Demografischer Wandel erschwert Jugendarbeit

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Zwei Kinder mit drei Betreuerinnen – das passt nicht.

KIERSPE ▪ Der demografische Wandel macht nicht nur der Servatiusschule zu schaffen: Die geburtenschwachen Jahrgänge wirken sich auf die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit in Rönsahl aus.

Die Gemeinde St. Engelbert hat seit Jahren keine eigene Gruppe mit Kommunionkindern mehr. In der evangelischen Gemeinde haben sich in diesem Jahr lediglich drei Jugendliche zur Konfirmation angemeldet. Kindergottesdienste und Jungschar-Nachmittage sind schwach besucht.

Auch der Nachmittagsunterricht sei ursächlich

Die Gründe für den Rückgang sieht Carola Nies vom CVJM auch bei den Schulen. Viele Hausaufgaben und Nachmittagsunterricht ab der fünften Klasse ließen zunehmend weniger Freiräume für private Aktivitäten. Da bleibe ein Freizeitangebot wie die Jungschar auf der Strecke. Außerdem werde die regelmäßige Mitarbeit in einer Gruppe immer weniger gewünscht. Der Trend gehe hin zu Einzelaktionen oder kurzfristigen Projekten.

Ihr Mann, Thomas Nies, beobachtet ähnliche Entwicklungen beim Sport. Als Fußballtrainer beim TSV Rönsahl ist er gleichzeitig Mitglied im Jugendvorstand. Auch dort schwächele der Kinder- und Jugendbereich. Schon seit Jahren habe die Fußballabteilung deshalb eine Spielgemeinschaft mit dem TV Klaswipper. Es gebe einen harten Kern, auf den er sich verlassen kann, so Nies, aber „in der Breite“ fehle die Bereitschaft zum regelmäßigen Training. Immerhin trage seit dem Sommer der Kunstrasenplatz zur Attraktivität des TSV bei. Dadurch habe sich „der Abschwung abgeschwächt“.

Kinderturnen: Schulsystem reißt Lücken

Brigitte Tomczak, die das Kinderturnen betreut, kann mit dererlei Ausstattung nicht aufwarten. Sie setzt stattdessen auf die Kindergartenkinder und hofft, dass der Nachwuchs die Lücken füllt, die das veränderte Schulsystem verursacht hat.

Die Kirchengemeinde sucht auf ihre Weise nach neuen Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche an sich zu binden. Das neue Angebot der Gemeinde heißt: „10 plus 1: Gottesdienst für Aufgeweckte und Langschläfer“. Ab Januar wird, jeweils am letzten Sonntag im Monat, der Gottesdienst um 11 Uhr stattfinden. Für die Erwachsenen bleibt es im Prinzip ein Gottesdienst wie gewohnt, allerdings mit modernem Liedgut und kommunikativen Elementen. Für die Kinder und Jugendlichen geht es jeweils weiter bis 14 Uhr.

Neues Angebot bei der evangelischen Kirchengemeinde

„Kindergottesdienst mit Jugendkreis-Flair“ nennt Carola Nies diese neue Form. Kreativ, spielerisch und abwechslungsreich soll sie Kinder und Jugendliche zu Bibel und Glauben führen. Ein halbes Jahr lang wollen CVJM und Gemeinde die Neuerungen ausprobieren und prüfen, wie das neue Angebot bei der Zielgruppe ankommt. Dann sieht man weiter. ▪ Birgitta Negel-Täuber

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