Deutsch-französische Freundschaft vertieft

Die jungen GSK-Musiker wurden im Einkaufszentrum Sqy ouest von Frank Bisterfeld dirigiert.

KIERSPE/MONTIGNY ▪ Auf dem Autobahnring in Paris fuhren sie aneinander vorbei und winkten sich kurz zu: Der Bus von der Gesamtschule Kierspe auf dem Weg nach Montigny-le-Bretonneux sowie Bürgermeister Frank Emde mit seiner Tochter Corinna und Karin Makèreel als Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins, die ihrerseits am Freitag gemeinsam per Flugzeug angereist waren und mit dem Auto vom Airport abgeholt wurden.

Die Begegnung nach mehr als 500 Kilometern löste natürlich Schmunzeln aus. Dann dauerte es aber nicht mehr lange, bis die jungen Musiker der beiden GSK-Bläserklassen 7.3 und 8.3 am Ziel, dem Rathaus oder französisch Hotel de Ville, eintrafen, wo die Kinder bereits von ihren Gasteltern erwartet wurden.

Klar, dass aus der Verwaltung von Kierspes französischer Partnerstadt auch Michelle Parent als eine der stellvertretenden Bürgermeister Montignys sowie ihre Mitarbeiterin Pauline Tronca vor Ort waren, um die Gäste aus Kierspe willkommen zu heißen. Beide hatten federführend die Organisation des Aufenthalts der Besucher aus den einzelnen Partnerstädten, Wicklow in Irland, Denton in England, Lunca in Rumänien, San Fernando in Spanien, Marostica in Italien und denen aus dem deutschen Kierspe, geregelt und übernahmen auch deren Betreuung während des Aufenthalts am vergangenen Wochenende.

Gerne waren alle der Einladung von Bürgermeister Michel Laugier zu den Feierlichkeiten im Rahmen der Europawoche mit dem Europatag La Semaine de l‘ Europe am 9. Mai zum Schluss sowie dem Gedenktag am 8. Mai aus Anlass des Endes des Zweiten Weltkrieges gefolgt. Eingebunden waren zwei Konzerte, die von dem Kiersper Musikernachwuchs bestritten wurden, sowie außerdem eine Kunstausstellung, zu der Mitglieder der Malschule Palette von Claudia Ackermann angereist waren.

Insgesamt nahm aus Kierspe eine Delegation von knapp 70 Personen teil, was natürlich von den französischen Freunden sehr positiv registriert wurde. „Wir waren die größte Gruppe von allen Partnerstädten Montignys“, berichtete Emde nicht ohne Stolz. Er freute sich sehr, dass es gelungen war, diese Kontakte auf kultureller Ebene an diesem Wochenende zu initiieren und bedankte sich dafür nochmals bei allen Akteuren. „Es gelang auf diese Weise, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Bürgern unserer beiden Städte weiter zu verfestigen“, bilanzierte Kierspes Bürgermeister und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass die langjährige und mittlerweile sehr innige Freundschaft zwischen den Deutschen aus Kierspe und den Franzosen aus Montigny vor Ort auf noch breitere Schultern verteilt werden möge.

Christiane Busch als stellvertretende Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins, die ebenfalls allen Veranstaltungen beiwohnte, betonte, dass es in Montigny ein Anliegen gewesen sei, „von dem alten Zopf der Feierlichkeiten des Kriegsendes wegzukommen“, daher sei die Europawoche geboren worden. Das nahm ebenfalls Emde als Wunsch aus Gesprächen wie mit einer älteren Dame mit, deren Vater im Krieg umgekommen war und die gesagt habe, dass sie den freundschaftlichen Austausch, wie er heute stattfinde, begrüße.

„Mit unserer starken Teilnahme an dem Ereignis haben wir letztlich auch Verantwortung gegenüber der Vergangenheit gezeigt“, ergänzte Emde. Er selbst besuchte Montigny nach 2005 nunmehr zum zweiten Mal und hatte wieder nur positive Eindrücke. So besonders vom freundschaftlichen und herzlichen Umgang der Menschen miteinander. Zu seinem Amtskollegen Michel Laugier hat sich inzwischen eine echte Freundschaft entwickelt. So freuten sich beide sehr, einander wiederzusehen.

Für die Gesamtschüler, die von den Lehrern Frank Bisterfeld und Johannes Koch betreut wurden, war am Samstagmorgen eine Fahrt nach Paris organisiert worden. Sie unternahmen eine Schiffsfahrt auf der Seine, sahen den Eiffelturm, die Kirche Notre Dame, den ägyptischen Obelisk auf dem Place de la Concorde oder auch Paris‘ Prachtstraße, die Champs Elysées mit dem Triumphbogen. Währenddessen nutzen Frank Emde und andere die Gelegenheit, sich Versailles mit dem Park und dem Schloss anzusehen.

Nachmittags ging es dann ins Einkaufscenter Sqy ouest, wo es in der großen offenen Halle des modernen Gebäudes zu einem kleinen Konzert der Gesamtschüler kam, die unter anderem Filmmusik wie die Themen aus „Mission Impossible“ und „Pirates of the Caribbean“ sowie die Musicalmelodie „The Phantom of the Opera“ spielten und damit Begeisterung unter den Zuschauern auslösten. Angesichts der guten Akustik und der voll motivierten Schüler fanden die Beiträge viel Anklang. Es wurde sogar eine Zugabe gefordert.

Danach fand im dritten Stockwerk im Eingangsbereich zum Kino die Eröffnung der Ausstellung mit Bildern der Malschule Palette und des Conservatoire Municipal des Arts, einer Malschule aus Montigny, statt. Als Thema hatten sich die Künstler gemeinsam „Un Regarde sur la Ville“ oder auf deutsch „Ein Blick über die Stadt“ ausgewählt und dazu gemalt. Waren es auf französischer Seite großformatige Stadtansichten oft mit figürlichem Schwerpunkt, steuerten die Kiersper 28 eher kleinformatige Bilder aus Kierspe und Umgebung bei. Insgesamt wurden 128 Exponate gezeigt, die seitens des Publikums große Beachtung fanden. Die Blicke der Besucher verrieten Interesse und ganz oft Bewunderung.

Zu Beginn begrüßte Michel Laugier in seiner Rede den Austausch kultureller Interessen zwischen den Deutschen sowie den Franzosen und die gelungene gemeinsame Ausstellung, zu der es übrigens demnächst ein Pendant in Kierspe geben soll, wie Claudia Ackermann als Mitinitiatorin berichtete. Sie freute sich in ihrer Ansprache ebenfalls, dass es zu dem Kontakt gekommen und es gelungen war, diese Präsentation auf die Beine zu stellen.

Am Abend kam es dann zu einer gemütlichen Fete im Freizeitzentrum Club de Village, zu dem die Delegationen aus allen Partnerstädten kamen. Viele kannten sich von früheren Besuchen her und so gab es ein freudiges Wiedersehen und zahlreiche angeregte Gespräche in lockerer Atmosphäre. Die Kinder organisierten spontan ein internationales Völkerballturnier, bei dem die Deutschen den Italienern, Iren und Franzosen die Regeln beibrachten. „Sie spielten, bis es dunkel wurde und sie den Ball nicht mehr sehen konnten“, erzählte Frank Bisterfeld.

Die Erwachsenen drinnen begannen ihrerseits Volkslieder zu singen, was dann darin gipfelte, dass zum Spaß für alle gemeinsam „Ein Jäger aus Kurpfalz“ einstudiert wurde. Johannes Koch spielte dazu mit einer Rumänin auf der Gitarre. Mit dabei war auch Jean Claude Durand, der als Lehrer und Betreuer schon viele Schüleraustausche in Kierspe von französischer Seite aus betreut hatte.

Am Sonntagmorgen fand dann die Zeremonie aus Anlass des Kriegsendes mit Kranzniederlegung am Gefallenenehrenmal statt. Im Rah-men einer Probe wurde zuvor schon die Europahymne „Freude schöner Götterfunken“ aus Ludwig van Beethoven neunter Sinfonie eingeübt, die später von den Delegationen aus den Partnerstädten jeweils in ihrer Muttersprache angestimmt wurde.

Die Feierstunde begann mit dem Marsch der Veteranen von der Polizeistation zum Ehrenmal. Die Fahnen von Europa, Frankreich und Amerika als wichtigstem Alliierten während des Zweiten Weltkrieges wurden gehisst, auch die Marseillaise erklang. In seiner Rede legte Montignys Bürgermeister einen Schwerpunkt auf die Völkerverständigung im geeinten Europa. Dann wurden von allen Delegationen im Gedenken Blumengebinde niedergelegt.

Während es im neuen Rathaus zu einem Sektempfang kam, fand im alten Rathaus und der alten Schule eine zweite Kranzniederlegung von Kindern für Kinder statt.

Nachmittags gab es einen weiteren Höhepunkt im Rahmen des Programms mit dem Konzert im Veranstaltungszentrum Ferme du Manet, einem alten Gutshof. Als die Kiersper Gesamtschüler Stücke wie „Cabaret“ oder „Heal the World“ spielten, schlug ihnen seitens der 800 Zuhörer eine Welle der Sympathie entgegen. Es gab Riesenapplaus für ihren allerdings auch qualitativ hochwertigen Auftritt. Ansonsten waren französische Gruppen zu erleben, ein Orchester aus dem italienischen Marostica und eine Tanzgruppe aus Wicklow in Irland.

Nach diesem denkwürdigen Ereignis ging es für einige bereits wieder auf die Heimreise, während die jungen Musiker noch eine Nacht in ihren Gastfamilien verbrachten. ▪ Rolf Haase

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