„Crash Kurs NRW“ an der Gesamtschule

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Die rund 300 Schüler der Oberstufe kamen gestern ins PZ, um den Vorträgen von Polizei, Feuerwehr und Betroffenen zu Verkehrsunfällen zu lauschen. Einigen gingen die Erfahrungsberichte sichtlich nah, sorgten sie doch für nachdenkliche Gesichter.

Kierspe - Für die Polizei-Hauptkommissare ist es beruflicher Alltag: Immer wieder haben sie mit Verkehrsunfällen, deren Opfern und Angehörigen zu tun. Um die Zahl der Unfälle – gerade mit Fahranfängern – in Zukunft zu verringern, bietet die Polizei die Präventionsveranstaltung „Crash Kurs NRW“ an. Die Kommissare besuchten dazu am Montag die Kiersper Gesamtschule.

Bei dem Präventionsangebot der Polizei NRW stehen Emotionen im Vordergrund. Mit Bildern, Musik, Vorträgen und Erfahrungsberichten – von Polizisten, Feuerwehrleuten, aber auch Angehörigen von Unfallopfern – sollen die Schüler an die Gefahren des schnellen Fahrens herangeführt werden. Das Angebot richtet sich an alle Schüler der Oberstufe – vor allem an Fahranfänger. 

Ihnen soll mithilfe des Kurses klar gemacht werden, dass sie Verantwortung tragen, wenn sie in ein Auto steigen. Und dass sie Regeln beachten müssen, um Unfälle zu vermeiden. Ziel des Kurses: weniger jugendliche Verkehrsopfer.

Vier Polizei-Hauptkommissare organisieren Veranstaltungen

Am Montag kamen 300 Oberstufen-Schüler ins PZ, um an dem „Crash Kurs NRW“ teilzunehmen. Polizei-Hauptkommissarin Eike Scholz ist mit ihren drei Kollegen bis zu 14 Mal im Jahr an Schulen im Märkischen Kreis. Immer im Vierer-Team – Eike Scholz, Andreas Filthaut, Axel Strüver und Uwe Düchting – kümmern sich die Polizei-Hauptkommissare um die Organisation der Veranstaltungen.

Neben Schulleiter Johannes Heintges und Oberstufenleiterin Diana Hibst waren an dem Vormittag auch Sozialpädagogen und Schulpädagogen anwesend. Oft müssten einige Schüler zwischendurch mal rausgehen, wenn es ihnen zu heftig werde. „Bei vielen setzt schnell das Kopfkino ein“, sagte Polizei-Hauptkommissarin Eike Scholz.

Mit echten Bildern vom Unfallort, zerstörten, ausgebrannten Autos, emotionaler Musik und authentischen Erfahrungsberichten sollen die Schüler an das Thema herangeführt werden. „Es ist eindrucksvoll und emotional, aber bewirkt auch etwas“, sagte Oberstufenleiterin Diana Hibst. Der Kurs sei nur einer von vielen Präventionsbausteinen, die die Schule rund um die Verkehrssicherheit anbiete.

Bewusst ins Auto steigen

Man müsse den Schülern klar machen, so Kommissarin Scholz, dass sie darüber nachdenken, was im Straßenverkehr passieren kann. Sie sollten bewusst ins Auto steigen und – gerade Mädchen – sollten erst einmal überlegen, zu wem sie ins Auto steigen. Hat der Fahrer getrunken? Fährt er zu schnell? Ist er abgelenkt? „Dann muss man auch den Mut haben und sagen: ,Ich steige aus‘“, so Scholz.

„Es gibt hier keinen erhobenen Zeigefinger“, sagte die Hauptkommissarin weiter. Stattdessen berichteten authentische und betroffene Personen von ihren Erfahrungen und Erlebnissen.

Im Rahmen des „Crash Kurses NRW“ sprechen chronologisch die fünf Akteure, die auch bei einem Unfall meist in der Reihenfolge vor Ort sind – Polizei, Feuerwehr, Notarzt, Notfallseelsorge, Betroffene.

Timo Freiberg, Polizei-Kommissar aus Lüdenscheid, berichtete von seinen Erfahrungen und einem Unfall. „Stellt euch vor, eine geliebte Person ist einfach weg und kommt nie wieder – ohne Vorwarnung.“ Dann erzählte Christian Koronika von der Feuerwehr Plettenberg von einem Einsatz, bei dem ein Motorradfahrer tödlich verunglückte.

Uwe Krohn erzählte vom Unfall seines Sohnes.

Notärztin und Notfallseelsorge waren am Montag beruflich verhindert. Stattdessen sprachen Uwe Krohn (Selbsthilfegruppe „Leben ohne Dich“ aus Kierspe) und ein Betroffener, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, von ihren Erfahrungen. 
 
Krohn hatte vor elf Jahren seinen Sohn verloren. Er wurde bei einem Autounfall getötet. Krohn berichtete von seinem Erlebnis und den letzten Worten seines Sohnes: „Aus einem ,bis gleich‘ wurde ein ,nie mehr‘.“

Authentizität statt reißerische Effekte

Die emotionalen, realen und authentischen Erzählungen ließen die gesamte Schülerschaft verstummen. Es waren harte Worte, aber sie wirken. Viele der Schüler werden sich in Zukunft wohl etwas bewusster hinters Lenkrad setzen. 

Das bestätigte auch Eike Scholz, die für die Aktion durchweg positive Rückmeldungen erhielt. „Die Schüler sehen, dass die Akteure es ernst meinen. Wir zeigen ihnen nichts Reißerisches. Wir wollen, dass die Schüler über ihr Verhalten nachdenken“, sagte Scholz abschließend.

Mehr Infos zu dem Projekt „Crash Kurs NRW“ gibt es auch auf der Internetseite der Polizei.

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