Bürgermeister Frank Emde will sich weiter ehrenamtlich engagieren

Ein Abschied nach 16 Jahren

Frank Emde im Volme-Freizeitpark. Eines der größeren Projekte, die in seine 16-jährige Amtszeit als Bürgermeister fielen
+
Frank Emde im Volme-Freizeitpark. Eines der größeren Projekte, die in seine 16-jährige Amtszeit als Bürgermeister fielen

Kierspe – Mehr als zwei Jahrzehnte hat sich Frank Emde als Kämmerer und Bürgermeister darum bemüht, die Kiersper und die Unternehmer der Volmestadt möglichst gering mit Ausgaben zu belasten. Und ausgerechnet jetzt, wo er in den Ruhestand geht, hat er einen Weg gefunden, doch noch abzukassieren.

Denn als Fahrer des Bürgerbusses gehört das Kassieren des Fahrpreises zu seinen Aufgaben. Und der Bürgerbusverein ist es, bei dem sich Frank Emde in Zukunft betätigen möchte. Neben seinen weiteren Ämtern im DRK Kierspe, wo er als Geschäftsführer tätig ist, und dem Vorsitz beim Förderverein der Waldheimat. „Die erste Hürde auf dem Weg zum Bürgerbusfahrer habe ich mit dem Führungszeugnis schon genommen“, schmunzelt er. Nun folgt noch der Gesundheitscheck. Und damit er diesen auch in Zukunft besteht, will er seine sportlichen Aktivitäten steigern. Weiter sollen dann noch Musizieren (Emde hat mal das Akkordeonspiel erlernt) und das Vertiefen von Fremdsprachen hinzukommen. Dazu dann noch die zweijährige Enkeltochter – der scheidende Bürgermeister hat keine Sorge, vor Langeweile zu vergehen.

22 Jahre verantwortungsvolle Tätigkeit in Kierspe liegen hinter ihm, wenn er sich nach dem morgigen Sonntag offiziell nicht mehr im Dienst befindet. In der nordhessischen Kleinstadt Bad Arolsen hat er seine Laufbahn begonnen, dort ist ihm auch klar geworden, dass er den beruflichen Wunsch hat, noch ein wenig weiterzukommen als es dort möglich gewesen wäre. „Ich wollte mir am Ende meiner Dienstzeit nicht vorwerfen müssen, nie über den Tellerrand hinausgeschaut zu haben“, sagt er heute und betont, dass er diese Entscheidung auch nie bereut hat.

Dazu kommt noch der millionenschwere Ausbau des Kanalnetzes, um die Außenbereiche anzuschließen. Aber davon sieht man oberirdisch natürlich nichts.

Frank Emde

Als Kämmerer und Beigeordneter ist er damals nach Kierspe gekommen, um den verwaltungsunerfahrenen ersten hauptamtlichen Bürgermeister Kierspes Jochen Timpe zu unterstützen. Schnell war klar, wenn Timpe 2004 nicht erneut antreten würde, würde Emde um dessen Nachfolge kandidieren. Der Plan ging auf – und das auch noch weitere zwei Mal: 2009 und 2014.

Kierspe zu verlassen, stand nie zur Diskussion, außer er hätte eine der drei Wahlen verloren, betont Emde. Auch nicht, als in Bad Arolsen ein neuer Bürgermeister gesucht wurde. „Meiner Frau und mir war klar, dass wir hierbleiben wollen“, sagt er rückblickend.

In den 16 Jahren hat sich in Kierspe vieles verändert: das Fachmarktzentrum wurde vollendet, der ZOB gebaut, die Industriebrache Börlinghausen beseitigt und durch einen großen Neubau ersetzt, das Baugebiet Östlich Rathaus geplant und bebaut, die Gewerbegebiete Kiersperhagen und Grünewald eingestielt, der Volme-Freizeitpark realisiert, ein neues Feuerwehr-Gerätehaus errichtet und der Neubau des Forums eingeläutet. „Dazu kommt noch der millionenschwere Ausbau des Kanalnetzes, um die Außenbereiche anzuschließen. Aber davon sieht man oberirdisch natürlich nichts“, wirft er ein.

Den symbolischen Schlüssel zum Rathaus hat Frank Emde schon seinem Nachfolger Olaf Stelse übergeben. In der Ratssitzung der kommenden Woche wird dann der neue Bürgermeister vereidigt.

Aber es ging nicht nur voran. Ungern erinnert er sich an den Sturm Kyrill und seine Folgen für den heimischen Wald und dessen Besitzer, an die Finanzkrise vor etwas mehr als zehn Jahren, die zur Folge hatte, dass die Gewerbesteuern dramatisch einbrachen und die Flüchtlingssituation, „die vor allem mithilfe der Ehrenamtlichen des Vereins von ,Menschen helfen’ bewältigt werden konnte“. Als die Menschen in großer Zahl ab 2015 auch nach Kierspe kamen, setzte Emde alles daran, die Turnhallen freizuhalten, um den sozialen Frieden nicht zu gefährden. „Das wäre schon ein enormer Einschnitt in das Vereinsleben gewesen“, sagt er heute.

Damals war es neun Jahre her, dass er erfahren musste, welche Bedeutung eine Turnhalle für eine Stadt hat, denn 2006 war nach Brandstiftung die Mehrfachhalle abgebrannt. Es dauerte Jahre – in denen Schul- und Vereinssport mit einer nach Gummi riechenden Traglufthalle leben mussten – bis die neue Vierfeldhalle stand.

In all den Jahren hat sich Emde seine parteipolitische Unabhängigkeit bewahrt. So musste er immer Mehrheiten für die Projekte gewinnen, die im Rathaus erdacht wurden. „Am besten ist das gelungen, wenn man die Bürger bereits vor Beginn der Planungen ins Boot holte, dann konnte sich die Politik nur schwer widersetzen“, sagt er – und ist froh, dass nahezu alle wichtigen Entscheidungen im Rat mit großer Mehrheit getroffen wurden.

Letztlich habe er bei der Entwicklung der Stadt immer auf private Investitionen und öffentliche Förderungen gesetzt, um die Belastungen für die Bürger so gering wie möglich zu halten.

Ich wollte mir am Ende meiner Dienstzeit nicht vorwerfen müssen, nie über den Tellerrand hinausgeschaut zu haben.

Frank Emde

Auf öffentliche Mittel setzte er auch bei der Regionale und den Leader-Projekten – und jetzt erneut bei der anstehenden Regionale. „Ging es anfangs vor allem um die städtische Entwicklung, steht bei Leader und der Regionale 2025 die Region im Vordergrund. Dabei können wir mit unseren Pfunden Natur und Freizeit wuchern“, sagt er, wohl wissend, dass die Hauptlast nun auf den Schultern seines Nachfolgers lastet. Und dieser wird es auch sein, der die Folgen der Corona-Pandemie bewältigen muss. „Es ist schon ein komisches Gefühl, in dieser Zeit zu gehen. Aber so ist es nun mal“, sagt Emde.

Gerne hätte er in seiner Amtszeit noch die Neugestaltung des Bereichs Tannenbaum erlebt. Doch auf diese Planung hat die Kommune keinen Einfluss – und dem zuständigen Landesbetrieb sind die Wünsche eines Bürgermeisters sicher auch nicht so wichtig. Aber vielleicht kann er dort dann als Bürgerbusfahrer im Kreisverkehr seine Runden drehen.

Frank Emde - zur Person

Frank Emde wurde 1958 in Kassel geboren und verbrachte dort auch die ersten sieben Jahre seines Lebens. Danach zog die Familie nach Bad Arolsen – oder, wie Emde betont, nach Mengeringhausen, dem zweitgrößten Stadtteil der nordhessischen Kleinstadt mit ihren heute etwas weniger als 16 000 Einwohnern. Nach dem Abitur folgten zwei Jahre Bundeswehrzeit, die er als Reserveoffizier und im Dienstgrad eines Oberfähnrichs verließ. Nach einer Reserveübung samt Beförderung steht er heute im Dienstgrad eines Leutnants. Danach begann Emde seine Laufbahn im gehobenen Dienst der Stadt. Mit zwei Fortbildungsstudiengängen, von denen einer zum Verwaltungsdiplom führte und der andere zum BWL-Diplom der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie empfahl er sich für höhere Aufgaben. Als er die Stadt verließ, war er Hauptamtsleiter und Betriebsleiter der Wasserwerke und damit für Wasser, Abwasser, Abfall und Straßenreinigung zuständig. 1997 erfolgte dann der Wechsel nach Kierspe, wo er in den ersten Jahren als Kämmerer und Beigeordneter tätig war. 2004 wurde er als parteiloser Kandidat zum Bürgermeister gewählt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare