Legales Glücksspiel in den Kiersper Seniorenzentren

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Besonders bei Senioren ist das Bingo-Spiel beliebt: Sowohl im Seniorenzentrum am Haunerbusch als auch in der Seniorenresidenz an der Montigny-Allee wird es regelmäßig gespielt.

Kierspe - „Ja, bei uns wird Glücksspiel betrieben, aber ganz legal“, sagt Michael Borchert, Leiter des Awo-Seniorenzentrums am Haunerbusch, mit einem Lachen. Denn für die Karten des durchaus beliebten Bingo-Spiels, das zweimal im Monat stattfindet, wird kein Geld genommen. „Die Teilnehmer erhalten aber trotzdem Preise“, fügt Borchert hinzu.

Anders sah dies in einem Seniorenzentrum in Köln aus: Dort zahlten Teilnehmer für die Bingo-Karte 50 Cent oder 1 Euro. Mit dem Geld wurden die Preise gekauft beziehungsweise bezahlt – für einen Rechnungsprüfer Grund genug, die Sozial-Betriebe-Köln (SBK) auf den möglichen Gesetzeskonflikt hinzuweisen.

Durch Geldeinsatz wird es zum Glücksspiel

Denn wenn beim Bingo-Spiel Geld eingesetzt wird, fällt es unter den Glücksspielstaatsvertrag, da nach Juristen-Einschätzung damit möglicherweise die Kriterien des Vertrags erfüllt sind. Denn die Senioren würden eigenes Geld einsetzen und das Spiel sei im Grunde öffentlich.

„Wir waren da selbst völlig fassungslos, dass wir als Senioreneinrichtung eventuell illegales Glücksspiel betreiben“, sagte SBK-Geschäftsführerin Gabriele Patzke. Die Konsequenz: Der wöchentliche Bingo-Treff – mit bis zu 100 Teilnehmern – in der Kölner Einrichtung wurde gestrichen.

Davon ist man nicht nur im Awo-Seniorenzentrum am Haunerbusch weit entfernt, sondern ebenfalls in der benachbarten Seniorenresidenz. Denn auch dort gibt es das Glücksspiel Bingo und auch in der Einrichtung an der Montigny-Allee wird kein Geld von den Teilnehmern verlangt oder eingenommen.

Die MZ-Anfrage löste auch bei Samuel Eickermann, der zusammen mit Michaela Nevis die Einrichtung leitet, Lachen und Kopfschütteln aus. Schließlich wird auch in der Seniorenresidenz alle zwei Wochen Bingo gespielt. „Es kommen immer dieselben wieder“, weiß Eickermann, dass das Spiel bei ihnen sehr beliebt ist.

Auch gibt es stets kleine Preise wie Süßigkeiten, Torten oder Pralinen. Das müsse angesichts von durchschnittlich sieben Teilnehmern auch drin sein, betont der Einrichtungsleiter. Daher muss weder in der Seniorenresidenz noch im Seniorenzentrum eine Genehmigung, wie in der Kölner Einrichtung, eingeholt werden.

Keine Genehmigung notwendig

Die Kiersper können weiterhin in beiden Einrichtungen ganz legal dem Bingospiel frönen. Aber auch den Senioren in der Domstadt will man „unbürokratisch und so schnell es geht“ helfen, dass sie wieder Bingo spielen können und dies in den nächsten drei Monaten.

Dafür müssen die Sozial-Betriebe-Köln dem Ordnungsamt die Termine für die Spielrunden aber mitteilen. Denn laut einer SBK-Anwältin sei nun geklärt, dass die öffentlichen Bingo-Treffs in dem Seniorenzentrum unter „kleinere Lotterien“ fallen. Dafür werde eine vereinfachte Genehmigung benötigt.

Ursprünge des Bingo-Spiels

Bingo ist ein Lotteriespiel und wurde 1929 von dem Amerikaner Edwin Lowe eingeführt. Nach Überlieferungen hatte er auf einem Jahrmarkt eine Gruppe von spanischen Spielern beobachtet, die die gezogenen Zahlen mit getrockneten Bohnen abdeckten und bei Gewinn „Beano“ riefen. Als Lowe seine ersten Beano-Runden in New York veranstaltete, rief eine Gewinnerin versehentlich „Bingo“. Diesen Namen fand Lowe besser, und so blieb es dabei. Für einen Dollar pro Jahr durften andere das Spiel selbst nutzen, allerdings unter der Auflage, es Bingo zu nennen.

Die Regeln

Die Teilnehmer kaufen Lose oder auch Teilnahmecoupons, die mit einer Anzahl von Zahlen bedruckt sind. Ein Conférencier zieht wie beim Lotto per Zufall aus einer Trommel Kugeln mit aufgedruckten Zahlen. Er ruft diese Zahlen aus, woraufhin die Teilnehmer sie auf ihren Spielkarten mit einem Farbstempel oder einem Stein markieren – sofern sie die ausgerufenen Zahlen auf ihrem Teilnahmecoupon haben. Sobald der erste Teilnehmer auf seinem Los alle 5 Zahlen einer waagerechten oder senkrechten Reihe oder Diagonale markieren konnte, ruft er laut und vernehmlich: „Bingo!“ Es gibt noch weitere Spielvarianten, die andere Gewinnkombinationen zulassen.

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