Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl in Kierspe: Olaf Stelse (parteilos) im Portrait

+
Olaf Stelse möchte am 13. September zum Bürgermeister gewählt werden. Bisher hat der parteilose Kandidat als Beigeordneter und Kämmerer in der Stadtverwaltung, die er dann leiten möchte, gearbeitet.

Kierspe - An einem anderen Ort als in Kierspe möchte Olaf Stelse nicht wohnen – und das hat er auch noch nie getan. Das ist ihm wichtig. Selbst in den Jahren, in denen er nicht in Kierspe und Umgebung gearbeitet hat, hatte er nur einen Nebenwohnsitz an den Dienstorten, seinen Hauptwohnsitz hatte er immer in Kierspe.

Am Bahnhof aufgewachsen, die Pestalozzi- und Gesamtschule besucht, sorgte erst einmal der Wehrdienst dafür, dass der heute 49-Jährige die Stadt verlassen musste, um bei den Fallschirmjägern in Iserlohn seinen 15-monatigen Dienst zu verrichten. Danach begann er ein Maschinenbaustudium in Gummersbach, dass er aber zugunsten einer Ausbildung abbrach. Bei der Stadt Lüdenscheid stieg er in die Beamtenlaufbahn im gehobenen Dienst ein. Später ging es dann nach Drensteinfurt im Münsterland, wo er im Hauptamt tätig war, und von dort wechselte er nach Radevormwald, „das war dann wieder eine etwas größere Stadt.“

Als Kierspe dann 2009 einen Beigeordneten suchte, bewarb er sich und wurde gewählt – mittlerweile zum zweiten Mal, wobei seine Amtszeit noch bis 2025 dauern könnte. 2010 hat er dann auch das Amt des Kämmerers übernommen. Mit Bürgermeister Frank Emde teilt er sich die Zuständigkeiten im Rathaus und ist neben den Finanzen verantwortlich für die Zentrale Verwaltung, Ordnung und Soziales. Privat lebt Stelse heute in Bollwerk, ist von seiner Frau getrennt und hat zwei Kinder im Alter von 13 und 16 Jahren, die die Gesamtschule besuchen.

Neben der Dorfgemeinschaft seines Heimatortes engagiert er sich im SGV, den er seit 2010 als Vorsitzender leitet, spielt Tennis mit Freunden, „früher haben wir zusammen Volleyball gespielt“, und ist Mitglied im KSV. KSV? Warum nicht ASV? „Das hat sich so ergeben, da habe ich meine Mitgliedschaft damals auf einem Bierdeckel unterschrieben“, erzählt er. Was bei anderen Gesprächspartnern eine Anekdote unter vielen wäre, ist bei Stelse schon ein Highlight. Extrovertiertheit kann man dem Mann wirklich nicht vorwerfen. Große Reden sind nicht seins – und Persönliches bleibt – möglichst – privat.

Privates soll privat bleiben

So bleibt er auch unklar, wenn man ihn nach seiner politischen Orientierung fragt: „Ein Radikaler bin ich nicht.“ Da muss auch er lachen und schiebt nach, dass er sich eher in der politischen Mitte sieht, wo genau, bleibt – man ahnt es schon – unausgesprochen. Aber mit einer zu klaren Positionierung wäre es ihm wohl auch nicht gelungen, sich die Unterstützung der drei größten Fraktionen im Kiersper Rat für seinen Wahlkampf zu sichern. SPD, CDU und UWG unterstützen den Parteilosen, der seine Unabhängigkeit auch auf jeden Fall behalten möchte.

„In einer großen Stadt ist das sicher schwer, in Kierspe funktioniert das ja auch schon jetzt sehr gut“, sagt Stelse und verweist auf Bürgermeister Frank Emde und vor allem auf die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit diesem. Dass er eine Karriere im öffentlichen Dienst machen wollte, sei ihm schon früh klar gewesen, doch dass es einmal auf eine Kandidatur als Bürgermeister hinauslaufen würde, absolut nicht. Stelse: „Schon das Amt des Beigeordneten ist nicht planbar.“

Dass es aber zumindest möglich wurde, dafür hat er viel getan, unter anderem hat er an Studieninstituten für kommunale Verwaltung die Fächer Verwaltungsmanagement sowie Kosten- und Leistungsrechnung unterrichtet. Spätestens, als er vor mehr als zehn Jahren vom Rat zum Beigeordneten gewählt wurde, war ihm aber sicher klar, dass irgendwann einmal die Entscheidung anstehen würde, für das höchste Amt der Stadt zu kandidieren.

Vor elf Jahren wurde Olaf Stelse Beigeordneter der Stadt Kierspe, ein Jahr später dann auch Kämmerer.

„Ich möchte den eingeschlagenen Weg weitergehen, die Entwicklung Kierspes fortsetzen und für solide Finanzen sorgen, mit denen das möglich ist“, sagt er und betont, dass sich Großes nur umsetzen lasse, wenn es gelinge, auch Fördermittel einzuwerben. Selbst dann müsse aber nicht alles funktionieren, was man sorgfältig plane. Als Beispiel nennt er den Radweg durchs Volmetal, wo es politischen Willen, eine solide Planung und eine ebensolche Finanzierung gebe, „doch dann sind es Eigentumsverhandlungen, die das ganze in die Länge ziehen.“

"Ich setze lieber auf konkrete Planungen"

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum er sich mit großen Ideen in der Öffentlichkeit zurückhält. „Visionen sind nicht so meins, ich setze lieber auf konkrete Planungen und darauf, dass die vorhandenen Mittel fair verteilt werden“, sagt Stelse, überlegt kurz und sagt dann, dass es da doch etwas gebe, was er gerne umsetzen würde. „Wenn die Kreuzung Tannenbaum zum Kreisverkehr umgebaut ist, dann würde ich dort unten schon gerne einen gastronomischen Betrieb mit Außenbereich ansiedeln. Der Standort wäre ideal, allein schon durch die Nähe zum Volme-Freizeitpark. Ich wüsste keinen Standort im Innenstadtbereich, der besser geeignet wäre.“

Ein anderes Projekt ist für ihn der Abriss des Hotels Zur Leye in Rönsahl, um dort Platz für barrierearmes Wohnen zu schaffen. Abgesehen von diesen Punkten setzt er auf ein konsequentes „weiter so“, „weil der eingeschlagene Weg der richtige ist.“ Doch was, wenn es nicht klappen sollte mit der Wahl zum Bürgermeister? „Dann würde ich mich nach einer Alternative umschauen, ich kann mir nur schwer vorstellen, unter jemandem zu arbeiten, der von der Verwaltung wenig versteht. Da gehört jemand hin, der die Verwaltung und die Strukturen kennt“, da ist sich Olaf Stelse sicher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare