Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl in Kierspe: Armin Jung (FDP) im Portrait

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Armin Jung an seinem Schreibtisch: Der wurde in den vergangenen Corona-Monaten zum Home Office. Von hier aus natürlich erledigte der Liberale aber die kommunalpolitischen Aufgaben und Organisatorisches für den Schützenverein.

Kierspe - Er ist ein echter Kiersper Poahlbürger, ja sogar in der Volmestadt geboren. Denn er kam auf die Welt, als es die vielen Kierspern bekannte Geburtenstation, zumeist Wernscheid-Haus genannt, noch gab: Armin Jung, gerade 60 Jahre jung geworden, will es zumindest politisch noch einmal wissen und Bürgermeister von Kierspe werden.

Und er dürfte die Volmestadt sozusagen in- und auswendig kennen, denn es ist seine Heimat, der er stets treu geblieben ist. Aufgewachsen in Erlen, die Pestalozzischule besucht und anschließend auf die Gesamtschule (GSK) gewechselt, die gerade einmal zwei Jahre bestand. „Wir waren der zweite Jahrgang“, sagt Armin Jung, der 1979 auf der GSK sein Abitur gemacht hat. Es folgte, wie damals üblich, der Wehrdienst, bevor der heute 60-Jährige ins Berufsleben ging.

Denn statt eines Studiums zog es Jung vor, eine Ausbildung zum Bankkaufmann zu absolvieren – natürlich nicht irgendwo, sondern in Kierspe, bei der Volksbank. Dort arbeitete Armin Jung bis zur Jahrtausendwende. Dann wagte er einen beruflichen Wechsel, stieg ins Versicherungsgeschäft ein und wurde Agenturpartner der Versicherungsgeschäftsstelle Scharpe und Budna in Meinerzhagen-Valbert. Da war der Kiersper Poahlbürger schon fast zwei Jahrzehnte verheiratet und Vater von einem Sohn und einer Tochter.

Seit Jahrzehnten im Schützenverein

Jungs Verbundenheit zur Volmestadt dokumentiert sich zweifellos auch darin, dass er seit Jahrzehnten einem traditionsreichen Verein angehört, dem Kiersper Schützenverein 1899. Dort kam er bald ins sogenannte Kommando, was heißt, dass er mittlerweile seit mehr als 30 Jahren mit für die Organisation und Planung der Schützenfeste sowie anderer Veranstaltungen des KSV verantwortlich zeichnet – seit 2004 sogar als Leiter des Kommandos.

Ebenso ist Armin Jung Mitglied im Städtepartnerschaftsverein, „aber nur passiv“, wie er gesteht. Was auch daran liegt, dass sich mit dem beruflichen Wechsel auch sein kommunalpolitisches Interesse deutlich entwickelte. „Damals hat mich mein Freund Jens-Peter Lück gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, bei der Gründung eines FDP-Ortsvereins mitzumachen!“ Jung konnte. Schließlich war er nach eigener Aussagen als Jugendlicher sozialliberal geprägt worden. „Ich habe es probiert und es hat Spaß gemacht“, bekennt der 60-Jährige – das ist mittlerweile 20 Jahre her.

Ist ein echter Kiersper Poahlbürger: Armin Jung wurde in Kierspe geboren und lebt auch heute noch dort – mit Blick aufs Volmetal, ZOB und Bahnhof.

Und das Wiederaufleben der Liberalen in der Volmestadt war erfolgreich, denn schon bei der ersten Wahl, bei der die FDP antrat (2004), erreichte die Partei zwei Sitze im Stadtrat, einen davon nahm Armin Jung ein, der auf Listenplatz eins stand. Das hatte zur Folge, dass er auch gleich erster Vorsitzende der Fraktion wurde. „Ich habe mich aber auch im Kreis engagiert“, betont Jung, der etwa zum Delegierten für den Bundesparteitag gewählt wurde. Dadurch konnte er nicht nur liberalen Größen wie Rainer Brüderle, Otto Graf Lambsdorff, Walter Scheel, Burkhard Hirsch und Gerhard Baum persönlich begegnen.

Insbesondere Hans-Dietrich Genscher bezeichnet Armin Jung als sein prägendes politisches Vorbild, „weil er nicht so konservativ“ gewesen sei, wie er sagt. Wenn er am 13. September zum Bürgermeister gewählt werden sollte, hat Armin Jung klare Vorstellungen von den Zielen, die er angehen möchte. Ganz oben auf seiner Agenda steht, nach mehr und stärkeren Möglichkeiten zu suchen, um mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu kommen, ihre Bedürfnisse kennenzulernen und sie auch stärker in Entscheidungsfindungen einzubinden.

Nachholbedarf beim Tourismus

Ebenso sieht Armin Jung großen Nachholbedarf in Sachen Tourismus in Kierspe. Denn Potenzial – Fußballgolfanlage, Hallenbad, durch das auch Schulschwimmen möglich sei, Volme-Freizeitpark und die Mehrgenerationenplätze – sei durchaus vorhanden. Darüber hinaus könnte man auch, ein lang gehegtes Vorhaben, einen Wohnmobilplatz anlegen. Als idealen Platz sieht Jung dafür den Bereich zwischen Hallenbad und Fußballplatz (ehemalige Skaterbahn).

Sommerkino, Mittelaltermarkt, Weinfest und Konzerte sind für den Liberalen die Stichworte, wenn es um den Volme-Freizeitpark geht, wo solche Veranstaltung gut durchgeführt werden könnten. Mehr Gehör bekommen müssten aber auch die Jugendlichen in Kierspe, auf die und deren Bedürfnisse man stärker eingehen müsse. Man solle einen zentralen Platz schaffen für die Jugendlichen, auf dem sie sich – mit Selbstverantwortung – treffen können und sie nicht wegjagen. Es müsse für mehr Toleranz gesorgt werden, mehr miteinander geredet werden. Vielleicht könne auch ein Jugendparlament wieder auf die Beine gestellt werden. Denn, so Jung, man müsse stolz sein auf die Jugendlichen, die Engagement zeigten, sein und sie weiter unterstützen.

Weitere Punkte auf der Agenda von Armin Jung sind der Öffentliche Personennahverkehr, ein medizinisches Versorgungszentrum und die bereits angestoßenen Themen wie Klimaschutz (Klimamanager), Solardachprojekt (auch interkommunal) sowie Mitfahrgelegenheiten. Dabei hat der Kiersper Liberale auch eine Vision: Die Nutzung autonomer Busse in die Volmestadt holen und so beispielsweise abends oder nachts eine Verbindung nach Rönsahl schaffen. Jung will die E-Mobilität weiter voranbringen und die Wälder wieder aufforsten, wobei die Stadt hier eine Vorbildfunktion einnehmen könne. Angesichts dieser umfangreichen Themenliste dürfte Armin Jungs – neben Schützenverein und Kommunalpolitik – kleines Hobby, das Fußballschauen, wohl etwas zu kurz kommen. Aber: „Kierspe ist meine Stadt, hier sind meine Wurzeln – da geht man mit Herzblut dran!“

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