhalten, ihr Leben dennoch so schön zu gestalten wie möglich. In einer stürmischen Nacht tauchen drei in dicke Kapuzenmäntel gehüllte, unbekannte Männer im Gasthaus auf. In Spicas Leben verändert sich schlagartig alles. Legenden werden zu Wahrheiten und Feinde zu Freunden

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