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Grippeschutz in der Apotheke

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Von: Detlef Ruthmann

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Modellprojekt Grippeschutzimpfung in der Apotheke
Einen Piks in den Oberarm, durch den ein Schutz gegen die Grippe erreicht werden soll, können sich AOK-Versicherte aus Kierspe und Umgebung in Kürze auch in der Apotheke am Wildenkuhlen abholen. © Bernd Wüstneck

Was seit einem Jahr im Rheinland schon erfolgreich läuft, soll nun auch in Westfalen-Lippe eingeführt werden: Grippe-Impfungen in Apotheken. Bei diesem Modellprojekt, das für drei Jahre geplant ist, macht auch die Apotheke am Wildenkuhlen als eine von derzeit zwölf Apotheken im Märkischen Kreis mit.

Kierspe - Doch noch sei es nicht soweit, macht Apothekerin Christiane Karge deutlich: „Wir wollen den Ärzten die Patienten nicht abspenstig machen, sondern verstehen uns als Ergänzung!“ Dies bedeutet, so führt die Inhaberin der Apotheke am Wildenkuhlen weiter aus, dass der von den Ärzten im Frühjahr vorbestellte Impfstoff jetzt zuerst ausgeliefert werde.

„Ich habe jetzt Impfstoff bestellt“, erklärt Karge, dass sie derzeit mangels Masse noch keine Grippeschutzimpfungen durchführen kann. Sie geht davon aus, dass sich ab November AOK-Versicherte einen Termin für die Impfung geben lassen können. Nach derzeitigem Planungsstand soll die Grippeschutzimpfung mittwochnachmittags und samstags nach entsprechender Anmeldung in der Apotheke durchgeführt werden.

Neuland für Apotheker

Es ist natürlich Neuland, dass die Apothekerin und ihre Kolleginnen und Kollegen in Westfalen-Lippe betreten. Daher sei es schwer einzuschätzen, wie dieses Angebot – das insbesondere für diejenigen gedacht ist, die nicht oder nur schlecht, aus welchen Gründen auch immer, zu einem Arzt kommen – angenommen wird. Eine Ergänzung eben, um den Grippeschutz in der Bevölkerung weiter zu erhöhen.

Vorerst sind es allerdings nur die Versicherten der AOK Nordwest, denn deren Krankenkasse hat die Vereinbarung für den Modellversuch mit dem Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) abgeschlossen. Andere Krankenkassen könnten sich aber durchaus anschließen, erklärte Dr. Nina Grunsky, Pressesprecherin des AVWL, gegenüber der Meinerzhagener Zeitung.

Dreigeteilte Schulung

Voraussetzung für die Apothekerinnen und Apotheker – nur die dürfen impfen – war die erfolgreiche Teilnahme an einer dreigeteilten Schulung. Diese hat Christiane Karge absolviert. Zudem liegen ihr nun auch die notwendigen Unterlagen des Apothekerverbands, darunter auch ein sogenannter Evaluationsbogen. Dieser soll jeweils ausgefüllt werden, damit man einen Überblick erhält, wie das Impfen in der Apotheke angenommen wird und sich entwickelt.

Während Ende September bereits die erste Spritze in einer Apotheke Westfalen-Lippes gesetzt worden ist, müssen die AOK-Versicherten in Kierspe noch voraussichtlich bis November warten, um sich den Grippeschutz in der Apotheke am Wildenkuhlen abzuholen. Dies geht auch in Apotheken in Altena, Iserlohn (2), Lüdenscheid, Menden (3), Neuenrade, Plettenberg (2) und Schalksmühle. Eine Liste aller am Modellversuch teilnehmenden Apotheken findet man im Internet unter www.apothekerverband.de (Info+Service, Impf-Apotheken).

„Niederschwelliger Zugang“

„Die Apotheken vor Ort bieten den Patientinnen und Patienten einen äußerst niederschwelligen Zugang zu den Grippeschutzimpfungen – vielfach auch in Randzeiten am späten Nachmittag oder an den Samstagen“, hatte Thomas Rochell, AVWL-Vorstandsvorsitzender, erklärt. Die Liste werde im Übrigen laufend um weitere Impf-Apotheken aktualisiert, die sich entsprechend anschließen.

Mit dem Modellprojekt würden die AOK und der AVWL den Willen des Ge-setzgebers umsetzen, der dies mit dem im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Masernschutzgesetz möglich gemacht hatte – mit dem Ziel, die Impfquote deutlich zu steigern. In den Apotheken dürfen alle AOK-Versicherte geimpft werden, die 18 Jahre und älter sind.

Christiane Karge und ihre Kolleginnen und Kollegen wissen durch die Schulungen, dass eine Impfung in den Apotheken nicht möglich ist bei einer akuten Infektion, Fieber, Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil des Impfstoffs, bei geplanten operativen Eingriffen in den kommenden drei Tagen, einer Behandlung von Störungen der Blutgerinnung sowie während der Schwangerschaft. In diesen Fällen muss dann der Haus- beziehungsweise anderer Facharzt aufgesucht werden.

Impfquote

Von einer Impfquote von 75 Prozent, welche die Weltgesundheitsorganisation fordert, ist man noch weit entfernt: Bislang liegt die Impfquote in Deutschland bei den über 60-Jährigen bei etwa 35 Prozent. „Wir müssen verhindern, dass im Winter Covid- und Grippewelle aufeinandertreffen – zum Schutze jedes einzelnen wie auch des Gesundheitssystems“, appelliert Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbands Westfalen-Lippe, Thomas Rochell. „Deshalb appelliere ich dringend, sich auch gegen Grippe impfen zu lassen – beim Arzt oder in der Apotheke.“

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