Brand unter Solaranlagen gefährdet die Wehrleute

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Wehrleiter Georg Würth hat sich über die Gefahren für seine Wehrleute beim Brand von Gebäuden, auf denen eine Photovoltaikanlage installiert ist, gründlich informiert. ▪

KIERSPE ▪ Es sind gerade der Umweltschutz und alternative Antriebstechnik, die den Feuerwehren den Einsatz schwer machen. Elekrtofahrzeuge stellen ebenso größere und neue Risiken bei der Bergung von Unfallopfern wie Autos mit Gasantrieb dar. Aber auch bei der Brandbekämpfung an Gebäuden, müssen die Wehrleute jetzt größere Vorsicht walten lassen, denn von den Photovoltaikanlagen, die eigentlich nur Sonnenlicht in Strom umwandeln sollen, geht eine nicht unerhebliche Gefahr aus.

„Da die Anlagen sich nicht abschalten lassen und immer Strom produzieren, ist der Einsatz des Löschwassers risikoreich“, so Georg Würth, Wehrleiter in Kierspe. Da die Zellen auf dem Dach eine Spannung von mehr als 900 Volt liefern könnten und bei Gleichspannung bereits 100 Volt tödlich sein könnten, müssten die Wehrleute einen größeren Abstand zum Dach halten als üblich, um vor einem Stromschlag durch zurücklaufendes Löschwasser geschützt zu sein.

Darüber hinaus würden die Elemente wie ein Regenschirm das Dach abdecken und somit auch verhindern, dass das Löschwasser bei einem Dachstuhlbrand durchkommt.

Würth: „Doch damit endet noch lange nicht die Gefahr, denn die Träger der Kollektoren sind aus Aluminium, dieses wird aber bei großer Hitze instabil, ohne dass man das den Metallstreben ansieht. So kann es sein, dass die Elemente unvermittelt vom Dach stürzen.“ Eine Annäherung an den Brandherd aus dem Gebäudeinneren gestalte sich bei einem Dachstuhlbrand auch ausgesprochen schwierig, da die Wehrleute nicht wüssten, wo die stromführenden Kabel verliefen und so auch dort Wasser im Grunde nicht zum Löschen eingesetzt werden könne.

Selbst bei einem Brand in der Nacht sind die Wehrleute nicht geschützt. Denn allein der Schein des Feuers oder die Beleuchtung der Einsatzstelle durch die Wehr reicht aus, damit die Elemente Strom produzieren. „Das kann jeder nachvollziehen, der einen Solar-Taschenrechner mal vor eine Lampe gehalten hat“, erklärt Dirk Hettesheimer, der mit 60 kw eine der größten Anlagen in Kierspe betreibt und sich als Feuerwehrmann vor dem Aufbau auf Rinderstall und Scheune Gedanken über die Sicherheit gemacht hat. Während bei ihm die Dächer von der Rückseite gut erreichbar sind, ist das nach Einschätzung von Würth bei vielen Häusern im Stadtgebiet selten der Fall. „Im schlimmsten Fall bleibt uns nichts anderes übrig, als die Umgebung zu schützen und das Haus mit der Photovoltaikanlage kontrolliert abbrennen zu lassen“, so der Wehrleiter, der sich derzeit bemüht, von der Mark E eine Liste mit allen Photovoltaikanlagen zu bekommen, um bereits bei der Alarmierung zu wissen, was auf seine Leute zukommt. Bei staatlichen Stellen sei solch ein Verzeichnis nicht zu bekommen, da die Anlagen selbst genehmigungsfrei errichtet werden dürften.

Nur in einem Punkt kann Würth Entwarnung geben: Giftige Dämpfe oder andere Schadstoffe würden beim Brand unter einer Anlage nicht entweichen. Das sei bei den ganz alten Photovoltaikelementen noch anders gewesen. „Doch glücklicherweise kamen diese in unserer Stadt so gut wie gar nicht zum Einsatz. Und wenn, handelt es sich dabei um sehr kleine Photovoltaikanlagen“, erklärt Georg Würth. ▪ Johannes Becker

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