Dieter Grafe: „Wenn es so weiter geht, wird es die größte Katastrophe“

Ein Drittel gar nicht verkaufsfähig

Borkenkäfer - Wald - Fällen - Festmeter
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Rund 2300 Festmeter Holz oder 60 Lkw-Ladungen werden im Gebiet zwischen der L 528 und K 25 gefällt, da die Bäume vom Borkenkäfer befallen waren und abgestorben sind.

„Wenn das so weiter geht, wird das die größte Katastrophe“, malt UWG-Ratsherr Dieter Grafe ein düsteres Bild, in diesem Fall für den Wald.

Das habe nichts mit Monokultur zu tun, vielmehr sei der Klimawandel einzig und allein der Grund dafür, dass die Fichten im Sauerland absterben werden. „Und wir haben keine Mittel, es zu stoppen!“ Viele würden das Ganze noch nicht ernst nehmen: Früher hätte sich der Baum mit einer starken Rinde und Harz gegen den Borkenkäfer gewehrt. Heutzutage sei der Baum aufgrund der Trockenheit zu schwach für Abwehrmaßnahmen.

Wenn das so weiter geht, wird das die größte Katastrophe.

Dieter Grafe, UWG-Ratsherr und Waldbauer

Auf der anderen Seite sei der Borkenkäfer früher im Winter in den Boden gegangen und dort zu 80 oder 90 Prozent (durch Frost) abgestorben. „Heute gibt es keine Winter mehr“, sagt Grafe und meint damit die Kälte, die dem Insekt zusetzt. Der Käfer bleibe sogar über Winter in der Rinde des Baums, verfüge daher auch über eine sehr große Population.

Angesichts der Trockenheit in den vergangenen Jahren befürchtet der Unabhängige darüber hinaus, dass es mittelfristig keine regionalen Produkte mehr gibt, da es immer weniger beziehungsweise keine Produzenten und keinen Anbau mehr geben werde. Ein wesentlicher Punkt dafür sei eine aufkommende Wasserknappheit.

Bereits in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Bauen hatte der Unabhängige eine emotionale Rede gehalten, als es um das Thema Stadtwald ging. Früher habe man den städtischen Wald als die Sparkasse der Stadt bezeichnet, zieht Grafe nun nach, da konnten jährlich 200 000 bis 300 000 Euro in den Haushalt abgeführt werden. „Doch heute ist die Sparkasse ausgebrannt!“

Noch ist die Arbeit des Harwesters nicht beendet, denn es sind zahlreiche Bäume zu fällen.

Die überaus prekäre Lage des Waldes trifft natürlich nicht nur die Stadt, sondern alle Waldbauern und insbesondere auch die Förster, die, so Grafe, an der Grenze ihrer Belastbarkeit – nicht nur körperlich, sondern vor allem mental – angekommen seien. Es sei eigentlich nicht die Aufgabe der Förster, sich „um kranke und tote Bäume zu kümmern“, zollt der UWG-Ratsherr ob des Einsatzes der Förster ihnen ein dickes Lob.

Wirtschaftlicher Schaden

„Wir haben noch Glück gehabt“, macht Dieter Grafe auf den wirtschaftlichen Schaden aufmerksam und nennt als Beispiel die 2300 Festmeter Fichtenholz, die jetzt wegen des Borkenkäfers im Bereich zwischen der Landstraße 528 (nach Halver) und der Kreisstraße 25 (nach Berken) gefällt werden müssen. Denn etwa zwei Drittel der Bäume sei an der spitzen Seite 22 Zentimeter dick und wenigstens elf Meter lang, sodass beim Verkauf noch 6 Euro übrig blieben.

„Ein Drittel ist aber gar nicht verkaufsfähig“, erklärt Grafe, dass die Stämme zu dünn oder zu kurz sind. „Bei sechs Meter langen Stämmen muss ich einen Euro drauf legen, um sie loszuwerden!“ Vor der Borkenkäferplage und der Trockenheit habe der Waldbauer 80 oder 90 Euro pro Festmeter erhalten. Bei dem jetzt gerodeten Wald – immerhin etwa 60 Lkw-Ladungen – hätte dies eine Einnahme von rund 200 000 Euro bedeutet, rechnet Grafe vor.

Heute gebe es 30 Euro pro Festmeter und davon müsse man noch die Werbungskosten abziehen. „Das reicht nicht einmal für eine Aufforstung“, würde sich Dieter Grafe über eine größere finanzielle Unterstützung des Landes freuen. Denn allein für den gesamten Kiersper Wald rechnet er mit einem Schaden von rund 30 Millionen Euro und mehr. Denn die anderen Baumbestände seien ebenfalls schon angegriffen, entfernt werde derzeit aber nur die bereits (sichtbar) abgestorbenen Fichten.

Und wir haben keine Mittel, es zu stoppen.

Dieter Grafe, UWG-Ratsherr und Waldbauer

„Und der Schaden für die Umwelt ist nicht messbar!“, befürchtet Grafe, dass eine Reihe von kleineren Waldbauern aus finanzieller Not die toten Bäume stehen lassen, diese dann irgendwann umfallen und ein Waldbetretungsverbot ausgesprochen werden müsse. Zumal eine Wiederaufforstung viel Zeit beansprucht – auf der anderen Seite ist nach wie vor nicht geklärt, welche Bäume man anstelle der Fichten pflanzen sollte. Die Buche leide auch schon erheblich unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen. Und Empfehlungen von Experten, welche Baumart am besten mit Trockenheit zurechtkomme und ebenso gegen Borkenkäfer gewappnet sei, gebe es bislang nicht.

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