Vier Generationen und ein 90 Jahre alter Betrieb

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Dirk Schmale hat den Einzug der computergesteuerten Bearbeitungszentren in die Schreinerei von Anfang an miterlebt. Er arbeitet als Mitgesellschafter im elterlichen Betrieb.

Kierspe - Vier Generationen in einem Beruf – so etwas gibt es meist nur bei Landwirten, aber auch bei Handwerksbetrieben. Seit 90 Jahren drehen sich in Elbringhausen die Sägeblätter und fallen die Hobelspäne. Der Chef heißt seit dieser Zeit auch immer Schmale. Nun ist mit Dirk Schmale der vierte Meister als Gesellschafter im Betrieb.

Von Johannes Becker

Als Hugo Schmale den Hof 1924 in dem Kiersper Stadtteil Elbringhausen kaufte, richtete er auch gleich eine Werkstatt ein. Rund 80 Quadratmeter umfasste diese damals. Heute ist der Betrieb – an gleicher Stelle – etwa neun Mal so groß. Rund 700 Quadratmeter stehen den Tischlern zur Verfügung.

Noch bis in die 1960er Jahre wurden in erster Linie Türen, Fenster und Treppen gebaut. „Vor allem auf Treppen aller Art hatte sich mein Vater Herbert, der den Betrieb 1963 übernahm, spezialisiert“, erinnert sich der heutige Seniorchef Udo Schmale, der die Tischlerei 1992 übernommen hatte. Zuvor hatte er lange in einem Betrieb in Meinerzhagen gearbeitet, in dem auch sein Sohn die Ausbildung machte, wenn auch Jahre später.

In den späten 1960er Jahren wandelte sich dann das Geschäft langsam. Da wurde aus der Bauschreinerei ein Betrieb, der sich mehr und mehr auf den Innenausbau spezialisierte. Treppen, Fenster und Türen sind zwar immer noch im Angebot, kommen aber von Zulieferern. Das Kerngeschäft sind jetzt Möbel, wobei der Esstisch dabei eine untergeordnete Rolle spielt. Vielmehr werden komplette Einrichtungen für Banken, Kanzleien oder Einzelhandelsgeschäfte gefertigt. Die meisten Aufträge kommen aus dem südlichen Märkischen Kreis, aber die Tischler aus Elbringhausen haben auch schon in Belgien, Salzburg und Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet. „Meist sind diese Aufträge über Kunden aus der heimischen Region gekommen“, erklärt Udo Schmale.

Heute werden Häuser ohne Schreiner gebaut

Er hat den Wandel im Tischler-Handwerk wohl von allen vier Generationen am deutlichsten gespürt: „Früher gab es keinen Neubau, in dem nicht auch der Tischler tätig war. Heute werden Häuser gebaut, in die der Schreiner keinen Fuß mehr setzt.“ Doch überall dort, wo auf Maß gearbeitet werden muss und hohe Qualität gefordert ist, kann auf den Handwerker nicht verzichtet werden. Doch um auch große Objekte in kurzer Zeit erledigen zu können, setzen auch die Tischler auf moderne Maschinen. So können die Kunden an 3-D-Zeichnungen die Entwürfe ihrer späteren Einrichtungen betrachten und ein modernes computergesteuertes Arbeitszentrum sägt, bohrt und fräst in einem Arbeitsgang. Diese Maschinen senken zwar die Stundenzahl, erhöhen aber aufgrund ihrer Anschaffungskosten den Stundenlohn.

Späne in eigener Heizungsanlage verfeuert

Moderne Absauganlagen erleichtern die Abläufe zusätzlich und verhindern Staubbildung in der Innenraumluft. Die Späne, die nach wie vor anfallen, werden zu Pellets gepresst und in der eigenen Heizungsanlage verfeuert. Selbstverständlich werden die Möbel und anderen Einrichtungsgegenstände auch im eigenen Haus oberflächenbeschichtet oder lackiert.

Mit dem Handwerk groß geworden

Für Tischlermeister Dirk Schmale hat sich die Frage der Berufswahl nie gestellt. Er ist im Grunde in der Tischlerei groß geworden und kennt die Arbeit in diesem Handwerk schon aus einer Zeit, als er noch nicht auf Kinderbeinen stehen konnte. Er ist aber auch mit der Computerisierung des Handwerks groß geworden. Und auch wenn er den Handhobel als Werkzeug noch beherrscht, zum Einsatz kommt er bei ihm höchstens noch auf der Baustelle. Diese kann dann auch durchaus bei Kunden sein, die seit Jahrzehnten auf die Produkte Made in Elbringhausen setzen. Denn nicht nur Betriebe werden vererbt, sondern auch Handwerker.

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