Detlef Voigt-Wetzel : Der Herr der Zinnwelten

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Mehr als 20000 Zinnfiguren hat Detlef Voigt-Wetzel für sein Museum in Kierspe-Dorf zusammengetragen. ▪

KIERSPE ▪ Ein kleines, aber gut bestücktes Museum hat Detlef Voigt-Wetzel im Anbau seines Hauses in Kierspe-Dorf eingerichtet, denn seit seinen Kindertagen treibt ihn eine besondere Leidenschaft um: Er sammelt Zinnfiguren. Gut zwanzigtausend, ganz genau weiß er es selbst nicht, hat er im Laufe der Jahre zusammengetragen, zum Teil selbst restauriert und in den Vitrinen seines Museums, das in Sammlerkreisen europaweit bekannt ist und häufig besucht wird, zusammengestellt.

„Ich muß acht oder neun Jahre alt gewesen sein, als mein Großvater mich in Weimar, wo ich aufgewachsen bin, an einer Losbude dazu aufforderte, für meine zehn Pfennige Einsatz eine kleine Schachtel mit Zinnfiguren als Gewinn zu wählen,“ erinnert sich Voigt-Wetzel an den Beginn seiner Leidenschaft, die ihn durch sein ganzen Leben begleiten sollte. Den ersten Figuren, Kosaken, folgten schon bald, vom gesparten Taschengeld gekauft, die verschiedensten Tiere, die nach Meinung des jungen Sammlers dringend ein Gehege brauchten. Deshalb schlug er kurzerhand Nägel als Gitterstäbe in die gepflegten Dielenböden seiner Großeltern. „Sie waren davon selbstverständlich wenig begeistert, fanden meine Argumentation aber durchaus schlüssig,“ erinnert sich der 71-Jährige heute schmunzelnd, an den Bau des ersten Dioramas für seine Figuren.

Zunächst sammelte er Flachfiguren, heute ist er mit einer zehnköpfigen Sammlergruppe vor allem auf der Jagd nach den vollplastischen Figuren der Firma Heyde, die von 1890 bis zu ihrer Ausbombung im Jahre 1945 produzierte. „Es ist eine Schatzsuche. Heyde ist sozusagen der Mercedes unter den Zinnfigurenherstellern. Ihre Produkte sind heute Raritäten, viele wurden von Flüchtlingen, Auswanderern oder den Besatzungsmächten als Andenken mit ins Ausland genommen, häufig nach England und Amerika. Wir möchten die Originalfiguren gern komplett zusammenstellen, bisher habe ich etwa 4000,“ erläutert Voigt-Wetzel.

Im Laufe der Jahre lernte er auch selbst Figuren zu gießen, neue Blankfiguren oder alte Stücke kulturhistorisch zu bemalen und aufzuarbeiten und vor einem möglichst naturgetreuen Hintergrund in Schaukästen zu präsentieren. Auf sein handwerkliches Geschick greifen auch andere Sammler gern zurück, und so kann Voigt-Wetzel seine Sammelleidenschaft zum Teil finanzieren.

Mit Lupe und kleinen Pinsel wird dabei gearbeitet. Für besondere Feinheiten kommen gar Schnurrbarthaare, die Hauskatze Lisa verloren hat, zum Einsatz. Denn jedes Detail muß stimmen. Aus Zeitungspapier werden ganze Landschaften geformt und anschließend bemalt.

Dazu bedarf es eines umfangreichen Studiums der Geschichte, der Sitten und Gebräuche, sowie der geografischen Gegebenheiten. Alte Gemälde, etwa von Adolph von Menzel, liefern weitere wichtige Hinweise. Für Szenen aus dem Krüger Nationalpark oder aus dem Tal der Könige beispielsweise brachte Voigt-Wetzel den Sand von Urlaubsreisen von den Originalschauplätzen mit. Die Tischsets aus Bambus mußte seine Frau Angelika für den Bau eines Dioramas mit dem Trojanischen Pferd beisteuern. Da sie selbst von der Sammelleidenschaft gepackt ist, allerdings für Teddybären, hat sie für das Steckenpferd ihres Mannes viel Verständnis, unstützt ihn sogar bei den Schreibarbeiten. „Sonst wäre das auch gar nicht möglich,“ räumt der Sammler ein, der bei seiner Arbeit Ruhe findet und abschalten kann.

Es gibt viel zu entdecken, manch überraschendes Detail, in den zahlreichen Dioramen des Kierspers, der erst vor 13 Jahren hier heimisch wurde, denn vorher befand sich sein Museum in der Lüdenscheider Altstadt. Interessierten Besuchern, erteilt er nach telefonischer Anmeldung der Nummer 02359/ 2259 bei einem Rundgang durch seine Zinnwelten gern Auskunft.

Von Luitgard Müller

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