Virus bereitet nicht nur Reitverein große Probleme

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Leere Hallen und ebenso leere Reitplätze sind in diesen Tagen in Hohenholten keine Ausnahmen.

Kierspe - Normalerweise sind Reitanlagen ein beliebter Treffpunkt, vor allem Mädchen verbringen dort Stunden über Stunden. Doch in den Zeiten der Coronavirus-Krise ist das ganz anders.

„Es war schon schwierig, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass sie nicht auf die Anlage dürfen. Aber nach gut zwei Tagen hatten wir das im Griff“, erzählt Thomas Vollmann, der Vorsitzende des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Kierspe. Der Vorstand wolle auf jeden Fall vermeiden, dass die Infektion von Mitarbeitern den Betrieb der gesamten Anlage gefährde, sagt Vollmann. 

Aber auch die Pferdebesitzer sollen geschützt werden, gleichzeitig soll ihnen aber die Möglichkeit gegeben werden, sich um die eigenen Tiere zu kümmern. Deshalb gibt es einen ganzen Katalog mit Verhaltensregeln, der das Risiko für jeden Einzelnen reduzieren soll. 

Fixkosten müssen gedeckt werden

Doch neben der Sorge um Beschäftigte und Pferdebesitzer treiben den Vorsitzenden auch finanzielle Sorgen um. „Wir haben den Betrieb soweit runter gefahren, wie es geht. Außerdem haben wir an die Mitglieder appelliert, weiterhin Reitkarten zu kaufen, auch wenn der Unterricht ausfällt. Schließlich haben wir Fixkosten, die gedeckt werden müssen. Wir haben die Karten auch etwas ermäßigt, weil wir die Kosten für den Reitlehrer rausgerechnet haben“, erklärt Vollmann. Einige hätten auch spontan zugesagt, weiterhin die vollen Kosten der Reitkarten zu zahlen. Einige Wenige hätten aber auch nachgefragt, ob sie die nicht genutzten Stunden der alten Karten erstattet bekämen. 

Beim Personal sieht Vollmann keine Einsparmöglichkeiten, so beschäftige man eine Dienstleisterin, die die Ställe ausmiste und eine eigene Vollzeitkraft, die die Pferde füttere und auf die Weide bringe, beziehungsweise derzeit noch auf die Paddocks. 

Einnahmeverluste drohen dem Verein natürlich auch aus der Absage von Veranstaltungen. So ist die Tanz-in-den-Mai-Feier bereits gestrichen. Das Turnier zu Fronleichnam stehe zwar noch im Kalender, doch Vollmann schätzt, dass auch dieses der Krise zum Opfer fallen werde. Diese Einnahmen und auch derzeit fehlende Spenden würden die Eigenkapitaldecke des Vereins schwächen. Das werde auch deutlich bei den 60 000 bis 70 000 Euro, die der Verein in der Zukunft für Sanierungen, nicht zuletzt im energetischen Bereich, investieren wollte. Das Geld sollte vor allem aus dem Förderprogramm „Der moderne Sportverein“ kommen, „doch natürlich gibt es bei jeder Maßnahme einen Eigenanteil, den wir bringen müssen, das ist im Moment schwierig“. 

Natürlich sieht Vollmann aber auch die direkte Bedrohung durch das Virus: „Jetzt darf niemand krank werden. Wenn jetzt die Stallbetreuung ausfällt, haben wir ein Riesenproblem.“ 

Auch Ponyhof mit Problemen

Die gleichen Sorgen, wenn auch in einem kleineren Maßstab, treiben derzeit auch Bärbel und Jürgen Vogt um, die den Ponyhof Isenburg bewirtschaften. „Die Betreuung der Pferde, die bei uns eingestellt sind, durch die Besitzer läuft gut. Die Pferdebesitzer sprechen sich in einer WhatsApp-Gruppe ab, damit immer nur maximal zwei gleichzeitig auf dem Hof sind“, schildert Bärbel Vogt. 

Grundsätzlich versuche sie, die Besuche auf dem Hof zu begrenzen. Natürlich käme der Tierarzt in Notfällen und wenn es sein müsse, auch der Hufschmied. „Für unsere eigenen Tiere ist das zum Glück derzeit nicht notwendig, da der Schmied erst vor Kurzem auf dem Hof war“, erzählt Vogt. 

Ihre eigenen Ponys, mit denen sie geführte Ausflüge anbietet, hätten derzeit Pause und dürften sich über viel Zeit auf den Weiden freuen, auf die sie nun täglich für mehrere Stunden geführt würden. Zahlreiche schon gebuchte Touren habe sie absagen müssen. Das schmerze, sei aber nun mal nicht zu ändern. 

Ein Drittel weniger Besuche in Tierphysio-Praxis

Große Pferde und kleine Hunde sind auch das Geschäft von Lea Volkmann. Die „Physiotherapeutin für Pferd und Hund“ hat erst vor einigen Monaten eigene Praxisräume angemietet, in denen sie die Kleintiere behandelt. „Für die Besitzer der Patienten stehen Handschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel bereit“, erzählt Volkmann. Trotzdem hätten die Besuche um ein gutes Drittel abgenommen. 

„Vor allem die Älteren und Angehörige der Risikogruppen kommen nicht oder reduzieren die Besuche auf ein Minimum.“ Übrigens: Beim Mundschutz hat sich die Kiersperin etwas Besonderes einfallen lassen. Da es zurzeit so gut wie keine Masken auf dem Markt gebe, habe sie diese mit ihrer Schwester selbst genäht. 

„Die Masken sind so vorbereitet, dass medizinisches Vlies eingesetzt werden kann. Da es das derzeit auch nicht gibt, behelfen wir uns mit Damenbinden“, erzählt Volkmann. Komplett weggefallen seien Kurse wie beispielsweise die Massagekurse für Hunde. 

Volkmann: „Da versuchen wir gerade, Online-Seminare zu erstellen, die wir in Kürze anbieten wollen.“ Einen Teil ihrer Arbeitszeit verbringt die Kiersperin aber nach wie vor mit Fahrten zu den Pferdebesitzern, um ihre tierischen Patienten zu behandeln. Dort ist sie – entsprechend geschützt – auch gerne gesehen. Und dann gibt es ja auch noch die eigenen Tiere, die in Boxen auf Gut Bremecke stehen. „Dort sind Besuche nur noch von den Pferdebesitzern und vom Tierarzt erlaubt“, sagt Volkmann.

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