Volksbank Kierspe stellt ihre „Corona-Jahresbilanz“ vor

Volksbank-Kunden kommen gut durch die Krise

Die beiden Volksbank-Vorstände Stephan Böhse (links) und Stephan Baldschun freuen sich, dass sie auch nach dem ersten Corona-Jahr eine gute Bilanz vorlegen können.
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Die beiden Volksbank-Vorstände Stephan Böhse (links) und Stephan Baldschun freuen sich, dass sie auch nach dem ersten Corona-Jahr eine gute Bilanz vorlegen können.

„Unsere Kunden sind bislang sehr gut durch die Krise gekommen“, freut sich Stephan Baldschun, Vorstandsmitglied der Volksbank Kierspe. Es hat Tradition, dass der Vorstand einmal im Jahr die Bilanz der Bank vorstellt. Und in all den Jahren, in denen die Bank das so macht, konnte sie immer ein solides Wachstum verkünden – das ist auch in diesem Jahr nicht anders, wenn auch alles andere ganz anders ist.

Kierspe - Die Corona-Pandemie hat die Banken gefordert, daraus macht auch Vorstandsmitglied Stephan Böhse keinen Hehl: „Wir konnten die staatlichen Hilfen, die zum großen Teil an die Mitwirkung der Banken gebunden waren, sehr schnell weitergeben. Das macht uns auch stolz.“ Sicher, so ergänzt sein Kollege Baldschun, habe es auch geholfen, dass man kaum Betreiber kritischer Infrastruktur unter den Kunden habe. Doch auch, wenn die Volksbank Kierspe keine Flugzeugkäufe oder Flughafenerweiterungen finanziert hat, so sind natürlich auch Caterer oder Gastronomen mit der heimischen Volksbank in geschäftlichen Beziehungen. „Unsere Kunden aus diesen Branchen sind sehr gut aufgestellt und konnten das erdulden“, sagt Baldschun. Bei den Kunden im Automotivbereich stellt er fest, dass diese im vergangenen Jahr unter Druck geraten seien, aber ein gutes viertes Quartal gehabt hätten.

Die Volksbank selbst ist, wie schon erwähnt, ebenfalls gut durch das erste Corona-Jahr gekommen. So weist die Bank für das vergangene Jahr 292,9 Millionen Euro als Bilanzsumme aus – 3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, als diese Summe bei 284,5 Millionen Euro lag. Die Summe setzt sich aus dem eigenen Geschäft und dem sogenannten Verbundgeschäft, also dem Geschäft mit Partnern wie Bausparkasse oder DZ-Bank, zusammen.

Bei den Krediten, die in Zeiten niedriger Zinsen, immer bedeutender für die Banken werden, hat die Kreditsumme um zwei Prozent zugenommen und beträgt jetzt 98,8 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um die Zahlen der Bank selbst. Wird das Verbundgeschäft hinzugenommen, sind es 142,8 Millionen Euro, 3,3 Prozent mehr als 2019. Damals betrug die Gesamtkreditsumme 138,3 Millionen Euro. „Dieses Wachstum hat auch viel mit den Corona-Hilfen zu tun. Denn grundsätzlich herrscht bei unseren Kunden eine gewisse Zurückhaltung aufgrund der derzeitigen Situation“, erklärt Böhse.

Aber nicht nur die Kredite sind gewachsen, sondern auch die Einlagen: bei der Bank selbst von 105,2 (2019) auf 109 Millionen Euro (2020), in Prozenten ausgedrückt beträgt das Wachstum damit 3,6 Prozent. Rechnet man auch dort das Verbundgeschäft hinzu, dann liegen die Einlagen bei 150,1 Millionen Euro, 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

„Damit halten sich Kredite und Einlagen die Waage. Das war nicht immer so, früher hatten wir einen Überhang bei den Einlagen, doch wir haben bei den Krediten deutlich aufgeholt.“ Für die Bank ist das vor allem deshalb wichtig, weil sich mit den Einlagen kaum noch Gewinne erwirtschaften lassen. „Etliche Banken reagieren darauf mit Negativzinsen. Das konnten wir bislang flächendeckend vermeiden, auch wenn wir mit einigen Kunden bereits individuelle Vereinbarungen geschlossen haben, die Negativzinsen beinhalten“, erklärt Baldschun. Und sein Kollege Böhse ergänzt: „Auf Dauer werden wir da nicht drum herum kommen und das nachvollziehen müssen, was andere Banken bereits längst getan haben.“

Trotz der guten Geschäfte ist das Ergebnis vor Steuern gesunken. Von 1,099 Millionen Euro auf 1,096 Millionen Euro. Böhse: „Nicht nur wir haben im vergangenen Jahr auf Anraten der Bankenaufsicht keine Dividende an unsere Mitglieder bezahlt, wir haben auch keine von der DZ-Bank bekommen. Dadurch fehlen uns im Ergebnis 100 000 Euro.“
Doch als Steuerzahler ist die Bank mit diesem Ergebnis alles andere als ein Ausfall. 366 000 Euro wurden als Steuern abgeführt, ein Jahr zuvor waren es 330 000 Euro.

120 Jahre Volksbank

Ein großes Thema wird auch das 120-jährige Bestehen der Volksbank Kierspe in diesem Jahr sein. Stephan Böhse: „Eine große Feier wird es da sicher aufgrund des Pandemie-Geschehens in diesem Jahr nicht geben, da schauen wir dann eher auf den 125. Geburtstag. Aber wir planen ein Buch,
in dem unsere Geschichte, aber auch die der
Genossenschaften beleuchtet wird – hier vor Ort und mit Hilfe des Heimatvereins, aber auch weit darüber hinaus.“ Geplant ist das Erscheinen des Werks für den Sommer.

Als Bilanzgewinn stehen für das vergangene Jahr 245 000 Euro in den Büchern, „von denen wir dann hoffentlich auch wieder eine Dividende an unsere Mitglieder zahlen dürfen“. Geplant ist diese in Höhe von 6,5 Prozent. Erfreulich aus Bankensicht ist auch, dass das Eigenkapital um rund 640 000 Euro gesteigert werden konnte. Und stolz ist man beim Vorstand auch darauf, dass insgesamt rund 30 000 Euro als Spenden vor Ort ausgezahlt wurden.

Weniger optimistisch sind Baldschun und Böhse beim Blick in die Zukunft. „Da haben wir einiges vor uns. Da wird die Digitalisierung ein großes Thema bleiben, aber auch die Nachhaltigkeit wird immer bedeutender“, erklärt Böhse. Letztlich fließt dann unter anderem auch der CO2-Fußabdruck der Kunden ins Rating ein. „Bereits jetzt bekommen Unternehmen, die beispielsweise Kohle abbauen, von einigen Kreditgebern kein Geld mehr“, verdeutlicht der Vorstand die Auswirkungen einer solchen Politik.
Aber auch andere Punkte würden mittlerweile eine Rolle spielen. So müssen auch die heimischen Banker in ihre Bewertung einbeziehen, ob sich ihre Kunden in einem Überschwemmungsgebiet befinden oder das Risiko von Waldbränden diese bedroht.
„Die Regulierungen, denen wir unterliegen, machen uns schwer zu schaffen. Mittlerweile arbeiten mehr Menschen im Haus für diesen Bereich als am Kunden. Das ist keine schöne Entwicklung, die aber ja auch letztlich von den Kunden bezahlt werden muss“, sagt Böhse. Dazu kämen noch die Kosten, mit denen die Bank von ihrem Verbund belastet würde. „Da bekommen wir einfach zu wenig für unser Geld“, wird Böhse deutlich.

Sorgen bereiten Böhse auch Verzerrungen, die durch Rettungsmaßnahmen entstehen: „Das fing bei der Finanzkrise an, seit dem wird alles gerettet. Damals wurden Banken gerettet, später dann Staaten. Jetzt geht es in der Corona-Krise mit Wirtschaftsbetrieben weiter. Irgendwann müssen wir zur Normalität zurückkommen, denn auf Dauer werden nicht alle gerettet werden können. Es ist auch wichtig, dass die Stärke, die die Firmen ausstrahlen, echt ist.“

Bargeld

Im vergangenen Jahr hat das Bezahlen mit Karte, Handy und Smartwatch deutlich zugenommen. Das wird auch bei der Volksbank Kierspe registriert. „Aber es nicht so, dass das Zahlen mit Bargeld so deutlich abgenommen hätte, dass man von einer Trendwende sprechen könne“, sagt Volksbank-Vorstandsmitglied Stephan Baldschun. Das zeige auch die Nutzung der Geldautomaten. Und auch wenn man dem Kunden weiterhin jede Möglichkeit einräume, Bargeld zu nutzen, so stellt der Vorstand doch fest, dass die Bargeldversorgung für die Bank sehr teuer ist.

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