1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Kierspe

Anwohner mit neuer Regelung beim Busverkehr unzufrieden

Erstellt:

Von: Johannes Becker

Kommentare

null
Die Busse der MVG sollen ab Februar nur noch stündlich durchs Volmetal fahren. © Becker

Kierspe  Der Bus kommt – bald aber nur noch jede Stunde. Daran üben die Menschen, die von der Halbierung der Fahrten durch das Volmetal betroffen sind, deutliche Kritik. Und auch die Kiersper Lokalpolitiker halten diese Regelung für nicht hinnehmbar. Das alles wurde im Hauptausschuss deutlich – ändern wird sich dadurch aber wohl nichts mehr.

Ab 15. Dezember pendelt die Bahn im Stundentakt durchs Volmetal. Bereits 2016 hat der Kreistag beschlossen, dass dann die Busdichte im gleichen Gebiet ausgedünnt wird – von einem halbstündigen Takt auf einen einstündigen. Nach Lesart des Kreistages und der MVG ändert sich dadurch für die Fahrgäste nichts, da Bus und Bahn gemeinsam eine halbstündige Taktung sicherstellen. Unberücksichtigt bleibt dabei, dass die Bahn zwischen Kierspe und Oberbrügge keinen Haltepunkt mehr hat – die Menschen, die in diesem Bereich wohnen oder arbeiten, also eine Angebotsreduzierung von 50 Prozent hinnehmen müssen. So führt es Werner Winkens, der bei der MVG für Planung zuständig ist, aus.

Rund 30 Besucher der Ausschusssitzung wollen diese Reduzierung nicht hinnehmen. „Das jetzige Angebot ist schon schwach, aber noch okay. Wenn die Hälfte der Busse in Zukunft wegfällt, dann müssen wir viel öfter mit dem Auto fahren, um unsere Kinder ans Ziel zu bringen“, bemängelt ein Anwohner aus Volme. Und auch an den Bestellbussen am Wochenende übt er Kritik: „Wie soll man denn einen Bus bestellen, wo doch das Volmetal ein einziges Funkloch ist. Ich kann einfach nicht verstehen, warum wir hinten runterfallen, nur weil irgendwer gerne einen Zug von Köln nach Hagen fahren lassen möchte.“ Winkens reagiert auf die Kritik mit dem Hinweis, dass ein Gutachten aus dem Jahr 2014 ergeben habe, dass sich ein Bus im Halbstundentakt nach der Reaktivierung der Bahn nicht mehr rechne.

Als weitere Wortmeldungen von Arbeitgebern, Anwohnern, Besuchern der Märkischen Werkstätten und Eltern schulpflichtiger Kinder kommen, zieht sich der MVG-Mann auf den Standpunkt zurück, dass die Verkehrsgesellschaft letztlich nur das tun könne, was der Kreistag vorgebe.

Unzufrieden mit der Entscheidung sind auch die Mitglieder des Ausschusses. Marie-Luise Linde versteht nicht, warum es nicht viel früher Informationen zu den Plänen gegeben habe. „Sinnvoll wäre, Bahn und bisherige Buslinien für ein Jahr parallel zu betreiben, um zu sehen, wer wann welches Verkehrsmittel nutzt“, sagt sie. Eine Meinung, der sich alle Fraktionen anschließen. Und wieder antwortet Wilkens mit seinem Hinweis auf den Beschluss des Kreistages. Von Clemens Wieland (UWG) muss er sich dazu den Vorwurf anhören, dass sich MVG und Kreistag auf Zahlen aus der Vergangenheit bezögen, dass zukünftige Potenzial aber nicht berücksichtigt werde.

Der UWG-Politiker nimmt aber auch die heimischen Kreistagsmitglieder in die Pflicht, die nichts von diesen Planungen in die Kommune getragen hätten.

Dazu antwortet Markus Pempe (CDU), der nicht nur im Kiersper Rat sitzt, sondern auch einer der vier Kiersper Kreistagsabgeordneten ist: „Uns wurde die Änderung nur verklausuliert als Anpassung verkauft.“ Er zeigt sich aber mehr als unzufrieden mit der Verschlechterung und will sich an seinen Kreistagsfraktionsvorsitzenden Karsten Meiningaus wenden, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der MVG ist. Pempe glaubt nicht daran, dass durch die Bahn Einbußen bei den Buslinien zu befürchten sind. „Die Entscheidung ist auch deswegen unverständlich, weil nach meinem Wissensstand die beiden Linien durch das Volmetal, als einige der ganz wenigen, kostendeckend fahren“, so Pempe. Hermann Reyher von den Grünen – und ebenfalls Kreistagsmitglied – hätte sich im Vorfeld eine Bürgerversammlung gewünscht, auf der die MVG von ihren Plänen berichtet.

Oliver Busch nutzte seine Redezeit zu einem Eingeständnis: „Alle sagen, dass sie den ländlichen Raum stärken wollen – und dann kommt es hier zu einem Kollektivversagen der Politik.“ Der SPD-Politiker schiebt noch nach: „Ich bin ein Fan der Reaktivierung der Volmetalbahn gewesen, weil man uns gesagt hat, dass es besser gemacht wird als bis 1986, als die Bahn eingestellt wurde. Doch es ist viel schlechter geworden, alleine weil zwei Bahnhaltepunkte zwischen Kierspe und Oberbrügge weggefallen sind.“

Und Nils Dietrich fühlt sich an die Planwirtschaft der DDR erinnert, da der Beschluss von 2016 sei und die Klimadiskussion der jüngeren Vergangenheit keine Würdigung erfahre.

Auf Vorschlag von Bürgermeister Emde soll es nun eine Unterschriften-Aktion der betroffenen Bürger geben – und auf Vorschlag von Christian Reppel (SPD) eine Resolution des Rates, die dann dem Kreistag zugestellt wird.

Die Pläne der MVG

Durch den Wegfall der Linie 59 und Änderungen bei den anderen Linien, die durchs Volmetal fahren, reduziert sich der halbstündige Busverkehr durchs Volmetal und damit an 14 Haltestellen zwischen ZOB Kierspe und Oberbrügge auf einen einstündigen – ab Februar 2020. Stattdessen sollen die Kunden auf die Bahn ausweichen, der dann ebenfalls stündlich die Strecke befährt, wobei die Bahn nur in Kierspe und Oberbrügge hält. An Samstagen ab 14 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen werden Passagiere dann nur noch auf der Strecke zwischen Lüdensheid und Kierspe mit dem Bus gefahren, wenn sie diese Fahrt mindestens 45 Minuten vor Fahrtantritt angemeldet haben – möglich ist dieses telefonisch oder online. Der – dann meist kleinere Bus – nimmt dann auch nur die mit, die sich zuvor namentlich angemeldet haben – und auch nur auf der Strecke, die bei der Anmeldung angegeben wurde. Gibt es keine Vorbestellungen, wird auch kein Bus auf der Strecke eingesetzt. Dieses System nennt sich ALF (Anruf-Linien-Fahrten), entsprechende Verbindungen sind mit einem Telefonsymbol im Fahrplan gekennzeichnet. Beschlossen wurde das im Rahmen der Verabschiedung des Nahverkehrsplans im Jahr 2016 vom Kreistag.

Auch interessant

Kommentare