Dachdecker sollen für Klarheit im Turm sorgen

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Mit einem Autokran wurde das Baumaterial in den Turm gebracht. Auf diesem Weg soll auch der Lehm abtransportiert werden. ▪

KIERSPE ▪ Bereits seit Monaten suchen die Mitglieder des Bauausschusses der evangelischen Kirchengemeinde Kierspe nach einer Möglichkeit den Dachstuhl des Glockenturmes zu restaurieren. Nun soll ein Dachdecker Vorarbeiten leisten, um sich oberhalb der Glocken einen besseren Überblick zu verschaffen.

Warum die Lehmschicht auf dem Zwischenboden im Turm der Margarethenkirche aufgebracht wurde, ist auch nach etlichen Gesprächen mit Denkmalschützern und Architekten unklar. Wahrscheinlich als Brand- oder als Schallschutz wurde die rund 20 Zentimeter dicke Schicht aufgebracht. Und in diesem Material, dass feucht geworden war, sind Balken des Dachstuhls verfault. Zum Teil fehlt ihnen jede Verbindung nach unten, bei anderen ist nur ein Teil des Holzes weggefault (die Meinerzhagener Zeitung berichtete).

Nun sollen die Mitarbeiter des Kiersper Dachdeckerbetriebes Otto für Klarheit sorgen, indem sie die Erdschicht Eimer für Eimer abtragen und damit den Teil der Balken, der bislang nicht in Augenschein genommen werden konnte, freilegen.

Doch bevor mit dieser Arbeit begonnen werden kann, musste eine Arbeitsbühne oberhalb der Glocken, aber unterhalb der alten Zwischendecke errichtet werden. Aus massiven Balken und OSB-Platten war dies innerhalb eines Tages erledigt.

Da die Platten viel zu groß waren, um sie durch den Turm und über die alten steilen Holzstiegen zu tragen, brachten die Dachdecker einen Autokran mit. Unterhalb der Turmuhr befindet sich eine Öffnung, deren Größe ausreichte, um die Platten und Balken in den Turm zu hieven. Und durch die gleiche Öffnung wird auch der Lehm, der mittlerweile rund 200 Jahre im Turm gelegen hat, in eine Wanne verfrachtet, die dann am Seil des Krans hängen wird.

„Danach werden Denkmalschützer, Architekten und Statiker den Dachstuhl in Augenschein nehmen. Dann wird auch hoffentlich klar sein, wie wir renovieren und reparieren können“, so Gerhard Holthaus vom Bauausschuss der Gemeinde.

Mit dem Beginn der Restaurierung rechnet Holthaus Anfang des kommenden Jahres. Dann sollen auch die Balken und Bretter Verwendung finden, die die Kirchengemeinde im vergangenen Jahr aus Eichen schneiden ließ, die im Kirchenwald gefällt wurden. „Wir wissen aber gar nicht, ob dieses Holz ausreichen wird und auch nicht, ob wir mit den gebildeten Rücklagen auskommen“, so Holthaus. Allerdings gibt es auch keine Alternative zu den Arbeiten. Ist doch auf Dauer die Stabilität des Turmes gefährdet. Und da das Bauwerk, dessen Ursprung im zwölften Jahrhundert liegt, unter Denkmalschutz steht, kommt auch nur eine Sanierung in Frage, die den Originalzustand wieder herstellt. Damit ist auch eine Stahlkonstruktion als Ersatz für die Balken nicht vorstellbar. „Zur Not müssen wir in der Gemeinde zusätzliches Geld sammeln“, erklärt das Bausschussmitglied. ▪ Johannes Becker

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