UWG startet Initiative beim Kreis für Verkehrsversuch

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Peter Bökenkötter, MVG-Bereichsleiter Angebot, stand bei der UWG-Veranstaltung Rede und Antwort. ▪

KIERSPE ▪ Die UWG lässt nicht locker und bleibt dran an der Verbesserung der Busverbindung nach Rönsahl und dann auch weiter nach Ohl, um einen Anschluss an die Schnellbuslinie der Oberbergischen Verkehrsgesellschaft (OVAG) zu erhalten.

Daran ließ Vorsitzender Clemens Wieland keinen Zweifel, als er am Montagabend im Rathaus zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung rund um den Öffentlichen Personennahverkehr im heimischen Raum Peter Bökenkötter, Bereichsleiter Angebot der Märkischen Verkehrsgesellschaft, begrüßte. Der aber blieb hart angesichts des defizitären Betriebs, der immer neue Sparmaßnahmen fordere wie Personalkürzungen, Fahrzeugabbau und Streckenstreichungen. „Wir sind aufgefordert, auch 2013 nochmals 500 000 Euro einzusparen“, so Bökenkötter, der darauf verwies, dass bereits 60 Busse weggefallen seien.

Ein neues Angebot zu schaffen, kann da aus seiner Sicht kein Thema sein. Aber als Wieland nicht locker ließ, eröffnete er die Möglichkeit, über den Kreistag zu erwirken, dass ein Verkehrsversuch wie anderswo auch schon gestartet werde, um den Bedarf realistisch zu untersuchen. Vorher hatte Bökenkötter allerdings deutlich gemacht, dass die MVG aus Rönsahl keine Nachfragen registriere. Da diese aber ausschließlich ein nachfrageorientiertes Verkehrsangebot mache, schloss er das Initiieren einer Verkehrsleistung von sich aus kompromisslos aus und bat um Verständnis.

Jedoch wurde aus der Runde der zahlreichen ÖPNV-Interessierten aus Kierspe, Halver, Schalksmühle und Meinerzhagen die Ansicht vertreten, dass die Nachfrage nur deshalb so gering sei, weil das Angebot so unattraktiv sei und daher längst Alternativen wie das Auto genutzt würden. In früherer Zeit habe die Wupper-Sieg für ein sehr gutes Verkehrsangebot gesorgt. Bökenkötter konterte, dass diese sich aber gewiss nicht zurückgezogen hätten, weil die Verbindung so lohnend gewesen sei, sondern umgekehrt.

Angesprochen wurden ebenfalls die anderen Strecken wie die Linie 58 durch das Volmetal, die sehr gut frequentiert ist und daher auch bestehen bleiben soll, wenn ab 2015 voraussichtlich der Schienenpersonenverkehr auf der neuen Gleisstrecke rollt. Woran Bökenkötter übrigens erhebliche Zweifel angesichts der schlechten Finanzlage des Landes anmeldete, nicht zuletzt auch aufgrund des „besonders teuren Dieselnetzes Köln“ und eventuell teuerer Ausschreibungen als erwartet. Gut angenommen wird ebenfalls die Linie 84 von Hagen über Breckerfeld nach Kierspe, allerdings, wie der MVG-Bereichsleiter Angebot einräumte, vor allem außerhalb des Kreisgebietes in Hagen und Breckerfeld. „Wir haben hier 200 Fahrgäste hin und zurück“, so Bökenkötter. Daher schloss er auch hier eine Streichung der Linie aus.

Thema war zudem die Verlegung von Buslinien, damitdiese attraktiver für den Berufsverkehr werden, beispielsweise über die Osemundstraße, um so die dortigen Betriebe besser anzubinden. Bökenkötter warnte jedoch davor, die Strecken für die derzeitigen Nutzer schlechter zu machen, sagte jedoch eine Bedarfserhebung bei den Firmen zu. Grundsätzlich schloss er dies bei vorliegendem Bedarf nicht aus.

Kritisch äußerte sich der Bereichsleiter zu dem Gutachten des Berliner Verkehrs- und Regionalplanungsbüros Proziv, das im Auftrag des Märkischen Kreises eine Optimierung des Schulbusverkehrs durch bessere Abstimmung der Schulanfangs- und -endzeiten untersucht hat. Im Nordkreis wurde Bedarf gesehen, doch stoßen Veränderungen dort bislang auf Widerstand. Im Südkreis dagegen, so Proziv, gäbe es keine Verbesserungsmöglichkeiten mehr, nachdem die MVG hier in den vergangenen Jahren selbst schon gehandelt hat. Das war eine positive Nachricht, denn dass Einschränkungen des Schulbusverkehrs angesichts des verschärften Wettbewerbs der Schulen nachteilig sein könnten, stand für alle außer Frage.

Peter Bökenkötter schloss auf Anfrage am Montagabend aus, dass zusätzliche Haltestellen für die Kindergarten- und Schulkinder von der Volmestraße am Tannenbaum eingerichtet werden, damit diesen der gefährliche Schulweg unter dem Eisenbahnviadukt her erspart wird, wo der Bürgersteig extrem schmal ist. Aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Fahrer sei das organisatorisch nicht leistbar. Zudem wäre bei einem Ortstermin der Weg einvernehmlich von den anwesenden Vertretern der politischen Fraktionen auch als nicht wirklich gefährlich eingestuft worden.

Da allerdings widersprach ihm unter anderem UWG-Fraktionsvorsitzender Dieter Grafe vehement. Andere machten auf den Begegnungsverkehr von Lastwagen aufmerksam, bei dem es wirklich eng und gefährlich für Fußgänger sei. Jetzt soll weiter nach Alternativen gesucht werden.

▪ Rolf Haase

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