Spitzenkoch zu Gast an der Mensa der Gesamtschule Kierspe

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Zwei Tage war Björn Moschinski in Kierspe, um das Küchenteam der Mensa von seiner Vision einer gesunden Ernährung zu überzeugen: zielgruppenorientiert, schmackhaft, umsetzbar und wirtschaftlich soll das vegane Essen sein. Ziele, die erreicht wurden.

Kierspe - „Ich bin Veganer und heute kann ich mal was anderes essen als Pommes mit Ketchup“, die Lehrerin der Gesamtschule freut sich sichtlich über den Aktionstag des Mensavereins. Gemeinsam mit dem Gourmetkoch Björn Moschinski hat das Küchenteam zwei vegane Menüs gekocht und damit nichts anderes als einen Systemwechsel eingeläutet.

Mehr als 400 Essen werden im Schnitt mittags an der Gesamtschule vom Mensateam gekocht und ausgegeben. Bei der Hälfte der warmen Speisen handelt es sich um Pommes, wahlweise mit Ketchup oder Mayonnaise. Übrig bleiben 200 Menüs mit Fleisch und rund 40 vegetarische Menüs. Gestern war das anders, denn der Berliner Koch Björn Moschinski hat sich der veganen Küche verschrieben. Und statt – wie früher – ein eigenes Restaurant in Berlin zu betreiben, reist er durchs Land und schult Küchenteams. „Die, die heute jung sind, müssen eine andere Einstellung zum Essen gewinnen“, da ist sich der Koch sicher – und geht deshalb besonders gerne in Schulküchen. Von dem Kiersper Mensateam zeigt sich Moschinski begeistert.

Das Küchenteam und Stefan Wilczewski (rechts, Mensavereinsvorsitzender) sind von Boris Moschniski sehr angetan.


Eine Begeisterung, die auf Gegenseitigkeit beruht. Denn die meisten Mitarbeiter in der Küche sind beeindruckt von den Ideen des Kochs und durchaus bereit, in Zukunft mehr veganes Essen zuzubereiten. Doch letztlich entscheiden darüber die, die auf der anderen Seite der Theke stehen. Und die Schüler halten sich mit ihrem Urteil nicht zurück. Letztlich gibt es für sie nur zwei Kategorien bei der Beurteilung: schmeckt oder schmeckt nicht. Dazwischen gibt es keine Abstufungen.

Doch letztlich kann Stefan Wilczewski als Vorsitzender des Mensavereins zufrieden sein. Denn der Daumen geht mehrheitlich hoch, wobei vor allem die vegane Mayonnaise nicht jedem zusagt. Bei der Bolognese gibt es nur wenige kritische Stimmen. Wilczewski: „Beim Fleisch sind es vor allem die Röstaromen, die wir schmecken, deshalb lässt sich der Fleischgeschmack in der Soße gut vortäuschen. Beim Mangoldkartoffelauflauf fällt keinem das Fehlen der Milchprodukte auf. Nur bei der Mousse au Chocolat begegnet den Mensanutzern ein ungewohnter Geschmack. Und beim selbst gemachten Eistee bemängeln einige den Nachgeschmack. Moschinski jedenfalls ist zufrieden mit der Resonanz: „Ich will zeigen, dass der Geschmack des Essens nicht vom Fleisch abhängig ist. Und das kann ich sehr eindrucksvoll beweisen.“ Die Aussage hat er vor der Essensausgabe geroffen – und behält danach auch recht.

Gemeinsam mit Küchenchefin Angelika Nowak holt Moschinski den Mangoldauflauf aus dem Ofen.


Der Koch selbst isst seit 24 Jahren ausschließlich vegan, eine Entscheidung, die er nie bereut hat. So weit ist das Küchenteam noch nicht. Doch nach dem Tag und dem vorausgegangenen Vortragsabend mit Moschinski sagt Küchenchefin Angelika Nowak: „Ich finde das alles ganz klasse. Es hat uns allen sehr viel Spaß gemacht.“

In Zukunft will man in der Mensa der Gesamtschule möglichst noch frischer und „gesünder“ kochen. „Mit Burger King erwächst uns ein großer Mitbewerber. Da können wir nicht gegen ankochen. Deshalb wollen wir mit einem anderen, frisch zubereiteten Essen bewusst einen Punkt dagegensetzen“, sagt Wilczewski. Sein Ziel ist dabei ganz klar: weniger Fleisch, mehr hochwertige Lebensmittel. Aber er weiß auch, dass das mit 1,90 Euro, die ein Menü auf der Zutatenseite kosten darf, nicht einfach umzusetzen ist. Um so wichtiger war dem Vorsitzenden des Mensavereins, dass er mit dem Besuch von Moschinski ein deutliches und geschmacklich herausragendes Startzeichen gegeben hat.

Björn Moschinski

Der 1979 in der DDR geborene Björn Moschinski ist veganer Koch, Autor und Tierrechtsaktivist. Bis März 2015 war er Inhaber des veganen Restaurants „MioMatto“ in Berlin. Moschinski machte 1998 einen Abschluss als Energieelektroniker und 2002 einen Abschluss als Mediengestalter. Von 2001 bis 2005 arbeitete er als Caterer und kochte dabei bei Filmsets, großen Veranstaltungen, Konzerten, Firmenfeiern und privaten Festen mit rein pflanzlichen Zutaten. 2008 eröffnete er das vegane Gourmet-Restaurant La Mano Verde in Berlin, in dem er als Chefkoch arbeitete. 2009 war er als erster veganer Koch im Magazin „Der Feinschmecker“ vertreten. 2011 eröffnete er mit Partnern das vegane Restaurant Kopps, welches im selben Jahr ebenfalls im Magazin „Der Feinschmecker“ Erwähnung fand. 2013 eröffnete er das „MioMatto“ in Berlin. Moschinski ist mehrfach im Fernsehen als Experte für veganes Kochen aufgetreten.

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