Tod auf der Landstraße verhindern: Zaun soll Amphibien schützen

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19 Frauen und Männer trafen sich am Samstag, um einen 300 Meter langen Amphibien-Schutzzaun an der Kerspetalsperre zu setzen.

Kierspe - Mit Spaten, Hacken, Handschuhen und Gummistiefeln waren 19 Helfer ins Kerspetal gekommen, um einen 300 Meter langen Amphibien-Schutzzaun im Bereich Mühlenschmidthausen zu setzen.

Eingeladen hatte sie die Ortsgruppe Kierspe-Meinerzhagen des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Hegering Kierspe-Rönsahl. Vier Wochen früher als sonst trafen sich die freiwilligen Helfer, denn das warme Wetter vor Karneval hatte schon die ersten Amphibien sich auf den Weg zur Kerspetalsperre machen lassen. Zuerst legten die Frauen und Männer die alte Streckenführung oberhalb der Straße frei. Sogenannte Auffang-Eimer wurden herausgenommen, entleert und wieder eingesetzt. Der mit Abzugslöchern versehene Boden der Behälter wurde mit etwas Laub bedeckt. Dieses dient den hin-ein gefallenen Tieren als Versteck und Sonnenschutz. Zudem wurde die Zaunfolie gezogen und an Stäben befestigt. 

Nur einseitig wurde der Zaun errichtet, denn beim Rückweg verteilen sich die erwachsenen Tiere räumlich und zeitlich viel mehr. Sobald sich die Kröten zunehmend auch vor der anderen Seite des Zaunes befinden, wird dieser abgebaut, damit die Tiere wieder in ihre Reviere zurückwandern können. Rund sechs Wochen dauert diese Aktion. Die überwiegende Anzahl der erfassten Tiere sind Lurche und Erdkröten, ansonsten einzelne Grasfrösche und einige Berg- und Teich-Molche. 

Nur alle drei Jahre 

Krötenweibchen wandern nicht in jedem Jahr zum Laichen, sondern nur alle zwei bis drei Jahre. Die Männchen in Überzahl warten vor dem Laichgewässer und versuchen bereits dort ein Weibchen während der Wanderung zu umklammern. Diese Pärchen kommen langsamer voran und werden oft überfahren, was die Anzahl der Weibchen und damit der Nachkommen reduziert. 

Gudrun Barth vom BUND gab den Helfern Anweisungen, wie der Zaun zu setzen ist.

Nur im unmittelbaren Bereich des Schutzzaunes gibt es keine toten Tiere auf der Straße. Auf den anderen, längeren und ungeschützten Straßenabschnitten Mühlenschmidthausen Richtung Antlenberg wandern noch mehr Kröten zur Talsperre. Spontane Zählungen an den Hauptwandertagen ergaben noch höhere Zahlen als in den Eimern. Obwohl die Straße recht schmal und nur für Anlieger geöffnet ist, wurden hier in den vergangenen Jahren oft viele Tiere überfahren. „Falls diese Straße wieder für den Durchgangsverkehr geöffnet würde, sollten zu Zeiten der Amphibienwanderungen konsequent eine zeitweise Sperrung der Antlenbergstraße verbindlich eingerichtet werden“, fordert Gudrun Barth vom BUND. 

Auch die Autofahrer können den Amphibien helfen. „Sie sollten abends und besonders bei feuchtwarmer Witterung im Frühling Nebenstrecken möglichst meiden oder langsam und bremsbereit fahren. Auch die Kröten auf die richtige Seite zu setzen, sei „praktizierter Naturschutz“.

Die Zahlen

In den vergangenen fünf Jahren betrug die Zahl der gesammelten Kröten bei in etwa gleicher Zaunlänge 2018: 1763 Tiere, 2017: 1990 Tiere, 2016: 1745 Tiere, 2015: 1898 Tiere und 2014: 1897 Tiere. Davon waren mehr als 90 Prozent Männchen. Die Zahl der Weibchen beträgt durchschnittlich nur knapp 10 Prozent.

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