Crummenerl schließt nach 20 Jahren

Für Anneliese und Rainer Crummenerl ist der 30. September der letzte Arbeitstag.

RÖNSAHL ▪ „Schade!“ Das ist der einhellige Kommentar zur neuesten Veränderung in der Rönsahler Geschäftswelt.

Zum 30. September geben Anneliese und Rainer Crummenerl nach mehr als 20 Jahren ihr Geschäft an der Hauptstraße auf. „Aus Altersgründen“, sagt Rainer Crummenerl. „Irgendwann muss auch mal Schluss sein.“ Leicht fällt ihm dieser Schritt trotzdem nicht. „Ich bin immer fröhlich zur Arbeit gegangen.“

Aber das Ladenlokal wird nicht lange leer stehen. Wo zurzeit noch Geschenk- und Dekoartikel angeboten werden, kann man demnächst Blumen kaufen. Zilli Lüsebrink wird mit ihrem Blumenladen dort einziehen. Seine Nachfolgerin werde auch die Lotto-Annahme weiterführen, informierte Rainer Crummenerl. Er ist froh über diese Lösung, denn Leerstände wie etwa in der Kölner Straße müsse man tunlichst vermeiden.

Zurzeit gibt es in Rönsahl nur ein Ladenlokal, das auf einen neuen Mieter wartet. Der Getränkemarkt von Regina Marcus wurde vor einigen Monaten in den früheren Rewe-Markt verlegt. Die früheren Geschäftsräume stehen seitdem leer. Die Grundversorgung sei das Wichtigste, findet Ortsbürgermeister Horst Becker. Mit Grundversorgung meint er den Nahkauf der Familie Crone, Getränkemarkt, Sparkasse und Post.

Waltraud Mürmann kann da nur zustimmen. Sie kaufe alles im Dorf ein. Vor allem für die älteren Menschen seien Einkaufsmöglichkeiten in Rönsahl wichtig, meint Anke Nowak. Sie selbst kaufe auch viel im Dorf ein. „Aber bei einer vierköpfigen Familie muss man schon rechnen“, spielt sie auf die günstigeren Preise der Discounter an. Das sieht Horst Becker etwas anders. Wenn man die Spritpreise gegen rechne, sei der Unterschied schon nicht mehr so hoch.

Für Dorothea Ulrich spielt vor allem das veränderte Kaufverhalten eine wichtige Rolle. Für viele Menschen sei Einkaufen Unterhaltung. Die Inhaberin des Schuhgeschäfts kann nur den Kopf schütteln, wenn die Massen samstags in die umliegenden Großstädte strömen.

Ihre eigene Stammkundschaft nimmt allerdings auch längere Wege in Kauf. Viele Käufer kämen aus Kierspe und Marienheide. Das ist bei Rainer Crummenerl genauso; seine Kunden kommen zu einem erheblichen Teil aus dem Oberbergischen.

Ein Knackpunkt, der Dorothea Ulrich zum Glück nicht betrifft, sind die gewerblichen Mieten – ihr Schuhgeschäft ist im eigenen Haus untergebracht. „Das ist natürlich ein Vorteil“, sagt die Inhaberin. Und noch ein Vorteil: Mit dem Sohn steht auch schon der Nachfolger bereit.

Horst Becker sieht vor allem das Potential, das im Dorf stecke. Zum Beispiel lasse sich der Wochenend-Tourismus, den es vor dem Krieg gab, sehr wohl wieder beleben. Dazu muss dann aber wohl erst einmal ein Käufer für das mittlerweile stark heruntergekommene, frühere „Hotel zur Leye“ gefunden werden. Ein Friseurgeschäft und eine Eisdiele stehen ebenfalls auf seiner persönlichen Wunschliste.

Ebenso wie die Geschäftsinhaber, macht er sich „zurzeit noch keine Sorgen“, dass in Rönsahl irgendwann die Lichter ausgehen könnten. Aber auch da sind sich alle einig: „Die Rönsahler haben es selbst in der Hand, ob die Geschäfte bestehen bleiben.“ Sie müssen ganz einfach in ihrem Dorf einkaufen. ▪ bnt

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