„Das ist ein Baugebiet, das keiner braucht“

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Die problematischste Stelle ist an der Straße Im Hofe. Die Fahrspur ist stellenweise nur 4,50 Meter breit.

Kierspe -  Die Nordumgehung (Lauseberg-Aufstieg) ist – zumindest erstmal – vom Tisch. Doch wie und vor allem in welchem Umfang ließe sich ein zweiter Bauabschnitt im Gebiet „Östlich Rathaus“ auch ohne den Straßenbau realisieren? Der Verkehrsingenieur Dr. Lothar Bondzio stellte im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung eine Verkehrsuntersuchung vor, in der er berechnete, wie viele Wohneinheiten die existierenden Zufahrtsstraßen verkraften.

Von Matthias Clever

„Die Stadt Kierspe zieht eine Erweiterung des ersten Bauabschnittes um weitere Wohneinheiten in Erwägung“, sagte Dr. Lothar Bondzio von der Brilon Bondzio Weiser Ingenieurgesellschaft. Daher sei zu prüfen, inwieweit eine Erweiterung zusätzliches Verkehrsaufkommen erzeugt und ob dies das bestehende Straßennetz fasst. Bondzio rechnete mit fiktiven Wohneinheiten in den Schritten 50, 70, 90 und 110 die Machbarkeit aus.

Seinen Berechnungen zufolge sei eine Erweiterung mit bis maximal 110 Wohneinheiten für die Zufahrtsstraßen Haunerbusch, Im Hofe und Thingslindestraße noch verkraftbar. Probleme sieht der Verkehrsingenieur im südlichen Abschnitt der Straße Im Hofe. Dort betrage die Fahrbahnbreite an einer Stelle nur 4,50 Meter. Derzeit gebe es pro Stunde etwa 17 Begegnungen – bei einer Erweiterung um 110 Wohneinheiten seien dies in etwa 30. „Das kann noch als verträglich bewertet werden“, sagte Dr. Lothar Bondzio.

Eine Aussage, die Marie Luise Fricke (CDU) so nicht stehen lassen wollte: „Die Straßen sind schon jetzt zu stark belastet.“ Fricke warnte davor, das Projekt nun einfach durchziehen zu wollen.

„Die Untersuchung war gewollt – jetzt erwarte ich, dass ergebnisoffen über die Ergebnisse gesprochen wird“, sagte ihr Fraktionskollege Jürgen Tofote. Er wolle die Pläne jetzt nicht einfach „in die Tonne hauen“.

Heftige Kritik gab es vom FWG-Fraktionsvorsitzenden Peter Christian Schröder. Die Planungen für das Baugebiet seien Lehrstücke. Die Verwaltung zeige, wie sie Informationen verhindere, in dem sie die Ergebnisse der Untersuchung erst kurze Zeit vor der Ausschusssitzung zur Verfügung stelle. Und das, obwohl der Schlussbericht schon Monate vorliege. „Außerdem ist es ein Lehrstück zum Thema ,wie bescheiße ich meine Wähler nach der Wahl’“, wetterte Schröder und zeigte in die Richtung von CDU, UWG und FDP. „Das ist ein Baugebiet, das keiner braucht.“ Es gehe nur darum, dass die Besitzer ihre Grundstücke verkaufen könnten und um mehr nicht.

Noch 26 freie Grundstücke

Von einer gewinnbringenden Investition in die Zukunft der Stadt sprach Armin Jung von der FDP. Das Baugebiet sei eines, welches die Stadt nicht weiter „auseinander franse“ und daher weiter angegangen werden müsse. Er schlug vor, in der Sitzung einen Beschluss zu fassen. Nach deutlicher Kritik zog er diesen Vorschlag zurück und kündigte an, einen Antrag zu stellen.

Oliver Busch (SPD) erinnerte an die Zahlen des ersten Abschnittes des Baugebietes. Von den 62 geplanten Wohneinheiten sind derzeit erst 36 realisiert. „Dafür haben wir sieben Jahre gebraucht, um das hinzubekommen. Für die anderen 26 brauchen wir also noch fünf Jahre. Wir haben gesehen, dass die Menschen nicht mit scharrenden Füßen an der Stadtgrenze von Kierspe darauf gewartet haben, hier zu bauen.“ Er sehe daher nicht die Notwendigkeit, sofort einen Beschluss zu fassen.

An den Verkehrsberechnungen kritisierte er die fehlende Berücksichtigung immer breiterer Fahrzeuge im Alltag. Das verlangsame den Verkehr weiter, wodurch es Rückstaus gäbe. Zu Armin Jung sagte Oliver Busch: „Schreib zu Hause einen Antrag und reich’ den fristgerecht ein und dann sehen wir weiter.“

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