Grünes Licht für Brücke – nicht ohne Diskussionen

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Die Brücke steht noch gar nicht uns sorgt doch schon – oder gerade deshalb – für Ärger zwischen Verwaltung und Politik.

Kierspe - Die Brücke im Volmefreizeitpark wird teurer. Jens Ebener vom Planungsbüro ASS bezifferte die Kosten für die Brücke im Volmefreizeitpark auf nunmehr 199 000 Euro. Mit der angekündigten Kostensteigerung befasste sich Montagabend die heimische Politik.

Im Rahmen des Ausschusses für Umwelt und Bauen stimmte das Gremium nach lebhaften Diskussionen für die Realisierung des vorgestellten Brückenentwurfs trotz entstehender Mehrkosten – allerdings nicht einstimmig. Bei zwölf Ja-Stimmen enthielten sich die Ausschussmitglieder Ralf Ullrich (SPD) und Armin Jung (FDP) ihrer Stimmen, Dieter Grafe (UWG) und Bernd Stubenrauch (CDU) gaben ihr Votum gegen das Vorhaben der Stadtverwaltung ab.

Der Stadtverwaltung wehte ein starker Gegenwind aus den Reihen der Politik entgegen, als die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Bauen über die Brücke im Volmefreizeitpark berieten. Nicht für jeden nachvollziehbar war die Kostensteigerung von mehr als 80 000 Euro auf nunmehr 199 000 Euro.

Bei kostenintensiven Planungsabweichungen ist es vor allem die Frage nach der Verantwortung, die auch das Gremium am Montagabend von den Stadtplanern beantwortet wissen wollte. „Konnte die Verwaltung die Kostensteigerung nicht vorhersehen?“, bohrte Hermann Reyher (Grüne) nach, betonte jedoch, dass seine Fraktion weiterhin zum Volmefreizeitpark stehe. Reiner Schürmann, Stadtplaner der Stadt Kierspe, erklärte den Verlauf der vergangenen Wochen folgendermaßen: Die einstige Planung der Brücke hatte zum einen vorgesehen, dass die Brücke im Trockenen, also vor der Verlegung der Volme, gebaut würde und dass der von der Windfuhr kommende Entlastungssammler in das südliche Widerlager einbindet. Zuerst platzte das Vorhaben des trockenen Brückenbaus, da dieser „logistisch nicht in den Bauablauf der Altlastensanierung und der Volmeverlegung integrierbar“ war, so Schürmann – 29 200 Euro Mehrkosten für den Bau der Brücke über der verlegten Volme.

Da die Volme nun um die zu bauende Brücke fließt, stellte der Märkische Kreis als Konsequenz erhöhte Anforderungen an den Gewässerschutz. Man müsse vermeiden, dass beispielsweise Zementleim während des Bauens in die Volme gelangt – 1500 Euro für eine zusätzliche Entwässerungsrinne.

Und schließlich hatte auch noch die Bezirksregierung angeordnet, dass aus Gründen der Wasserdynamik der zuvor mit dem Märkischen Kreis abgestimmte und bereits angelegte Entlastungssammler aus dem Widerlager der Brücke an eine andere Stelle verortet werden müsse – 8000 Euro für die Änderung der Entwurfsplanung und Statik wegen der Umleitung des Rohres. Hinzu kommen steigende Baunebenkosten.

Marie-Luise Linde: „Wenn man etwas plant, holt man doch alle beteiligten Behörden ins Boot.“ Es falle schwer, die Mehrkosten zu verstehen. Trotz der Kostenneutralität für die Stadt Kierspe durch Städtebaufördermittel sei es „eine ärgerliche Geschichte“. Die eine Behörde sage „Hü“ und die andere „Hott“, ärgerte sich Linde. Man müsse sich auf die übergeordneten Behörden verlassen können. „Wer weiß, was als nächstes schief geht.“

„Die Bezirksregierung ist Fördergeber, dementsprechend schnell sei der Märkische Kreis auch eingeknickt“, antwortete Schürmann daraufhin.

Dieter Grafe (UWG), der im Anschluss gegen die weitere Realisierung der Brücke stimmte, machte seinem Ärger Luft: „Für mich ist das keine Planung, wenn ich so daneben hänge. Einer schiebt dem anderen die Schuld in die Schuhe. Wie wollen wir das den Leuten verklickern. Eine Brücke für 200 000 Euro? Das kann man keinem erzählen.“ Wenn man plane, die Brücke im Trockenen zu bauen, dann müsse man auch zusehen, das zu realisieren. Den Vorschlag Carsten Möllers (SPD), anhand von Fertigteilen die Brücke zu realisieren, konnte Bauamtsleiter Carsten Seil als nicht kostengünstiger ablehnen,

Marie Luise Fricke (CDU): „Es gibt immer Ärger, das ist bei allen Bauvorhaben der öffentlichen Hand so.“ Sie gehe davon aus, dass nicht sorgfältig genug geplant wurde. Zwar komme man nun in Kierspe finanziell aus dem Schneider, „aber es sind Steuergelder“. Nichtsdestotrotz sehe sie keine Lösung, als dem Vorschlag zustimmen zu müssen, „damit es da unten weiter geht.“

Und mit dem positiven Votum von zwölf Ausschussmitgliedern steht der Brückenrealisierung auch vorerst nichts mehr im Wege.

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