Entscheidung trägt aber der Landschaftsverband

Denkmalschutz im neuen Ausschuss

Villa Wirth - Denkmal - Unterschutzstellung - Kierspe
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Um die Aufnahme der Villa Wirth gab es Streit im Rat. Letztlich entschied der Landschaftsverband über die Unterschutzstellung.

Als vor einigen Jahren die Villa Wirth unter Denkmalschutz gestellt werden sollte, sprach sich der Rat dagegen aus – und dies, obwohl der Eigentümer durchaus mit der Unterschutzstellung einverstanden war. Ein Ratsmitglied ging in seiner Begründung sogar so weit, den Eigentümer vor sich selbst schützen zu wollen.

In Zukunft sollen Beratungen über Belange der Denkmalpflege in einem Fachausschuss geklärt werden – und zwar im Ausschuss für Schule, Kultur und Denkmalpflege. Grund für die Zuordnung ist im Denkmalschutzgesetz des Landes NRW zu suchen. Allerdings werden auch in Zukunft weder Ausschuss noch Rat darüber entscheiden können, welches Gebäude oder Bodendenkmal in die Dankmalliste der Stadt aufgenommen oder daraus entfernt wird. Denn dafür ist nach wie vor der Landschaftsverband Westfalen-Lippe zuständig, der auch bei der Villa Wirth letztlich eine Unterschutzstellung anordnete.

So teilt die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage für die Ratssitzung am 17. November, in der über den neuen Ausschuss entschieden werden soll, auch mit: „Die Erlaubniserteilung gemäß Abs. 1 DSchG für An-, Um- und Ausbauten sowie Nutzungsänderungen an denkmalgeschützten Gebäuden ist ebenfalls als Geschäft der laufenden Verwaltung anzusehen. Das Benehmen hierzu wird mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Amt für Denkmalpflege, hergestellt. Dieses sind Aufgaben zur Erfüllung nach Weisung, die die Kommune nicht als eigene Aufgaben wahrnimmt, sondern als Sonderordnungsbehörde (20 Abs. 3 DSchG). Einen politischen Gestaltungsspielraum gibt es bei all diesen, mit der Durchsetzung von hoheitlichen Geboten und Verboten verbundenen Entscheidungen, nicht. Das schließt nicht aus, dass der für Denkmalfragen zuständige Ausschuss informiert wird.“

Baudenkmäler

Derzeit listet das Online-Lexikon Wikipedia 64 Baudenkmäler für Kierspe auf, wobei die Christuskirche, die im vergangenen Jahr als Denkmal vorgeschlagen wurde, noch nicht in dieser Aufzählung vorhanden ist. Durchaus vorhanden sind unter anderem die Margarethenkirche, die Brennerei in Rönsahl, der Brunnen Vor dem Isern, das Alte Amtshaus, das Reidemeisterhaus Voswinkel und eben auch die Villa Wirth.

Die Christuskirche ist das jüngste Kiersper Baudenkmal.

Viele der denkmalgeschützten Häuser wurden in den 1980er-Jahre in die Liste aufgenommen, Aber auch in den folgenden Jahrzehnten kamen immer wieder Gebäude dazu. In den 1990er-Jahren wurden etwa der Schleiper Hammer und das Reidemeisterhaus Schriever zum Denkmal, in den frühen 2000er-Jahren folgte dann die Kirche St. Josef. Zwischen 2010 und 2020 fanden Aufnahme die Lindenallee am Friedhof Büscherweg, der Gefallenenfriedhof, der Friedhof der Zwangsarbeiter, Ehrenhain, Villa Wirth und Christuskirche.

Der Schleiper Hammer steht seit 2004 in der Denkmalliste.

Aber es werden nicht nur immer wieder Gebäude in die Liste aufgenommen, es gibt auch Entlassungen. So beispielsweise der Bahnhof Vollme, der vor dem ersten Weltkrieg gebaut wurde. Letztlich erwies sich aber sie Substanz als so schlecht, dass das Gebäude nicht gerettet werden konnte.

Bodendenkmäler

Doch es gibt nicht nur Baudenkmäler, sondern auch Bodendenkmäler – von denen sind auf Kiersper Stadtgebiet derzeit 17 Stück zu finden. Dabei handelt es sich meist um die wenigen noch sichtbaren Hinterlassenschaften der eisenverarbeitenden Industrie wie Hammerwerke, aber auch Rennfeuerstellen, Grabhügel und Landwehranlagen zählen zu diesen Bodendenkmälern.

Der Begriff Baudenkmal

Der Begriff Baudenkmal bezeichnete ursprünglich ein architektonisches oder plastisches Monument zum Gedenken an eine Persönlichkeit oder ein Ereignis. Heute ist es laut Duden ein „Bauwerk als Denkmal vergangener Baukunst“ und umfasst „historische Baulichkeiten aller Art als Quellen und Zeugnisse menschlicher Geschichte und Entwicklung.“ Baudenkmale können einzelne Kulturdenkmäler, wie Einzelgebäude, oder Gesamtanlagen, wie historische Stadt- und Ortskerne, Straßenzüge, Plätze oder Gebäudegruppen sein. Sie sind von künstlerischer, wissenschaftlicher, technischer, handwerklicher, geschichtlicher oder städtebaulicher Bedeutung. Darüber hinaus ist Baudenkmal ein Fachbegriff, der in unterschiedlichem Zusammenhang unterschiedlich ausgelegt wird. Viele Baudenkmale sind heute ein oft für den Tourismus wichtiges Kulturgut und Teil des gewachsenen kulturellen Erbes eines Staates, einer Region oder Kommune. Viele dieser Baudenkmale tragen das Kennzeichen für Kulturgut entsprechend der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten oder sind Unesco-Welterbe.

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