Dem Verein „Kinder von Tschernobyl“ brechen zwei Tätigkeitsfelder weg

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Der Vorstand des Vereins „Kinder von Tschernobyl“ setzte bei seiner Jahreshauptversammlung neue Arbeitsschwerpunkte. Unser Foto zeigt von rechts Gisela Steinbach (1. Vorsitzende), Helmut Willnat (Schriftführer), Antje Krings-Hawlina (Beisitzerin), Wolfgang Theunissen (2. Vorsitzender) und Hannelore Boecker (Kassiererin).

Kierspe – Nach 26 Jahren musste der Verein „Kinder von Tschernobyl“ 2019 die Kindererholungsmaßnahmen in Deutschland und in der Ukraine einstellen.

„Das ist eine sehr unglückliche Situation, dass wir auf einen Schlag zwei wichtige Arbeitszweige unseres Vereins aufgeben mussten“, sagte die Vorsitzende Gisela Steinbach bei der Jahreshauptversammlung am Dienstagabend.

Gründe dafür waren die persönliche Überlastung der Partner in Wyschgorod und die neuen ukrainischen Bestimmungen für Erholungsaufenthalte für Kinder im Ausland.

„Wir verstehen das Anliegen der Ukraine, die Kinder vor möglichen unangenehmen Erfahrungen zu schützen, aber die konkreten bürokratischen Anforderungen, speziell auch an die Gasteltern, verhindern nachhaltig, dass wir weiterhin Kinder zur Erholung einladen“, so die Vorsitzende.

Nach Beratungen mit den ukrainischen Partnerverein „Bereginja“ soll künftig stattdessen die Hilfe für kranke Kinder im Vordergrund stehen. Gisela Steinbach: „Wir sehen dort immer mehr schwer erkrankte Kinder, die teure Behandlungen oder Operationen brauchen. Kinder mit chronischen Erkrankungen, die ihr Leben lang Medikamente nehmen müssen, um zu überleben, und Kinder, die prä- und perinatale Schädigungen haben und intensive teure physiotherapeutische Behandlungen brauchen.

Sogar Kinder, die mit Krebserkrankungen geboren werden. Wir sind deshalb gemeinsam zu dem Schluss gekommen, das wir mehr Kinder auf unsere Liste der zu unterstützenden kranken Kinder – zurzeit sind es 31 – aufnehmen wollen, und dass wir für die schweren Fälle auch mehr finanzielle Hilfe geben wollen, was wir in einzelnen Fällen auch mit gutem Erfolg bereits getan haben. Deshalb werden wir uns nun verstärkt um ,Medikamentenkinder-Paten’ und Spenden für diese Kinder bemühen.“ Seit 2018 besuchen Mitglieder des Vereins verstärkt diese Sorgenkinder, wodurch ein guter Kontakt zu ihnen und ihren Eltern, die die finanziellen Belastungen alleine stemmen müssen, entstanden sei. Zusammen mit Dr. Tatjana Safonowa könne man einen effektiven Hilfsplan erarbeiten.

Verstärkt werden soll auch wieder die Unterstützung für die Schule Nadija, an der sinnvolle Arbeit für Kinder mit verschiedenen Behinderungen geleistet werde. Gut angelegt sei jeder Euro, der in die Arbeit der Armenküche und der Familienhilfe in Bila Zerkwa fließe, so die Vorsitzende. Täglich würden dort 50 bis 60 Personen, hauptsächlich kinderreiche Familien und Obdachlose, mit einer Mahlzeit versorgt, die für viele die einzige am Tag sei. Daraus habe sich durch die Kontakte von Pastor Stepan Gubatij eine soziale Arbeit entwickelt, die Menschen bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Sorgen unterstütze.

Auch bei einem weiteren Arbeitszweig des Vereins, dem Transport von Hilfsgütern, gab es im vergangenen Jahr Schwierigkeiten, wie Transportleiter Helmut Willnat berichtete. „Die Zusammenarbeit mit dem Missionswerk Friedensstimme aus Marienheide läuft zwar wunderbar, aber warum es in der Ukraine hakt, kann ich zurzeit nur raten. Anscheinend hat das Ministerkabinett mit der Entscheidung, jeden Transport wieder einzeln zu genehmigen, so viel zu tun, das es mit der Arbeit nicht nachkommt.“

Gut 24 Tonnen Hilfsgüter wurden im vergangenen Jahr verschickt. Der nächste Abgabetermin für Hilfsgüter ist am kommenden Samstag, 7. März, von 10 bis 12 Uhr in Kierspe, Vorth 2. Der Verein dankt allen, die bei den Annahmeterminen und Nachpackaktionen und der Beladung der Lkw sowie bei der Bestückung, dem Auf- und Abbau der Info- und Verkaufsstände auf den Weihnachtsmärkten geholfen haben, sowie allen Spendern, die seine Arbeit unterstützten. „Ohne dass sie uns die Hände füllen, könnten wir nichts weitergeben“, so Gisela Steinbach. Bei den Wahlen wurde Kassiererin Hanneliese Boecker in ihrem Amt bestätigt. Kassenprüfer wurde Helmut Siebert.

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