„Cantamus“ geht neue Wege zum 20-jährigen Bestehen

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Beim bisher letzten Konzert im Oktober 2014 führten „Cantamus“ und das Kourion-Orchester Münster das „Requiem“ von Wolfgang Amadeus Mozart auf.

Kierspe - Was als kleiner Musikkreis begann, ist mittlerweile einer der größten Chöre im Volmetal geworden. „Cantamus“ feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen.

Und pünktlich zum runden Geburtstag planen die Verantwortlichen für das Konzert im Dezember einige Neuerungen, um den Chor fit für die Zukunft zu machen. „Wir haben uns über die Jahre immer weiter gesteigert, was den Schwierigkeitsgrad und die künstlerische Gestaltung unserer Auftritte angeht“, sagt Chorleiter Frank Bisterfeld. Der studierte Musiker war 1995 der Gründungsvater des Chores, der sich seit dem ersten Tag der geistlichen Musik verschrieben hat.

Musik und Gemeinschaft

„Anfangs war es nicht einfach, die Leute bei der Stange zu halten, aber wir haben von Beginn an gesagt, dass die Musik das eine, aber die Chorgemeinschaft mindestens genauso wichtig ist“, verrät der ehrenamtliche Chorleiter sein langjähriges Erfolgsgeheimnis.

300 Sänger seit 1995

Insgesamt 300 Sänger waren seit 1995 für „Cantamus“ aktiv, aktuell hat der Chor gut 60 aktive Mitglieder. Die erste Sängergeneration begann noch mit gesanglich recht einfachen Werken wie den Motetten von Felix Mendelssohn Bartholdy oder Kantaten von Johann Sebastian Bach. Mittlerweile steht „Cantamus“ bei seinen Auftritten gemeinsam mit Profisängern und einem bis zu 50-köpfigen Orchester auf der Bühne.

"Messias" als erstes Oratorium

Nach der ersten kleinen Aufführung im Juni 1996 meisterte Bisterfeld mit seinen Schützlingen den ersten Qualitätssprung im Jahr 1998 mit der Komplettaufführung des „Messias“-Oratoriums von Georg Friedrich Händel, als „Cantamus“ erstmals gemeinsam mit einem Orchester zu hören war. „Der nächste große Schritt hin zu professioneller Musik folgte 2002 mit dem ,Paulus’ von Mendelsohn Bartholdy. Wir hatten zum ersten Mal volles Instrumenatrium, also ein Orchester von 40 Personen“, erinnert sich Bisterfeld noch heute gerne an die Premiere in der St.-Josef-Kirche.

Uraufführungen von Domke-Werken

Chorleiter Frank Bisterfeld (links) und Vorsitzender Ralf Nebel, hier inmitten einiger der Konzertplakate, sind die langjährigen „Macher“ bei „Cantamus“.

Im Folgejahr führte „Cantamus“ das von Christian Domke komponierte Werk „Missa Lucis“ urauf, 2005 gab es mit „An die Stille“ eine zweite Domke-Uraufführung, bei der der Altenberger Dom bis auf den letzten Platz gefüllt war. „Zum ,Elias’ von Mendelsohn Bartholdy traten wir dann 2006 erstmals mit absoluten Profisängern wie Marcus Ullmann und Thomas Laske auf“, sieht „Cantamus“-Vorsitzender Ralf Nebel seitdem die Verpflichtung, dieses gesanglich sehr hohe Niveau konstant bei jedem Konzert zu bieten: „Das erfordert von uns enorme Kraftanstrengungen. Wir müssen immer eine nicht unerhebliche fünfstellige Summe aufbringen.“

Kränzle auch zu Gast an der Mailänder Scala

Für die extrem schwierig aufzuführende „Matthäuspassion“ von Bach arbeitete der Chor 2009 sogar mit Johannes-Martin Kränzle zusammen, der ansonsten regelmäßiger Gast an der Mailänder Scala ist. „Es macht unheimlich viel Spaß mit diesen Profis zusammen auf einer Bühne zu stehen“, sagt Nebel. Neben Kränzle waren bei der „Matthäuspassion“ auch 30 Schüler dabei, die in der Oberstimme sangen – zum bisher einzigen Mal bei einem „Cantamus“-Konzert.

Fünftklässler singen beim Konzert mit

Dies soll sich in diesem Jahr ändern. „Wir wollen neue Wege gehen, weil es auch für uns immer schwieriger wird, neue Mitglieder zu gewinnen. Viele junge Menschen haben überhaupt keinen Zugang zu geistlicher Musik mehr“, sagt Chorleiter Bisterfeld. Zum „Weihnachtsoratorium“ von Bach, das am vierten Adventssonntag, 20. Dezember, ab 17 Uhr aufgeführt wird, werden Fünftklässler der Gesamtschule Kierspe und des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen den Chor verstärken. „Zusätzlich planen wir einen Block der Generalprobe für Kinder zu öffnen. Wir werden dafür alle weiterführenden Schulen der Umgebung ansprechen“, kündigt Bisterfeld an.

Bewusst in einen „nicht-sakralen Raum“

Gesungen wird dann erstmals in der Stadthalle Meinerzhagen, um den Zuhörern mehr Sitzkomfort und eine bessere Akustik als in der St.-Josef-Kirche bieten zu können. „Aber insgesamt wollen wir mit diesem Schritt viel offener werden und möchten neue Kreise ansprechen, indem wir mit geistlicher Musik bewusst in einen nicht-sakralen Raum gehen“, hofft Vorsitzender Nebel auf viele hundert Besucher kurz vor dem Weihnachtsfest.

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