Chinesen trinken Milch aus Kierspe

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Die Suki-Milch für den chinesischen Markt. - Foto: Haase

KIERSPE - „Die Farbe ist reinweiß und es gibt keine Aufrahmungen“, begutachten Britta Coellen, Laborleiterin bei der Hochwald-Molkerei, und ihre Stellvertreterin Yvonne Könen-Goeres, sichtlich zufrieden eine Charge H-Milch.

Von Rolf Haase

Bei der sensorischen Prüfung nach den Bestimmungen der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft (DLG) werden Aussehen, Geruch und Geschmack getestet. Die Probe im Plastikbecher weist einen leichten Kochgeschmack auf, was aber typisch für das Produkt besonders im superfrischen Stadium ist.

„Das verliert sich hinterher noch etwas“, so Coellen, die bei der Geschmacksprobe auch keinen unerwünschten metallischen Lichtgeschmack feststellt, ebenfalls nichts Öliges, Pappiges oder Karamellartiges. Im Gegenteil wirkten Geruch und Geschmack einwandfrei ohne störende Noten. So werden im Werk in Erftstadt-Köttingen jeden Tag 20 bis 25 Proben sensorisch getestet.

Auch die Milch vieler Kiersper Bauern geht nach Hochwald und wird dort verarbeitet. Bei Heinz Wennekamp, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Kierspe, kommt der Tankwagen jeden zweiten Tag. Der Bauer wartet schon seit einer Stunde auf den Spediteur, doch je nach Tour und Fahrer kann die Zeit schon mal etwas variieren. Diesmal steuert Andreas Hackbarth den Truck, der ein Fassungsvermögen von 22 500 Litern hat. Seinen Anhänger nochmals mit dem gleichen Volumen, mit dem er dann später zu Hochwald fährt, hat er auf einem Parkplatz in der Nähe stehen gelassen. Hackbarth fährt 18 Höfe an. Jedes Mal werden bereits bei der Abholung während des Pumpvorgangs erste Proben von der Milch gezogen, deren Ergebnisse sofort automatisch übermittelt werden. Wenn der Tank voll ist, pumpt er die Milch um in den Anhänger und fährt danach zu den restlichen Betrieben. Jetzt geht es los auf die rund 90 Kilometer zur Molkerei.

Die Meinerzhagener Zeitung begleitet Heinz Wennekamp und seinen Vorstandskollegen Reiner Grafe durch das Jahr und ermöglicht den Lesern so einen Blick hinter die Kulissen landwirtschaftlicher Betriebe. Diesmal besuchte Wennekamp, der Mitglied der Genossenschaft und auch einer ihrer 235 Vertreter ist, seine Molkerei.

Am Standort in Erftstadt-Köttingen arbeiten zurzeit 200 Mitarbeiter im Dreischichtbetrieb, wie Werkleiter Ralf Fuhs informiert, der zudem darauf hinweist, dass gerade diese Produktionsstätte von Hochwald in den vergangenen Jahren stark expandiert habe: „Wurden 2001 bei der Übernahme des Standorts noch 280 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet, sind wir heute bei 420 Millionen angelangt. Die Mitarbeiterzahl lag damals bei 160“, nennt Fuhs die entscheidenden Zahlen. Dabei werde am Standort auch gerade wieder kräftig investiert und dieser umfangreich technisch modernisiert. Draußen steht ein großer Hydraulikkran auf dem Firmengelände, um eine neue Anlage in das Gebäude zu heben. Trotz der Fusionen und Übernahmen von anderen Unternehmen ist das Sortiment am Standort des klassischen Sterilmilchbetriebes weitgehend gleichgeblieben, dabei hat sich aber die Produktpalette von Hochland generell deutlich vergrößert. Unter anderem ist Käse hinzugekommen. Neben der H-Milch werden in Erftstadt heute ansonsten noch Kaffeesahne, Kondensmilch sowie Milchmischgetränke wie Eiscafé, Eisschokolade und ein Eisvanilledrink sowie Sprühsahne hergestellt.

Der Werkleiter verweist auf den starken Ausbau des Exports seit 2007, als begonnen wurde, mit der H-Milch auch internationale Märkte zu bedienen. Heute mache dieser rund 40 Prozent aus. Positiv sei daran, dass sich dadurch eine größere Unabhängigkeit von den großen deutschen Lebensmittelketten ergebe. Stattdessen entscheide der Weltmarkt über den Preis.

„Unsere Produkte gehen nach China, in arabische Länder, nach Afrika und Südamerika wie beispielsweise Brasilien und die Dominikanische Republik, insgesamt sind es 120 Länder“, wie Kathrin Lorenz aufmerksam macht, die bei Hochwald für die Unternehmenskommunikation zuständig ist. Sie zeigt eine H-Milch-Verbundverpackung mit chinesischen Schriftzeichen. Die Marke Suki ist eine „Whole Milk“, also Vollmich, und auf jeder Verpackung prangt eine deutsche Flagge, denn das „Made in Germany“ gilt in Fernost als Qualitätskennzeichen.

Marcel Hammerschmidt, Beauftragter für den International Food Standard (IFS) bei Hochwald, zeigt im Kontrollstand der Milchannahme einen Lieferschein, der alle wichtigen Angaben zur Herkunft und zum Lagerort enthält sowie ebenfalls einen Teststreifen, der nachweist, dass die Milch keine Hemmstoffe beinhaltet. „Alle Fahrzeuge, die ankommen, werden dokumentiert, unter anderem auch der Frischegrad der angelieferten Rohmilch, über den der pH-Wert von um die 6,7 Aufschluss gibt“, so Hammerschmidt. Vor ein paar Minuten ist wieder ein Lastwagen angekommen und Marcel Weßels, ein Milchtechnologe-Azubi im ersten Lehrjahr, misst einen pH-Wert von 6,77, was in Ordnung ist.

Die gesamte Molkerei muss hinsichtlich der angelieferten Milchmengen von 1,1 Millionen Kilogramm am Tag und der Kundenbestellungen genau gesteuert werden. „Wir erstellen einen Wochenplan, was wann produziert wird“, erläutert Hammerschmidt. Wenn es im Werk mal eine technische Panne gibt, kann es passieren, dass mal Lieferungen umgeleitet werden müssen an einen anderen Standort. Für Kierspe wäre das dann meist Hungen bei Gießen.

Nach der Anlieferung durchläuft die Rohmilch zunächst den Separator, der über die Zentrifugalkraft die Magermilch vom Rahm trennt, dann wird beides in die Edelstahltanks gepumpt.

Die Kontrollen in der Milchverarbeitung sind heute enorm, um Spitzenqualität sicherzustellen. „Ich erinnere mich an 2011, als wir an einem Tag drei Audits hatten, die immer unangekündigt erfolgen“, merkt Ralf Fuhs an und ergänzt, dass hier ein hochwertiges Grundnahrungsmittel verarbeitet werde. Helmut Stuck als Leiter der Milchverwaltung fügt hinzu, dass Milch eigentlich von Natur aus ein Erzeugnis sei, das man kaum verbessern könne.

Die Produktion wird von ständigen Laboruntersuchungen begleitet - zwischen zehn- und fünfzehnmal von der Ankunft mit dem Tankwagen über den Abfüllprozess bis zum fertig abgepackten Produkt.

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