Blitz-Marathon: Raser im Visier der Polizei

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Horst Kurte von der Polizei Meinerzhagen hatte die Raser im Visier. ▪

KIERSPE ▪ Der Wagen ist völlig zerstört: Dort wo sich normalerweise der Fahrersitz befindet, ist nun der Baum. Der junge Fahrer liegt 100 Meter weiter auf der Straße, er wurde herausgeschleudert und war sofort tot.

Massen von Rettungskräften versuchen verzweifelt das Leben der jungen Beifahrerin zu retten. Eine Woche später die Beerdigung – die Mutter bricht am Grab zusammen, Klassenkameraden weinen bitterlich: Bilder, die unter die Haut gehen. Schuld war Raserei. Unfälle wie diesen, gibt es viele – „viel zu viele sogar“, meint NRW-Innenminister Ralf Jäger und sagt Rasern den Kampf an. Im Rahmen des landesweiten Blitzmarathons hatte auch die Meinerzhagener Polizei am Dienstag alle Hände voll zu tun.

„Ich frage mich jedesmal, wenn ich weiß, dass Raserei im Spiel war, ob der Unfall wirklich sein musste“, erklärte Polizeihauptkommissar Jürgen Dunkel. Gemeinsam mit seinem Kollegen Polizeioberkommissar Horst Kurte hatte er an der Thingslindestraße Position bezogen. Anwohner hatten gemeldet, dass in der Straße häufig viel zu schnell gefahren werde. Doch von Raserei keine Spur: „Erst einmal wissen alle, dass heute überall geblitzt wird und zudem werden sicherlich viele Fahrer von entgegenkommenden Fahrzeugen gewarnt“, erläuterte Kurte. Ob ihn die Warnerei ärgere? „Natürlich“, antwortet er knapp und konzentriert sich wieder auf ein heran nahendes Fahrzeug. Sein Kollege ergänzt: „Ich kann nicht verstehen, warum Autofahrer das tun. Sie warnen davor, dass wir gegen Raser vorgehen – und genau die gehen dann für die paar Meter vom Gas. Es sind ja nicht die, die statt 30 Kilometer pro Stunde 38 fahren, die uns Sorge bereiten, wobei auch das natürlich nicht richtig ist.“ Außerdem koste das Warnen anderer Fahrer zehn Euro. Ein Verwarngeld, dass die Beamten für angemessen halten: „Wer weiß, vielleicht ist es genau der Raser, den wir durch eine Warnung heute nicht bekommen, der morgen einen schweren Unfall verursacht“, erklärte Dunkel. Überhaupt gehe es den Beamten nicht darum, möglichst viele Fahrer zu erwischen. „Am liebsten ist uns natürlich, wenn wir gar keinen Raser anhalten müssen.“

Wieder zeigt das Messgerät eine Geschwindigkeitsüberschreitung: 40, also zehn Kilometer pro Stunde zu schnell. Die Fahrerin zeigt sich einsichtig: „Ich habe einen Moment nicht drauf geachtet. Ist halt Pech.“ Wenig später ein schwarzer Van, auch dieser Fahrer nimmts gelassen: „Meine Frau hat´s mir heute morgen noch gesagt, aber naja – dumm gelaufen.“ So wie die beiden reagieren längst nicht alle Fahrer. Kurte und Dunkel haben da schon einiges erlebt. Erst am Morgen erwischten sie einen Fahrer, der kein Verständnis für die 24-Stunden-Blitzaktion hatte: „Der wurde laut, schimpfte über die Polizei, über den Messort und vieles mehr. Aber so etwas kommt vor, davon lassen wir uns nicht abschrecken“, erzählte Dunkel. „Die Geschwindigkeitsmessung ist eine wichtige Aufgabe der Polizei“, so Kurte. Wie wichtig, zeigt die Verkehrsunfallentwicklung: Zwar seien 2011 in Kierspe und Meinerzhagen weniger Verkehrsunfälle passiert, doch die Zahl an Unfällen mit schwerwiegenden Folgen sei deutlich gestiegen. Registriert wurden zwei Tote, 27 Schwerverletzte und 120 Leichtverletzte. 32 der insgesamt 146 Unfälle in Kierspe und Meinerzhagen seien aufgrund von Raserei geschehen – nach Fahrfehlern beim Abbiegen (41) und Missachtung der Vorfahrtsregeln (40) die häufigste Ursache und zudem die mit den gravierensten Folgen. ▪ Lydia Machelett

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