Bohrungen belegen Altlasten auf Industriebrache an B 54

KIERSPE - Alle Gutachten wie das Altlastengutachten und das Grundstückswertgutachten, auch das hydrologische Gutachten sowie das ökologische Gutachten für das Wasserrechtsverfahren liegen inzwischen vor, so dass das Regionale-Projekt des Volme-Freizeit-Parkes jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung Wirtschaftsförderung und auch im Rat behandelt werden kann.

Von Rolf Haase

Wenn es dann grünes Licht gibt, kann der städtebauliche Wettbewerb auf der Grundlage der Vorgaben aus Kierspe ausgeschrieben werden. „Eine davon wird auf jeden Fall der Kostenrahmen sein“, informiert der städtische Planer Rainer Schürmann. Auch müssen noch die Förderungen aus den verschiedenen Töpfen koordiniert werden. Der Ausschuss tagt am 2. Oktober und der Rat am 9. Oktober.

Besonders das 400 bis 500 Seiten umfassende Altlastengutachten wurde mit viel Spannung erwartet und der bestehende Verdacht hat sich bestätigt: Abgesehen von mehreren weitgehend unbedeutenden Funden gibt es einen größeren im Bereich der ehemaligen Firma Goseberg und Grashoff, der im Zusammenhang mit der von den Unternehmen betriebenen Galvanik steht. Es handelt sich aber nicht um Verbindungen aus dem eigentlichen Härtungs- und Beschichtungsprozess der Metalle wie Cyanide, sondern um leicht flüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe wie Trichlorethen und Tetrachlorethen, die Bestandteile von Kaltreinigern sind und vor der Behandlung zum Entfetten der Teile eingesetzt wurden.

Sie finden sich, das haben die Kernbohrungen des Ingenieurbüros Mull und Partner aus Hagen vor einigen Wochen gezeigt auf einem rund 40 mal 50 Meter großen Areal im Boden und auch im Grundwasser. Problem ist, dass sie leichtflüchtig und krebserregend sind, weshalb bei der Sanierung und Entsorgung Schutzvorkehrungen für die dort tätigen Mitarbeiter getroffen werden müssen.

Es handelt sich an einigen Stellen um extrem hohe Konzentrationen. So wurde der Grenzwert im Wasser von 10 Milligramm um fast bis das 800-fache überschritten, im Boden-Luft-Bereich um mehr als das 200-fache und direkt im Erdreich waren es statt dem zulässigen Grenzwert von 25 Milligramm pro Kubikmeter bis zu 1500 Milligramm, also das 60-fache. „Es wird davon ausgegangen aufgrund der langen Zeit, dass es auch schon geringe Einträge in die Volme gegeben hat“, berichtet Schürmann. Zur Beseitigung bestehe auch deshalb dringender Handlungsbedarf.

Eigentlich wären die Eigentümer dafür verantwortlich, allerdings liegen da zwei Insolvenzen vor. Deshalb musste sich die Kommune ohnehin des Falls annehmen.

Wenn die Industriebrachen mit ihren Altlasten zurückgebaut sind und die Volme, wie das geplant ist, revitalisiert ist, soll auf dem Gebiet zwischen Kölner Straße, Volmestraße und Windfuhr ein Grünbereich stehen. Arbeitstitel im Rahmen des Regionale-Projektes ist Volme-Freizeit-Park, für den Bürgermeister Frank Emde aber schon den viel treffenderen Begriff der Volme-Freizeit-Aue geprägt hat. Denn entstehen soll dort, das haben ebenfalls die Vorschläge aus der Bevölkerung deutlich gemacht, eine weitgehend naturbelassene Anlage, die den Menschen Verweilmöglichkeiten bietet.

Die Volme soll auf einer Länge von 350 Metern weg von der vielbefahrenen Bundesstraße verlegt und dann 80 Meter entfernt im Bereich des ehemaligen Obergrabens entlang führen. Sie soll mit Mäandern, Flussschotter im Bereich einer bei Niedrigwasser begehbaren Furt, Setzsteinen, Wurzelstücken und Dreiecksbuhnen als Steine oder Holzstämme ausgestattet und so renaturiert werden. Die Volme wird dann durch einen teilweise rund drei Meter tiefen Einschnitt fließen. „Das ist laut Gutachten erforderlich, damit auch ein 100-jähriges Hochwasser aufgenommen werden kann“, erläutert Schürmann.

Vom geplanten Radweg, der über die Windfuhr führt, wird es einen Zugang über den Gleiskörper der Bahn geben, so dass die Radfahrer auf dem Gelände eine Pause einlegen können. Die Bahn hat bereits einer Umlaufsperre wie sie ebenfalls für den Fußweg nach Neuebrücke vorgesehen ist, zugestimmt.

Die Städtebauförderung ist seitens des Landes längst genehmigt und die wasserrechtliche Förderung ist an die Genehmigung gekoppelt, die bereits mündlich für die laufende Woche angekündigt wurde. Zur Beseitigung der Altlasten auf der Basis des Gutachtens hat die Stadt einen Dringlichkeitsantrag auf Zuschussgewährung ans Land gestellt.

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