Mit Kastanienallee werden 18 gesunde Bäume gefällt

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Es wiederholt sich nach noch nicht einmal zwei Jahren: Der Umwelt- und Bauausschuss beschloss gestern mit den Stimmen von CDU, UWG und FDP die Komplettfällung der Kastanienallee bei Haus Isenburg – darunter auch 18 noch völlig gesunder Bäume. ▪

KIERSPE ▪ Wie die Diskussion und Abstimmung über die Zukunft der Kastanienallee bei Haus Isenburg im Umwelt- und Bauausschuss ausgehen würden, wussten viele schon vorher, denn die Fronten waren geklärt: So folgten ganz geschlossen CDU, UWG und FDP mit elf Stimmen dem Verwaltungsvorschlag, alle Bäume, ob massiv geschädigt völlig gesund, zu fällen und stattdessen 42 Winterlinden neu zu pflanzen.

Nicht mittragen wollten diesen Beschluss die Fraktionen von SPD, Freien Wählern und Grünen, die mit acht Stimmen dagegen stimmten und stattdessen für einen Antrag zur Sache von Hermann Reyher von den Grünen votierten. Der hatte angeregt, die Entscheidung über eine Neuanpflanzung bis 2015 zu vertagen, um so den Kastanien die Möglichkeit zur Erholung und Gesundung zu geben. Problemlos möglich wäre das aus seiner Sicht gewesen, weil bis dahin die finanzielle Förderung von Alleenneupflanzungen seitens des Landes Nordrhein-Westfalen gesichert ist. Ansonsten sollte bis dahin einfach gemäß des Beschlusses aus dem vergangenenen Jahr weiterverfahren und im Fall der Gefährdung der Verkehrssicherungspflicht gehandelt und zurückgeschnitten oder gegebenenfalls auch gefällt werden. Ein Vorschlag, den ausdrücklich ebenfalls Erich Mürmann von der SPD befürwortete. Aber dieser Ansatz wurde von den elf Komplettfällungsbefürwortern rigoros, ohne auch nur mit einem einzigen Satz darauf einzugehen, abgelehnt.

Die Polarisierung auf die zwei Lager zeigte sich in der Beratung besonders prägnant an zwei Stellungnahmen: Gerdt Rubel von der CDU schwärmte über eine schöne neue Allee aus jungen Winterlinden. Er appellierte, daher nicht an einer kranken Allee festzuhalten, sondern der Zukunft eine Chance zu geben. „Hier sollen 18 völlig gesunde Bäume gefällt werden, was zeigt welche Lobby alte Bäume in Kierspe in Wirklichkeit besitzen“, bezog sich im Gegenzug Peter Christian Schröder von den Freien Wählern auf eine konkrete Zahl aus dem Gutachten, dessen Aussagen über den Krankheitszustand der anderen Bäume ansonsten von den drei Fraktionen pro Fällung immer als Hauptargument angeführt wurde. Er kritisierte darüberhinaus, wie der gemeinsam mit der Bevölkerung im vergangenen Jahr erreichte Kompromiss jetzt förmlich auf den Kopf gestellt werde. Letztlich zeige sich darin, dass die Bürgerfreundlichkeit, die jene Parteien immer wieder für sich reklamierten, tatsächlich bei diesen ebenfalls keine Lobby habe.

Rolf Haase

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