Petra Crone - eine „Königin ohne Land“

Petra Crone fuhr bereits wieder nach Berlin.

KIERSPE - Die im Verhältnis doch niedrige Wahlbeteiligung gereicht vor allem immer der SPD zum Nachteil, weil ihre Klientel eher mal auf den Urnengang verzichtet und auch im Wahlkampf schwerer dafür zu motivieren ist. So hätten die Sozialdemokraten sonst vielleicht auch in Kierspe noch etwas besser abgeschnitten. Immerhin lag die Wahlbeteiligung vor Ort mit 66,6 Prozent mehr als sechs Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt.

Von Rolf Haase

Obwohl Petra Crone persönlich in ihrer Heimatstadt 40,4 Prozent erzielte und damit nur knapp 3 Prozentpunkte weniger als der CDU-Kontrahent Dr. Matthias Heider, war sein Vorsprung im gesamten Wahlkreis 149, der den südlichen Märkischen Kreis und den Kreis Olpe umfasst, dann doch deutlich größer: Heider kam auf 51,67 Prozent, während Crone 32,7 Prozent erreichte.

Was zum einen an dem schwarzen Kreis Olpe liegt und zum anderen an der diesmal durch den Merkel-Bonus enorm starken CDU. Etwas knapper hätte sich Petra Crone das Rennen schon gewünscht, verhehlt sie nicht ihre Enttäuschung.

Trotzdem gehört die Kiersperin aufgrund ihres vierten Platzes auf der NRW-Landesliste ebenfalls in den nächsten vier Jahren erneut dem Deutschen Bundestag an. Nicht zuletzt auch, weil die Sozialdemokraten bei der Wahl am Sonntag etwas zulegten und daher mit mehr Abgeordneten im Berliner Parlament vertreten sind. Gestern machte sich Petra Crone wieder auf den Weg nach Berlin, wo heute und morgen bereits die ersten Sitzungen stattfinden und zunächst eine parteiinterne Analyse des Wahlausgangs ansteht.

Wie die Koalitionsfrage ausgehen wird, ist aus Sicht der 63-Jährigen Kiersperin absolut offen, denn für eine große Koalition aus CDU und SPD gebe es genauso Befürworter, wie diese von anderen auch abgelehnt werde. „Jetzt ist ohnehin erst einmal Angela Merkel am Zug und muss Gespräche aufnehmen“, sagt Petra Crone, die sich noch gut an die große Koalition bis 2009 erinnert mit SPD-Ministern wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Finanzminister Peer Steinbrück und Arbeitsminister Olaf Scholz. Obwohl von ihnen viele gute Ideen wie die Abwrackprämie, das Konjunkturpaket oder die Kurzarbeiterregelung zur Bewältigung der Krise gekommen seien, habe die SPD das bei der Wahl vor vier Jahren nicht als Plus für sich geltend machen können, sondern schon damals im Schatten von Bundeskanzlerin Angela Merkel gestanden. Daher gebe es einige Skepsis gegenüber einer großen Koalition.

Feststeht aus ihrer Sicht jedoch, dass Rot-Rot-Grün keine Alternative sei. Die Kiersperin glaubt in dem Wahlausgang vom vergangenen Sonntag fast royale Verhältnisse zu erkennen, doch sei Merkel „eine Königin ohne Land, weil der Bundesrat von den Sozialdemokraten bestimmt wird“, so ihre Einschätzung

Hier noch ein anderer interessanter Aspekt der Bundestagswahl: Die Parteien, die das rechtsextreme Spektrum abdecken, spielten auch bei dieser Bundestagswahl vor Ort weiterhin keine große Rolle: Die NPD legte gegenüber 2009 sieben Stimmen zu und kam auf 107 Stimmen oder 1,3 Prozent. Die Republikaner verloren 17 Stimmen und kamen auf 13 Stimmen oder 0,16 Prozent. Pro Deutschland verbuchte in Kierspe 17 Stimmen oder 0,21 Prozent. Nicht gewählt wurde die Partei Die Rechte.

Insgesamt fokussierte sich diese Wahl auf die großen Parteien, worunter alle kleineren Gruppierungen gelitten haben, nicht nur die FDP und die Grünen. Dass Angela Merkel weiterregieren sollte, dominierte. Verloren hat so vor Ort ebenfalls Die Linke, die statt 9 Prozent nur auf 5,8 Prozent kam und am vergangenen Sonntag von 468 Kierspern gewählt wurde, vor vier Jahren waren es noch 712 gewesen.

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