Cawi: Dreiste Einbrecher erbeuten 2,5 Tonnen Nickel

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Zwischen der Firma Carl August Wirth und dem Nebengebäude hatten die Täter das Tor aufgebrochen. ▪

KIERSPE ▪ Rund zehn Einbrüche musste das Kiersper Unternehmen Carl August Wirth in etwas mehr als drei Jahren verkraften. Beim letzten Einbruch gingen die Täter besonders dreist vor. Nun wird von Unternehmensseite aufgerüstet, um es den Langfingern noch schwerer als bisher zu machen.

Wenn Diebe es früher auf wertvolles Metall abgesehen hatten, dann versuchten sie einen Trickdiebstahl oder einen Einbruch beim Juwelier. Doch mittlerweile sind die Preise für Kupfer, Nickel und Co. derart gestiegen, dass auch metallverarbeitende Firmen immer öfter zu Tatorten werden. Erst vor wenigen Tagen bekam das Jörg Kölsche, Inhaber der Kiersper Firma Carl August Wirth, zu spüren. Die Firma stellt, als Teil der international tätigen Cawi-Gruppe, Metall-Teile für die Automobil-Industrie her. Dabei werden unter anderem Werkstücke in der Galvanik mit einer Nickelschicht überzogen. Die dazu notwendigen Nickel-Anoden waren das Ziel der Täter beim letzten Einbruch.

Um an das wertvolle Metall zu gelangen, scheuten sie auch keinen Aufwand. Zu Fuß waren sie über den Bahndamm aufs Gelände des Unternehmens, das an der B 54 liegt, gelangt. Da aber erst wenige Tage zuvor in die Galvanik eingebrochen worden war, hatten Mitarbeiter des Unternehmens die Türen derart gesichert, dass die Täter ihren Einbruchsversuch an dieser Stelle aufgeben mussten. Also verschafften sie sich über das Dach des Gebäudes Zutritt. Aus den Galvanik entwendeten sie mehrere Titan-Körbe, in denen sich rund 2,5 Tonnen Nickel befanden.

„Mal abgesehen von dem direkten materiellen Schaden bringen solche Taten auch die Produktion zum Erliegen, so dass der Ausfall zu einem weiteren Problem wird“, erklärt Kölsche, der sich auch über die Dreistigkkeit der Täter beim Abtransport des Diebesgutes wundert.

Denn die schwere Beute wollten die Einbrecher nicht über den Bahndamm schleppen. Stattdessen suchten sie einen Weg durch das Gebäude, der zum Innenhof führt. Dort zerschlugen sie sämtliche Bewegungsmelder und durchschnitten die Stromleitungen der Außenlampen, um in Ruhe einen Transporter oder Lkw mit den Nickelstücken zu beladen. Dazu hatten die das Tor zur Straße hin gewaltsam geöffnet. Nun hofft Kölsche, dass zufällig vorbeikommende Kiersper die Tat, die sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag zwischen 0 und 2 Uhr ereignete, beobachtet haben – vor allem natürlich den Ladevorgang auf dem Platz zwischen der Firma Carl August Wirth und dem danebenliegenden Gebäude.

Innerhalb des Firmengeländes hatten die Täter zuvor die Überwachungstechnik außer Betrieb gesetzt und die Computer auf denen die Filmaufnahmen gespeichert werden, mitgenommen.

So umsichtig waren die Einbrecher, die eine Woche zuvor Kupfer und anderes Rohmaterial entwendeten, nicht. Sie sind auf den Aufnahmen, die die Kameras automatisch aufzeichneten, gut zu erkennen. Derzeit werden die Filme von Spezialisten der Polizei ausgewertet.

Insgesamt war die Tat am vergangenen Wochenende bereits der zehnte Einruch, den Kölsche in seiner Kiersper Firma verkraften musste. Dabei entstand insgesamt ein Schaden, der mehrere Hunderttausend Euro betrug. Als Konsequenz wurde immer wieder die Sicherheitstechnik verstärkt. In Zukunft sollen eine moderne Alarmanlage und ein Wachschutz es den Tätern schwerer, wenn nicht sogar unmöglich machen, auf das Gelände zu gelangen.

Das Problem, das durch Metalldiebe verursacht wird, betrifft dabei allerdiengs nicht nur die Firma Carl August Wirth in Kierspe. Auch andere Unternehmen wurden in der Vergangenheit das Ziel von Einbrechern, wobei die Häufigkeit, mit der das Unternehmen von Kölsche als Tatort ausgewählt wurde, schon ziemlich einmalig ist. Insgesamt registrierte die Polizei in diesem Jahr 19 Einrüche in Unternehmen der Volmestadt. „Im vergangenen Jahr waren 27 Firmen in Kierspe betroffen“, erklärt Polizei-Pressesprecher Norbert Pusch auf Anfrage der Meinerzhagener Zeitung.

Hinweise auf die Täter oder das Tatfahrzeug nimmt die Polizei in Meinerzhagen unter der Rufnummer (0 23 54) 9 19 90 entgegen.

Von Johannes Becker

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