Brandschutz darf Ambiente nicht ausschließen

Kristin Aubert zeigt die Brandschutzpläne.

KIERSPE ▪ Genau vor einer Woche kam in Marienheide eine 76-Jährige Frau bei einem Brand in einem Seniorenzentrum ums Leben. Die darauf entfachte Diskussion über Übungen und Rauchmeldeanlagen kann Kristin Aubert nachvollziehen. Sie leitet eine ähnliche Einrichtung in Kierspe, betont aber: „Brandschutz ist extrem wichtig, hoher Standart ist Pflicht. Wir haben daher modernste Technik installiert.“

Aubert ist zuständig für das Awo-Seniorenzentrum: Obwohl das Haus nicht neu ist, verfüge es dennoch über jede Menge Technik und Brandschutzvorrichtungen. „Wir investieren eine Menge Geld, um immer auf dem neuesten Stand zu sein“, erklärt sie. Neben Brandmeldeanlagen, die direkt mit der Kreisleitstelle verbunden sind, gibt es Notfallkonzepte und eine Brandschutzverordung, die jeder Mitarbeiter kennen muss. „Das ist selbstverständlich, natürlich ist unheimlich viel vom Gesetzgeber vorgeschrieben, aber wir gehen noch darüber hinaus, dabei dürfen wir aber auch nicht vergessen, dass wir keine sterile Verwahranstalt sind, sondern ein Wohnheim.“ So dürfe das Wohnliche nicht verloren gehen. Bilder an der Wand und ein wenig Mobiliar sorgen für Ambiente, das müsse auch so sein.

Diskutiert wird immer wieder das Thema Rauchen. Nicht ohne Grund: Die Seniorin aus Marienheide hatte mit einer Zigarette das Feuer ausgelöst. „Auf unseren Zimmern dürfen die Bewohner rauchen und das bleibt so“, erklärt die Leiterin. Denn das habe etwas mit Selbstbestimmung zu tun. „Die Senioren wohnen hier, sie haben ein Zimmer gemietet, führen trotz aller Gebrechen noch ein weitgehend eigenverantwortliches Leben. Wenn sie in ihren Zimmern rauchen wollen, dürfen sie das.“

Dies besage auch das Wohn-Teilhabe-Gesetz, allerdings liege es in der Verantwortung der Mitarbeiter, zu entscheiden, ob Rauchen für den Bewohner möglich ist oder nicht. „Demenziell Erkrankte oder zittrige Menschen dürfen nur unter Aufsicht rauchen. Das liegt dann in unserer Verantwortung. Zum Entzug wird hier niemand gezwungen.“

Damit im Ernstfall alles klappt, gibt es regelmäßige Brandschutzübungen für die Mitarbeiter. „1500 Euro geben wir im Jahr allein dafür aus. Aber im Ernstfall, auch wenn er hoffentlich nie eintritt, können die Mitarbeiter alle nötigen Vorgänge in die Wege leiten.“ Schließlich sei ein Brand in einem Pflegeheim etwas ganz anderes als beispielsweise in einer Schule, denn die meisten Menschen seien nicht mehr mobil und könnten ohne Aufzüge, die im Brandfall nicht benutzt werden dürfen, kaum aus dem Haus gelangen.

Lydia Machelett

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