Autohäuser: Noch weit weg von der Normalität

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Eine Acrylglasscheibe trennen Kunden und Autohaus-Mitarbeiter bei der Annahme der Aufträge für die Werkstatt.

Kierspe - Autohäuser dürfen wieder öffnen - doch noch ist die Branche weit weg vom Alltag, wie eine Nachfrage in Kierspes Traditionsbetrieb Knabe offenbart.

Zwischen dem Kunden und dem Mitarbeiter, der im Autohaus Knabe den Werkstattauftrag entgegennimmt, hängt eine Acrylglasscheibe. Auf dem Boden sind Markierungen aufgebracht, die den geforderten Mindestabstand zwischen den Kunden sicherstellen. In der Werkstatt selber steht nur die halbe Mannschaft zur Verfügung, da in Schichten gearbeitet wird. So soll sichergestellt werden, dass ein Team zur Verfügung steht, wenn ein Krankheitsfall auftreten sollte – oder Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden müssen. Es hat sich vieles verändert in dem traditionsreichen Kiersper Autohaus. 

Auch, dass die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden mussten, weil gerade in der Anfangszeit der Kontaktbeschränkungen viele Termine abgesagt wurden, ist für Autohaus-Chef Michael Knabe eine ungewohnte Situation. 

„Zum Glück erholt sich die Auftragslage im Moment, sodass wir wohl bald die Arbeitszeiten wieder ausdehnen können“, freut sich Knabe. Um den Kunden den Besuch der Werkstatt zu erleichtern, biete man auch völlig kontaktlose Verfahren an. Schon seit vielen Jahren können Kunden ihren Wagen nach Werkstattschluss auf den Hof stellen und den Schlüssel samt Auftrag einwerfen. 

Jetzt geht das auch während der Tagesstunden. „Aber natürlich kann der Kunde den Schlüssel auch einfach im Zündschloss steckenlassen und uns anrufen, wenn der Wagen auf dem Hof steht. Außerdem bieten wir im näheren Umfeld auch einen kostenlosen Bring- und Holservice an“, erklärt Knabe. Stark nachgefragt werde im Moment der Reifenwechselservice – „und Reparaturen gibt es immer, wenn auch sicher weniger, da die Autos auch weniger unterwegs sind“, sagt der Autohaus-Geschäftsführer, wobei sich die Kunden auch stärker auf die Öffnungszeiten konzentrierten, da die Werkstatt seit einiger Zeit samstags geschlossen bleibe. Man überlege aber, dies in Kürze wieder zu ändern. 

Interesse an Neuwagen "extrem eingebrochen"

Viel problematischer als der Werkstattbetrieb stellt sich derzeit der Verkauf dar. Knabe: „Aufgrund der wirtschaftlichen Situation und Unsicherheit ist das Interesse an Neuwagen extrem eingebrochen. Klar, wenn Leasingverträge auslaufen, wird auch oft ein neuer Wagen geordert, vor allem bei Geschäftswagen ist das so“, erklärt Knabe. Der Verkauf selber werde dann meist online oder übers Telefon abgewickelt.

Ab der kommenden Woche – nach Lockerung der Öffnungsvorgaben durch die Regierung – hofft Knabe auch wieder auf eine Zunahme der persönlichen Kundengespräche. Dafür stünden zum einen Büros zur Verfügung, in denen es kein Problem sei, den Mindestabstand zu wahren, zum anderen könne man auch zwei nebeneinander liegende Büros nutzen, dann seien Verkäufer und Kunde durch eine Glasscheibe geschützt, könnten sich aber sehen, während sie miteinander telefonieren. 

Mit einer raschen Belebung des Neuwagenverkaufs rechnet Knabe jedoch nicht: „Es wird dauern, bis die Leute nach der Krise wieder Vertrauen in die Wirtschaft gefasst haben. Und wenn es dann zu einem Vertrag kommt, müssen die Autos ja auch erst noch gebaut werden. Da vergehen Monate, bis sich das bei uns in der Kasse bemerkbar macht.“ Nach wie vor geöffnet und gut nachgefragt sei der Tüv, der auf dem Knabe-Gelände seine Dienste anbietet. 

Besonderer Service für Lieferdienste

Und noch ein Bereich ist nachgefragt, der bringt aber gar kein Geld. Denn der Mitwagenservice Volme-Rent von Fabian Knabe bietet Lieferdiensten an, die Wagen aus der Flotte in den Abendstunden für Auslieferungsfahrten kostenlos zu nutzen. Bis zu drei Mietwagen seien derzeit immer in den Abendstunden unterwegs, schildert Michael Knabe die Nachfrage und freut sich, damit einen kleinen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten zu können

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