Bürgerbusfahren in den Niederlanden

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Am Mittwoch fährt der Umzugswagen vor. Nach 37 Jahren nimmt Yvonne Schoots van de Siepkamp Abschied von Kierspe.

KIERSPE ▪ Unter dem Vorwand, vor ihrem Umzug in die Niederlande noch einmal gemütlich im Familienkreis essen zu gehen, lud Anette Klingelhöfer Yvonne Schoots van de Siepkamp am Freitagabend ins Hotel Unter den Linden ein.

Dort erwarteten sie rund 100 Freunde und Weggefährten aus unterschiedlichen Zusammenhängen, die das Lied „Muss Yvonne, muss Yvonne zum Städele hinaus“ anstimmten. Und das war erst der Auftakt zu einer unterhaltsamen Überraschungsparty, die die völlig perplexe Yvonne Schoots van de Siepkamp abwechselnd zum Lachen und Weinen brachte.

Unterstützt vom Bürgerbusteam, der Gruppe Reha- und Gesundheitssport, den Frühschwimmern und dem Romméclub, hatten die Initiatorinnen Angelika Willert, Anette Klingelhöfer und Martina Schnerr-Bille für Sketche, Lieder, ein kleines Konzert und eine Dia-Show gesorgt. Selbst eine Video-Botschaft ihrer Tochter Saskia aus New York erwartete die engagierte und beliebte Niederländerin.

Als Yvonne Schoots van de Siepkamp 1973 nach Kierspe zog, hatte sie bereits zweieinhalb Jahre als Au-pair-Mädchen in Kiel verbracht und als Hotelfachfrau in Bayern und Niedersachsen gearbeitet. Ihre Töchter Simone und Saskia wuchsen zweisprachig in Kierspe auf und die ganze Familie fühlte sich im Sauerland ausgesprochen wohl. „Kontakt habe ich ganz schnell bekommen und mich immer in Vereinen engagiert“, erzählt Yvonne Schoots van de Siepkamp.

25 Jahre lang betrieb sie mit „Hänsel und Gretel“ den ersten Secondhandladen für Kinderbekleidung im Ort. Auch im Reha- und Behindertensport war sie in den Bereichen Schwimmen und Gymnastik als Übungsleiterin aktiv. Daneben engagierte sich Schoots van de Siepkamp in Schule und Kindergarten. Seit 2004 verstärkte sie nicht nur das Team der Bürgerbusfahrer, sondern machte auch deren Fahrpläne.

Die Idee, als Rentnerin in die Niederlande zurück zu kehren, reifte bereits ziemlich früh. „Schon 1996 habe ich mich auf die Warteliste für eine Senioren-Wohnung in meinem Heimatort Deventer setzen lassen, aber erst jetzt eine Zusage bekommen“, berichtet Schoots van de Siepkamp. In den Niederlanden würde die Wohnberechtigung nach einem ausgeklügelten Punktesystem vergeben, erklärte sie. „Kommt man in den Genuss einer behindertengerechten Wohnung, gibt es bei kleinem Einkommen auch Wohngeld. Außerdem kann ich als Rentnerin in den Niederlanden kostenlos einen Computerkurs oder Sport machen und für einen Euro mit dem Taxi zum Arzt fahren“, zählt Schoots van de Siepkamp einige Vergünstigungen auf. Wichtige Motivation für ihren Umzug ist aber auch die Aussicht darauf, künftig viel Zeit mit ihren beiden Schwestern verbringen zu können.

Eingewöhnungsschwierigkeiten fürchtet die kontaktfreudige Niederländerin nach den langen Jahren in Deutschland nicht. „Ich werde mich in der Seniorenarbeit engagieren und vielleicht im nächsten Jahr dort Bürgerbus fahren“, erklärt sie lachend. An Kierspe behält sie viele schöne Erinnerungen. Deshalb sind ihr alle Freunde und Weggefährten in Deventer auch herzlich willkommen. ▪ msh

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