Die Kiersper Fotografin Rieke Penninger im Porträt

Corona hinterlässt auch bei einer Fotografin deutliche Spuren

Die Kiersper Fotografin Rieke Penninger hat auch mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen.
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Die Kiersper Fotografin Rieke Penninger hat wirtschaftlich mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen.

„Hallo, ich bin Rieke und ich bin Fotografin.“ So stellt sich die Kiersperin Rieke Penninger auch nach vielen Jahren als selbstständige Fotografin noch vor. Im vergangenen Jahr allerdings deutlich seltener als üblich. Denn die Corona-Pandemie hat auch bei ihr deutliche Spuren hinterlassen. Kierspe -

Bei der Krise in der Veranstaltungsbranche denkt man wohl unwillkürlich an ausgefallene Hochzeiten, verschobene Firmenevents und geschlossene Theater. Doch neben Schauspielern, Beleuchtern, Tontechnikern und Caterern haben auch Fotografen den Einbruch mehr als deutlich zu spüren bekommen. „Viele Firmen sind sehr zurückhaltend. Projekte werden verschoben und wer nicht auf die Messe fährt, der braucht auch deutlich weniger Produktfotos. Fotos von Mitarbeitern werden erst gar nicht beauftragt“, erzählt die Fotografin im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung.

Seit 2002 drückt Rieke Penninger professionell den Auslöser. Doch an ein solches Jahr wie das vergangene kann sie sich nicht erinnern. Aber auch wenn der Umsatzeinbruch rund 50 Prozent beträgt, hält sich die Kiersperin mit jeder Kritik an den Maßnahen der Regierung zurück: „Es ist jetzt richtig, weniger zu arbeiten. Denn gerade Fotografen haben viele Kontakte – und diese sind ja nun alles andere als sinnvoll.“ Sie betont aber auch, das sie sich diese Einstellung leisten kann, weil sie nicht nur vom eigenen Einkommen leben muss, sondern sich auch auf ihren Partner verlassen kann, der in einer anderen Branche arbeitet.

Das Studio der Kiersper Fotografin an der Friedrich-Ebert-Straße in einer von ihr fotografierten Collage.

Angefangen hat Penninger mit der professionellen Fotografie 2002 mit einer Ausbildung beim Rheinischen Bildarchiv in Köln. In den drei Jahren ihrer Lehre hat sie so ziemlich alles fotografiert, was die Stadt am Rhein hergibt. Unter anderem hat sie in den Jahren viele bestehende Werke reproduziert und abfotografiert, aber auch neue Ausstellungen in Köln dokumentiert. „Das war noch ein ganz anderes Arbeiten. Wir haben in erster Linie mit Film und damit analog gearbeitet. In den Museen musste man mit Mischlicht umgehen, bedingt durch das natürliche Licht, das in die Räume fiel, die Beleuchtung im Gebäude und die Lampen, die wir mitgebracht haben. Heute lässt sich da vieles am Rechner mit den entsprechenden Programmen ausgleichen“, erzählt die Fotografin.

Nach der Lehre erfolgte aus familiären Gründen der Umzug ins Ruhrgebiet und die Ausbildung zur Meisterin – aber auch eine Anstellung bei der Titus-GmbH. Titus Dittmann hatte das Unternehmen in den 1970er-Jahren gegründet und gilt als Pionier der deutschen Skateboard-Szene. Penninger erinnert sich gerne an diese Zeit: „Wir haben die Fotos für die Kataloge immer fotografiert, wenn hier Winter war, deshalb sind wir dem Sommer hinterher gereist.“ Dubai, Miami oder auch Locations in Spanien wurden angesteuert, um die Boards und die Kleidung der Skater ins rechte Licht zu setzen.

Der Liebe wegen zog sie dann später in den Märkischen Kreis. Penninger selbst stammt aus Balve, ihr Mann aus Lüdenscheid – und gemeinsam haben sie ein Haus in Kierspe gekauft. 2012 war das, später hat die Fotografin dann noch ein Studio im ehemaligen Deisting-Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße angemietet, in dem sie vor allem Arbeiten im Bereich Porträt-, Hochzeits- und Produktfotografie umsetzt, letzteres vor allem für heimische Firmen.

Aber auch nach dem Umzug in den MK blieb die Kiersperin dem Reisen treu. Alleine schon, um Produktfotos für die Kampagnen von Foot Locker und Runners Point zu erstellen. Nachdem das Unternehmen im Frühjahr des vergangenen Jahres aber seinen Hauptsitz in die Niederlande verlagert hat, gibt es diese Aufträge nicht mehr.

Hochzeitsfotografie war der Schwerpunkt von Rieke Penninger im vergangenen Jahr. Viele Firmen hielten sich aufgrund der Corona-Pandemie mit Aufträgen zurück.

„Im vergangenen Jahr habe ich vor allem von den Hochzeiten gelebt, von denen dann doch erstaunlich viele stattgefunden haben. Und vor Weihnachten gab es auch einige, die Familienfotos haben wollten“, so Penninger. Hochzeiten, so erzählt sie, fotografiere sie schon, seit sie selbstständig ist. „Allerdings waren viele der Feiern im vergangenen Jahr schon sehr besonders. Die Hochzeiten waren oft weniger oberflächlich und auch sehr viel intensiver. Und gerade die Gäste, die aufgrund der Pandemie-Vorgaben nicht kommen konnten, haben sich oft etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um einen Beitrag zum Gelingen des Festes zu feiern.

Wie es in diesem Jahr weitergeht, weiß die Fotografin natürlich nicht: „Ich setze aber auf den Impfstoff und darauf, dass mit diesem auch ein großes Stück Normalität zurückkommt.“ Um die Fotografie als solches und als Handwerk macht sie sich wenig Sorgen. „Ich denke, dass das Fotografieren nicht aus der Mode kommt“, sagt Rieke Penninger und meint damit wohl vor allem Bilder, die von Profis gemacht werden. Aber jemand, der noch gelernt hat, nicht nur mit dem Belichtungsmesser umzugehen, sondern auch noch die Farbtemperatur gemessen hat, muss sich sicher auch wenig Sorgen machen, von der Armada der Handyfotografen verdrängt zu werden.

Kontakt
Wer sich einen Eindruck von der Arbeit von Rieke Penninger machen möchte, kann das im Internet unter www.rieke-penninger.de tun.

Täglich 1,8 Milliarden Fotos

Begonnen hat das „Zeichnen mir Licht“, so wird Fotografie übersetzt, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Lange blieb die aufwendige Technik den Profis vorbehalten, die mit Stativ und Plattenkamera anrückten und deren Blitzlicht eine Schale mit brennendem Magnesium war. Mit der Einführung der Kleinbildkamera 1924 verbreitete sich die Fotografie. In den 1990er-Jahren kamen dann die ersten – wenn auch noch sündhaft teuren – Digitalkameras auf den Markt. Heute gibt es kaum noch ein Mobiltelefon, das ohne Kamera ausgeliefert wird. Entsprechend hoch ist auch die Zahl der Bilder, die täglich erstellt wird. Wie viele es sind, kann niemand sagen. Klar ist aber, es sind täglich Milliarden von Aufnahmen. Das Portal Statistia weist allein für 2014 aus, dass damals täglich 1,8 Milliarden Fotos in sozialen Netzwerken hochgeladen wurden. 2008 waren es „nur“ 19 Millionen Aufnahmen, die täglich ihren Weg in die sozialen Netzwerke fanden

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