Liebe zur Malerei spät, aber nicht zu spät entdeckt

Rita Gosmann (links) hat in der Seniorenresidenzzum ersten Mal auf Leinwand gemalt. Marlies Grund ist ebenfalls mit Begeisterung dabei und würde sich wünschen, öfter zum Pinsel greifen zu können.

Kierspe - Gernot Land zieht den Pinsel über die Leinwand. Die Borsten mit der roten Farbe fahren über die Brust eines Dompfaffen und färben sie ein. „

Von Matthias Clever

Das ist ein Männchen – die Weibchen sind nämlich nur einfach grau. Ich mag die kleinen Tiere. Deshalb male ich sie. Im Winter füttere ich Vögel durch – zum Dank fressen sie dann im Sommer die Johannisbeeren auf“, sagt der 75-Jährige zu Claudia Ackermann und lacht. Die Kiersper Künstlerin bietet seit zweieinhalb Jahren eine Malgruppe in der Seniorenresidenz Kierspe-Volmetal an.

Einmal im Monat verwandelt sich die Bewohnerküche in ein Atelier. Die Tische werden zusammengeschoben, Wachsdecken ausgebreitet und Farben, Pinsel sowie Leinwände verteilt. Sechs Senioren nehmen durchschnittlich an den Kursen teil. Während Gernot Land noch frisch dabei ist, ist Rita Gosmann seit Beginn Teil der Gruppe. „Hier habe ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Leinwand gemalt“, sagt Gosmann, während sie mit einem braunen Farbton Stämme malt. Landschaften haben es der Seniorin angetan. Die Resultate würden von Mal zu Mal besser. Das mache Freude und gebe Selbstvertrauen für neue Projekte.

Zusammen mit Ackermann suchen sich die Senioren Vorlagen aus, zeichnen dann mit Bleistift auf den Leinwänden vor, ehe die Acrylfarben zum Einsatz kommen. Klaus F. Kirlat ist von Picasso angetan. In Büchern und im Internet sucht er nach Werken, die er dann auf Leinwand abmalt. Der 79-Jährige war früher Architekt und hat daher eine ruhige Hand. Nur bei kniffligen Stellen oder beim Mischen der Farben braucht er Unterstützung von Claudia Ackermann. „Mir gefallen einfach die Werke des Künstlers“, erklärt Kirlat seine Vorliebe für Picasso.

Die Malkurse von Claudia Ackermann sollen nicht nur eine nette Beschäftigung für die Bewohner sein, sondern auch dabei helfen, die Motorik, das räumliche Denken und vieles mehr zu fördern. Unter den Teilnehmern sind auch Demenzerkrankte, bei denen die Malkurse helfen, sich zu erinnern.

Viele der Künstler beschenken ihre Familien und schmücken mit den eigenen Werken später ihre Zimmer. Edith Schawaller lädt Claudia Ackermann zur persönlichen Führung durchs Zimmer. An den Wänden hängen zahlreiche Bilder, die die 85-Jährige während der vergangenen zweieinhalb Jahre gemalt hat. Landschaften, Blumen, Katzen und mehr hat Schawaller auf Leinwand gebannt. „Das hätte ich nie geglaubt, dass ich selbst mal so etwas malen kann“, sagt sie zu Ackermann, nimmt die Künstlerin in den Arm und lacht. Es sind solche Momente, in denen Ackermann weiß, wie wichtig die Kurse sind.

„Ich fände es schön, wenn wir häufiger die Möglichkeit hätten, hier zu malen“, sagt Marlies Grund. Einmal im Monat sei ihr zu wenig. Stattdessen möchte sie sich gerne alle zwei Wochen treffen. Ackermann: „Ganz umsonst kann ich die Kurse leider nicht anbieten. Aber vielleicht finden wir einen Sponsor, der es ermöglicht, dass sie häufiger stattfinden können.“

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