Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl in Kierspe: Interview mit Armin Jung (FDP)

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Möchte Bürgermeister von Kierspe werden: Armin Jung.

Kierspe - Wie stehen die drei Bürgermeisterkandidaten für Kierspe zu einer Reihe von wichtigen Themen und wie wollen sie diese angehen? Um den Lesern dadurch eine kleine Hilfestellung für die Wahl am 13. September zu geben, hat die Meinerzhagener Zeitung die Bewerber gebeten, eine Reihe von Fragen zu beantworten. Als Erster ist heute Bürgermeisterkandidat Armin Jung von der FDP an der Reihe, der von MZ-Redakteur Det Ruthmann interviewt wurde:

Welche Aufgaben in der Stadt Kierspe stehen auf Ihrer „To-do-Liste“ ganz oben?

Sollte ich Bürgermeister der Stadt Kierspe werden, gibt es zahlreiche Themen, die mir wichtig sind. Eines davon ist die medizinische Versorgung in unserer Stadt. Diese muss für die Zukunft sichergestellt werden. Der eingeschlagene Weg in Kierspe, ein Medizinisches Versorgungszentrum aufzubauen, wird von mir voll und ganz unterstützt. Auch unsere Jugend darf nicht vergessen werden. Von vielen bin ich angesprochen worden, dass besonders ein Begegnungsplatz gewünscht wird. Ein Ort, an dem man sich aufhalten kann und nicht gleich des Platzes verwiesen wird, wenn es etwas lauter wird. Hier sehe ich meine Aufgabe, einen solchen Platz zu finden. Sicherlich wäre es auch schön, einen Betreiber für ein Jugendcafé zu finden. Für eine moderne Stadt ist auch ein flächendeckender, freier Internetzugang wichtig. Gemeinsam mit der Initiative Freifunk sollte das möglich sein. Beim ÖPNV gibt es viele Baustellen, die verbessert werden müssen. Ticketpreise oder Busverbindungen sind ausbaufähig. Für den innerstädtischen Busverkehr ist der autonom fahrende Bus, der zurzeit im Kreis Olpe getestet wird, eine mögliche Option. Für das Thema Tourismus müssen wir in der Zukunft einen höheren Stellenwert erlangen. Durch Covid-19 hat man erkannt, dass das Sauerland eine wunderbare Urlaubsregion ist und das muss auch für Kierspe gelten. Wir haben bereits viel zu bieten, wir müssen es nur noch bekannt machen. Wer weiß schon, dass wir in Kierspe eine Fußballgolfanlage haben, die kostenlos genutzt werden kann. Ebenso sollte endlich die Schaffung eines Wohnmobilplatzes umgesetzt werden. Auch unsere Landschaft, unsere Talsperren und die Gastronomie müssen beworben werden. Dies alles würde auch dazu beitragen, unseren Einzelhandel zu stärken und zukunftsfähig zu machen. Durch die Sicherung des Bestehenden und eventuell Neuansiedlungen kann Kierspe eine liebeswerte und lebenswerte Stadt bleiben. 

Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass auch die Stadt erhebliche Einnahme-Ausfälle verzeichnen muss. Welche Möglichkeiten sehen Sie, diesen finanziellen Einbruch auszugleichen? 

Ich hoffe, dass die Ankündigungen von Bund und Land eingehalten werden, um die Steuerausfälle auszugleichen. Wichtig ist mir, dass wir, wenn es Engpässe geben sollte, diese nicht mit Steuererhöhungen ausgleichen. Es gibt sicher noch einige Punkte, bei denen es möglich ist, Kosten effektiv einzusparen. Eventuell können Synergien durch eine intensivere Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen geschaffen werden oder es gelingt uns, unseren städtischen GmbHs weiterhin die Möglichkeit zu geben, Gewinne zu erzielen.

Der Stadt fehlen bald Flächen, auf denen sich Gewerbebetriebe ansiedeln können. Wo sehen Sie noch Flächen, die als Gewerbegebiet ausgewiesen werden können?

Für die Ansiedlung neuer Gewerbegebiete würde es Sinn machen, ein neues interkommunales Gewerbegebiet auszuweisen. Als Standort würde sich hier das Gebiet rund um unseren Regionalflughafen in Meinerzhagen anbieten. Eine weitere Option ist das Gebiet nach den Eierkurven, Richtung Halver. Dort ist auch eine Anbindung an die geplante Umgehungsstraße namens B 54n möglich. Ähnlich sieht es mit Wohngebieten aus – muss es die Bauabschnitte Östlich Rathaus 3 und 4 geben? Wenn ja, muss eine zweite Anbindung hergestellt werden? Wie schon beim Bauabschnitt Östlich Rathaus 2 sind die FDP Kierspe und ich der Meinung, dass das Neubaugebiet Östlich Rathaus 3 und 4 schnellstmöglich in Angriff genommen werden sollte. Es gibt jetzt schon zahlreiche Nachfragen für ein zukünftiges Baugebiet. Niedrigenergie- und Nullenergie-Häuser für ein besseres Klima lassen sich häufig nur bei Neubauten umsetzen. Wichtig ist mir auch, dass die Kiersper Grundstücks- und Gewerbe-Entwicklungsgesellschaft die Vermarktung durchführen kann. Die weiteren zusätzlichen Gewinne, die hier erzielt werden können, sind für unseren Haushalt unverzichtbar. Ich stehe generell dazu, dass es bei Neubaugebieten zwingend notwendig ist, vor Baubeginn ein Verkehrsgutachten zu erstellen. Dieses Gutachten wird aufzeigen, ob sich eine Notwendigkeit für eine weitere Anbindung ergibt und wie diese verlaufen sollte. Diesem Gutachten will ich aber nicht vorgreifen. Es darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die B 54n gemäß Bundesverkehrswegeplan kurzfristig umgesetzt werden soll. Diese Möglichkeit wird im Gutachten sicherlich Berücksichtigung finden.

Welchen Stellenwert hat bei Ihnen die Sanierung der Kiersper Straßen und sollten dafür mehr finanzielle Mittel im Haushalt zur Verfügung gestellt werden?

In Kierspe sind die Straßen allgemein in einem verbesserungswürdigen Zustand. Im Haushalt der Stadt Kierspe gibt es aber nur ein begrenztes Budget zur Straßensanierung. Das zur Verfügung stehende Budget wird jährlich voll ausgeschöpft. Die Priorisierung der Sanierungsprojekte erfolgt an Hand objektiver Kriterien durch die Verwaltung. Woran es hier mangelt, ist die Transparenz gegenüber dem Bürger. Ich sehe es als wünschenswert an, dass die Verwaltung diese Sanierungsprojekte für jeden interessierten Bürger inklusive der Kriterien und Klassifizierungen offenlegt. Eine Aufstockung der Mittel zur Straßensanierung ist der Stadt Kierspe nicht möglich, sie ist hierzu auf Infrastruktur-Förderprogramme des Landes und des Bundes angewiesen. Hierfür setze ich mich bei unseren FDP-Abgeordneten im Land- und Bundestag schon seit Jahren verstärkt ein. Eine Mitfinanzierung der Sanierungsprojekte durch die Anwohner lehne ich ab, da die Infrastruktur und ihre Aufrechterhaltung in meinen Augen eine Aufgabe der Allgemeinheit ist. Daher sollte hier das Konnexitätsprinzip Anwendung finden.

Wollen Sie Einfluss nehmen, damit die Neugestaltung der Kreuzung der Bundesstraßen 54 und 237 (als Kreisverkehr) und eine Verbreiterung der Durchfahrt durch den Eisenbahnviadukt schneller erfolgen?

Schon in den letzten Jahren habe ich die Möglichkeit genutzt, unsere zuständigen Landtagsabgeordneten Angela Freimuth und Bodo Middeldorf über dieses Projekt zu Informieren. Besonders Herr Middeldorf hat als Mitglied des Verkehrsausschusses die Neugestaltung im Blick und setzt sich im Landtag dafür ein, dass die Baumaßnahme schnellstmöglich umgesetzt wird. Welchen Stellenwert genießt bei Ihnen die Errichtung des Volmetalradwegs auf Kiersper Stadtgebiet? Einen sehr großen. Erst diese Woche habe ich mit Frau Angela Freimuth, unserer Landtagsabgeordneten und Landratskandidatin, den ersten Bauabschnitt besichtigt. Ich hoffe, dass dieses wichtige Regionale-Projekt schnellstmöglich umgesetzt wird.

Wie wollen Sie die Versorgung mit Hausärzten in Kierspe verbessern? Ist dafür ein Medizinisches Versorgungszentrum erforderlich?

Zu diesem Thema wurden schon in der letzten Ratsperiode die richtigen Weichen gestellt. Dieses Thema war unserem bisherigen Bürgermeister Frank Emde besonders wichtig und ich möchte diesen Prozess erfolgreich weiterführen. Wenn Kierspe es schafft, ein Medizinisches Versorgungszentrum zu gründen, würde dies eine deutliche Verbesserung bedeuten.

Steht bei Ihnen auf Ihrer Agenda, dass in Kierspe noch mehr in Sachen erneuerbare Energien, insbesondere auch Windkraftanlagen, getan wird?

Ich stehe absolut hinter der Entscheidung der Stadt, in der Zukunft einen Klimamanager einzusetzen, um die Klimathemen für Kierspe optimal zu implementieren. Mir persönlich ist es für die Zukunft auch wichtig, eine nachhaltige Stadtplanung zu praktizieren. Genauso sollte bei neuen Baugebieten, wenn möglich, alternative Energiequellen genutzt werden. Einen Schwerpunkt möchte ich auf den Ausbau von Fotovoltaik-Anlagen setzen. Mir schwebt für den privaten Wohnungsbau ein 1000-Dächer-Programm vor. Ohne großen persönlichen Kapitaleinsatz sollte es möglich sein, viele Häuser mit Fotovoltaik-Anlagen auszustatten. Die Umsetzung von Windkraftanlagen in Kierspe wird sich sehr schwierig gestalten. Die von der Landesregierung vorgeschriebenen Abstandsflächen zur Wohnbebauung müssen eingehalten werden und bei der vorgeschriebenen Umweltverträglichkeitsprüfung wird es schwierig, geeignete Flächen in Kierspe zu finden.

Wie kann in Kierspe der ÖPNV verbessert werden, besonders die Anbindung nach Rönsahl und im Volmetal, wo es keine Bahnhaltepunkte gibt und weniger Busse fahren?

Beim ÖPNV müssen neue Wege gegangen werden. Eine Möglichkeit sind autonom fahrende Busse. Erste Versuche hierzu gibt es bereits im Kreis Olpe. Diese könnten kostengünstig einen innerstädtischen Busverkehr realisieren. Auch der Einsatz von Rufbussen könnte eine Möglichkeit sein. Wichtig ist dabei natürlich auch ein einheitliches und günstiges Tarifkonzept, dass sich jeder leisten kann. Eine Idee wären auch Mitfahrhaltestellen, die im Volmetal und auf dem Weg nach Rönsahl geschaffen werden könnten. Solche Mitfahrstellen sind im Hinblick auf die aktuelle Corona-Pandemie natürlich derzeitig kaum umzusetzen – es ist aber sicherlich eine Option für die Zukunft.

Auf welche Art und Weise werden Sie eine mehr als 100-köpfige Verwaltung führen?

Ich möchte als Bürgermeister gemeinsam mit meinen Mitarbeitern Ideen entwickeln und diese auch im Dialog mit ihnen umsetzen. Dabei ist es wichtig, dass die Mitarbeiter in ihren Spezialgebieten auch die Verantwortung für ihre Projekte delegiert bekommen, denn sie sind schließlich die Experten. Auch Eigeninitiative möchte ich fördern, wenn alle an einem Strang ziehen, sollten schnell gute Ergebnisse erzielt werden. Die Stadt Kierspe hat sehr gute Mitarbeiter mit hervorragenden Kenntnissen in ihren Arbeitsfeldern und mit Kontakten zu den Bürgern. Ich sehr hier eine hervorragende Basis für eine gute Zusammenarbeit.

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