Sorge vor den Folgen des Lockdowns

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Häusliche Gewalt

Kierspe – Nach Ansicht vieler Experten sollten die Fallzahlen von häuslicher Gewalt gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie ansteigen.

Doch: Bei der Frauenberatungsstelle Märkischer Kreis ist dieser Trend – zum Glück – bislang nicht spürbar. „Unsere Fallzahlen sind gleichbleibend“, sagt Leiterin Steffi Seppelt. Dabei sei eigentlich zu erwarten, dass gerade jetzt, wo Zuhause bleiben angesagt ist, es keine sozialen Kontakte gibt, noch nicht einmal zu Verwandten und Eltern, und Homeoffice, dafür aber die Beaufsichtigung und Beschäftigung der Kinder für Familien eine enorme Belastung darstellt, schneller zu Gewaltausbrüchen kommt. 

Warum Frauen, die zumeist Opfer sind, sich nicht beispielsweise an die Frauenberatungsstelle wenden, kann nach Einschätzung von Steffi Seppelt mehrere Gründe haben. Der einfachste: Die Frauen denken, dass die Beratungsstelle, wie viele andere, nicht besetzt und damit erreichbar ist. Das ist aber nicht der Fall, kann die Frauenberatungsstelle MK doch nach wie vor unter der Rufnummer 0 23 51/86 00 43 und per E-Mail an frauenberatungsstelle-mk@t-online.de kontaktiert werden.

Die Beratungen und Hilfestellungen sind kostenlos, die Mitarbeiterinnen – neben Seppelt sind das Birgit Reckermann und Jessica Mäkilä – an die Schweigepflicht gebunden. Wenn aktuell auch keine persönliche Beratung möglich ist, so werden von den Mitarbeiterinnen neben Telefon auch Video- und Skype-Gespräche angeboten. Darüber hinaus können sich Frauen auch erst einmal auf der Homepage der Beratungsstelle informieren. 

Eine andere Beratungsmöglichkeit – und dies mehrsprachig und mit einer Chatmöglichkeit – ist das ebenfalls kostenlose Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, das unter Tel. 08 00/11 60 16 zu erreichen ist. Und nicht zuletzt würden auch Kinder und Jugendliche bei der Awo-Familienberatungsstelle im Meinerzhagen Ansprechpartner finden, wenn es Zuhause Probleme geben sollte (Tel. 0 23 54/58 33, E-Mail an familienberatung@awo-ha-mk.de, www.awo-beratungsstelle-meinerzhagen.de). 

Der Märkische Kreis selbst hat ein anonymes Krisentelefon – 0 23 51/9 66 58 58 – für Kinder und Jugendliche eingerichtet. Dort gibt es Hilfe, wenn Zuhause dicke Luft und schlechte Stimmung herrschen. Allerdings gebe es bei Kindern nicht das häufige „Schuldgefühl“ wie bei den Frauen. Diese fühlten sich nämlich häufig in allen Belangen verantwortlich, erklärt Steffi Seppelt. Viele würden an sich den Anspruch formulieren, dass die Familienmitglieder – die in Krisen, wenn alle anderen sozialen Kontakte gen Null tendieren, mehr denn je voneinander abhängig sind – funktioniere. Den Ehemann fortschicken? Kommt für diese Frauen nicht in Frage, sagt Seppelt. 

„Was soll er denn jetzt ganz alleine machen?“, höre man die eigentlichen Opfer dann schon mal fragen. Familien seien angesichts von Homeoffice, Geld- und Jobsorgen sowie Kindern, die nicht in die Schule oder den Kindergarten gehen können, hochbelastet. Dies habe bislang aber nicht dazu geführt, dass Frauen Hilfe und Beratung in Anspruch genommen hätten. Auch die Nachfrage bei der Polizei, die in den entsprechenden Fällen mit der Beratungsstelle zusammenarbeitet, habe keinen Anstieg der Fallzahlen von häuslicher Gewalt ergeben. Bereit für die Hilfe sind Steffi Seppelt und ihr Team dennoch.

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