Anspruchsvolles Theater: Stresstest

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Es war erstaunlich, was 80 Kinder und zehn Lehrer in Proben an nur sieben Tagen auf die Beine gestellt haben.

Kierspe - Anspruchsvoll und kryptisch, so gestaltete sich das Ende der Projektwoche in der Gesamtschule mit dem Theaterprojekt „Stresstest“. Es befasste sich ebenfalls, wie die anderen gezeigten Projekte, mit dem Thema „Demokratie bei uns und anderswo“. Es war erstaunlich, was die 80 Kinder und zehn Lehrerinnen sowie Lehrer in sieben Tagen Proben auf die Beine gestellt haben.

Es war dieses Mal ein schwieriges Theaterstück, was von Tobias Voswinkel geschrieben und Kati Wiegold musikalisch geprägt worden ist. Zum Inhalt des Stücks: Führungskräfte namhafter Firmen hatten sich die Frage gestellt, wie weit ihre Angestellten und Arbeiter noch zu belasten sind, wann ist ihre Belastungsgrenze erreicht. Kurzerhand beauftragten sie Wissenschaftler, die dies mittels eines Experiments am lebenden Menschen herausfinden sollten. Voraussetzung war, die Menschen mussten an diesem Experiment freiwillig teilnehmen, der wahre Grund des Experiments musste aber geheim bleiben.

Die gefundenen Teilnehmer wurden mittels Hypnose und Medikamente jeglicher Erinnerung an diese Bereitschaft und an das Experiment beraubt. Nach dem Aufwachen finden sich Eltern und Kinder in zwei getrennt voneinander liegenden Räumen wieder. Sie sind von der Außenwelt isoliert. Während die Eltern in dieser Situation völlig überfordert sind, wissen die Kinder, dass es sich um ein Experiment handelt und dass es darum geht, bestimmte Aufgaben zu lösen, die ihnen als Videobotschaft zugehen.

Während bei den Eltern die Belastungsgrenze schnell erreicht ist, sehen die Kinder das entspannter. In einer Aufgabe wurden sie aufgefordert jemanden auszuwählen, der mit den Wissenschaftler in Kontakt treten kann. Während die Eltern mit einer Mehrheit, die nur durch eine Stimmenthaltung zustande kam, einen „Diktator“ auswählten, lief das Experiment bei den Kindern in ganz anderen Bahnen.

Anspruchsvolles Theater "Stresstest"

Sie beschlossen, sich zu verweigern. Sie gründeten eine Mädchen- und eine Jungengruppe, taten sich zu einer großen Koalition zusammen und kamen zum Ergebnis, dass sie sich nichts von anderen vorschreiben lassen. Die Frage für die Wissenschaftler war nun, ob diese Verweigerung ein Zeichen dafür ist, dass die Belastungsgrenze erreicht ist oder aber die Kinder sich tatsächlich dem Experiment verweigerten. So beschlossen die Wissenschaftler, weiter zu forschen und die Belastung der Kinder zu steigern, was mit der düsteren Schlussszene „Testen wir weiter, steigern wir den Stress“ zum Ausdruck kam.

Es war ein anspruchsvolles Theaterstück, nicht nur für das Publikum, auch für die Schüler. 60 Mädchen und Jungen in Sprechrollen hatten in einer Erst- und Zweitbesetzung ihre Rollen erlernt und hervorragend gespielt. Die Emotionen der Eltern, die getrieben waren von der Sorge um ihre Kinder, waren spürbar für das Publikum. Auch die Leichtigkeit und Einigkeit der Kindergruppe kam glaubhaft herüber.

Doch leider passierte in der Aufregung den jungen Schauspielern, welche die Wissenschaftler in der düsteren Schlussszene spielten, eine kleine Panne: Die Textpassage, die das Experiment erklären sollte, wurde übersprungen und so war das Ende für das Publikum etwas unerklärlich. Doch wer das Stück aufmerksam verfolgt hatte, dem dürfte dies kaum aufgefallen sein, da die logische Schlussfolgerung erkennbar war.

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